Altın Gün: "Garip" – Hommage an Volksmusiker Neşet Ertaş
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Die türkische Psychedelic-Groove-Band Altın Gün aus Amsterdam hatte 2018 ihren großen Durchbruch. Inzwischen sind sie Grammy-nominiert und haben eine riesige Fangemeinde. Ihr sechstes Studioalbum „Garip“ bringt Veränderung mit sich.
Von Negisa Blumenstein
Altın Gün sind bekannt für ihren psychedelischen Sound: verzerrte Gitarren, Synthesizer und Streicher mit türkischem Gesang. Damit gelten sie als Vorreiter des Anadolu-Rock, der sich in den letzten Jahren weiterentwickelt hat. Für die Band ging zuletzt eine Ära zu Ende: Frontsängerin und Songwriterin Merve Daşdemir hat die Band vor zwei Jahren verlassen – sie wolle ein neues musikalisches Kapitel beginnen.
Neue Stimme, neue Ära
Daşdemirs Stimme fehlt jetzt – die Vocals übernimmt neuerdings Bandmitglied Erdinç Ecevit Yıldız. Die erste Platte nach dem Umbruch ist "Garip" - was in diesem Zusammenhang soviel bedeutet wie "Jemand, der niemanden hat. Jemand, der irgendwie im Leben verloren gegangen ist". Mit diesem Projekt möchte die niederländische Band der anatolischen Volksmusik-Ikone Neşet Ertaş Tribut zollen: Dieser wurde in den 70er-Jahren als Sänger, Komponist und Bağlama-Spieler bekannt.
Türkische Volksmusik und Rock’n’Roll
Zu Lebzeiten veröffentlichte Neşet Ertaş 30 Alben - zehn seiner Lieder haben Altın Gün jetzt neu interpretiert und ihre eigene Rock’n’Roll-Note hinzugefügt. Sänger Erdinç erklärt, er habe damit seine Wurzeln neu erkundet. Seine Eltern stammen beide aus der Türkei und sogar aus derselben Gegend wie Neşet Ertaş. In seiner Kindheit habe Erdinç Kassetten des Volksmusikers gehört - aber erst jetzt die Texte wirklich verstanden.
Sehnsucht und Abschied
In "Gönül Dağı" geht es etwa um die Einsamkeit und Sehnsucht im ländlichen Anatolien. "Neredesin Sen" - zu deutsch "Wo bist du?" – thematisiert den Schmerz der Liebe. Der Song handele von etwas oder jemandem, der dem Leben einen Sinn gegeben hat und plötzlich verschwindet, erklärt Sänger Erdinç.