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 Protoje – "The Art Of Acceptance" - Zeichnung, der Sänger vor einer Pfütze in einer bergigen Wüstenlandschaft.

Album der Woche "The Art Of Acceptance" - Die hohe Kunst der Akzeptanz

Stand:

Auf seinem siebten Album hat er den Fokus wieder ganz auf Reggae gelegt. Und trotzdem klingt "The Art Of Acceptance" verdammt fresh - und nach einem Protoje, der vollkommen in sich ruht.

Von Ellen Köhlings & Pete Lilly

Protoje ist längst eine Schlüsselfigur der jamaikanischen Musikszene. Er hat den modernen Reggae im letzten Jahrzehnt maßgeblich geprägt. In den 2010er Jahren hat er gemeinsam mit jungen Acts wie Chronixx und anderen Reggae wieder groß gemacht. Das weltweit heißgeliebte Genre wurde entstaubt und offener gedacht. Das galt vor allem für Protoje, der das Genre um neue Einflüsse aus dem HipHop und Rap erweitert hat.

Protoje - "The Art Of Acceptance"

COSMO Album der Woche 20.04.2026 02:36 Min. Verfügbar bis 20.04.2027 COSMO


Es ist einem Remix-Album zu verdanken, dass sich Protoje wieder verstärkt auf seine Reggae-Wurzeln besinnt. Aus "In Search Of Lost Time" von 2020, das recht experimentierfreudig mit verschiedenen musikalischen Einflüssen jonglierte, entstand 2023 in Zusammenarbeit mit dem Produzentenkollektiv Zion I Kings das reine Roots-Reggae-Album "In Search Of Zion". Ein längerer Aufenthalt in Äthiopien tat dann sein Übriges - Protoje ging in dieser Zeit spirituell und musikalisch in sich.

Reggae-Rückbesinnung

Es ist die Rückbesinnung auf Reggae, die "The Art Of Acceptance" so besonders macht. Selbst wenn Einflüsse aus HipHop oder R&B noch hier und da durchschimmern, gehen sie am Ende doch in einem Roots-Sound auf und ordnen sich ihm harmonisch unter. Das Album wurde größtenteils live eingespielt, mit Protojes In.Digg.Nation-Band in seinem eigenen Habitat-Studio in den Bergen über Kingston. Auch von diesem musikalischen wie spirituellen Austausch lebt das Projekt. Protoje war es wichtig, dass "The Art Of Acceptance" nahtlos live gespielt werden kann - es ist sozusagen für die Bühne gemacht. Und im Gegensatz zu seinen letzten beiden Alben, bei denen Protoje selbst Regie führte, konnte er sich nun wieder ganz auf seine Gabe als Songwriter konzentrieren. Inhaltlich nehmen die Rastafari-Religion und schwarzes (Selbst-)Bewusstsein wieder mehr Raum ein. Auch das ist seiner längeren Äthiopienreise geschuldet - aber auch seiner Vorliebe für Geschichte.

 Alte Weggefährten

Produziert wurde "The Art Of Acceptance" von Winta James. Mit ihm hat Protoje bereits zwei Alben aufgenommen: "Ancient Spirit“ (2015) und "A Matter Of Time" (2018). Seitdem haben sich die beiden Akteure weiterentwickelt und doch wieder zueinandergefunden. Dass sie sich nach wie vor blind verstehen, beweist "The Art Of Acceptance", das an die fruchtbare Arbeit von früher anknüpft, diese aber auf ein neues Level hievt.

Hochkarätige Features

"The Art Of Acceptance"lebt auch von den insgesamt sechs starken Features. Mit der Damian-Marley-Zusammenarbeit "At We Feet" hat sich Protoje einen lang gehegten Traum erfüllt: Der jüngste Sohn von Bob Marley ist erklärtermaßen sein größter Einfluss, wenn es um modernen Reggae geht. Für die bewegende Nummer "1.000 Lashes" konnte er dessen Bruder Stephen Marley gewinnen. Der macht sonst eher selten gemeinsame Sache mit anderen Artists. Ein weiteres Collabo-Highlight ist die sweete Lover’s-Nummer "Goddess". Dafür hat er die gefragte Dancehall-Sängerin Shenseea zu sich ins Studio geholt. Ihr steht auch Reggae sehr gut zu Gesicht.

Lektionen des Lebens

Protoje scheint angekommen zu sein, bei sich und bei seinen Wurzeln. Der Druck vergangener Tage ist einer Gelassenheit gewichen, einer Zufriedenheit, einer Akzeptanz. Er betrachtet"The Art Of Acceptance" als ein Produkt dessen, was er in seinem Leben gelernt hat zu akzeptieren Dazu zählt er unter anderem, sich weder von Erfolg geißeln zu lassen, noch etwas auf Neider und Missgunst zu geben. Sein neuer Ansatz ist auch persönlichen Lektionen in seinem Leben geschuldet. Protojes neue Philosophie ist einfach: mit dem Flow gehen und akzeptieren, was einem das Leben bietet. Das bedeutet nicht resignieren, sondern sich seiner selbst vollständig bewusst zu werden und auch die Seiten an sich zu akzeptieren, die man vielleicht lieber verstecken möchte. Es steckt Einiges an Weisheit in diesem Album: die große Kunst der Akzeptanz verpackt in großartige Musik.