"Sei nicht fake" - was Sängerin Eniola im groovenden Dance-Track "Body Flows" regelmäßig wiederholt, fängt auf gewisse Art den Geist des fünften Albums der britischen Big-Band Nubiyan Twist ein. "Chasing Shadows" ist eine Ode an handgemachte Musik und menschliche Verbindungen in Zeiten, in denen KI in der Musik und darüber hinaus unser Leben zunehmend beeinflusst. Es sind Zeiten von hoher Bildschirmzeit und Fragen, was von dem, das uns begegnet, echt und was fake ist. Nubiyan Twist sind echt - neun echte Menschen, die mit ihren Instrumenten und Gesang die Kraft der Verbundenheit durch Musik feiern und mit ihren diversen musikalische Gäst:innen und dem Publikum teilen.
"Wir müssen uns daran erinnern, dass Musik heilig ist - ein spiritueller Akt. Und wir müssen uns daran erinnern, dass es bei Kunst wirklich um menschliche Verbindungen geht" Tom Excell; Bandleader, Produzent und Multi-Instrumentalist
Tom Excell ist neben Nubiyan Twist auch als Songwriter und Produzent für viele Global Pop-Musiker:innen, wie u. a. David Walters, tätig. Das übergeordnete KI-Thema des Albums sollte nicht zu offensichtlich sein. Für den zweifachen Vater, der sich an seine eigene Jugend ohne Handy erinnert, sind die Schatten, die mit dem Album-Titel gejagt werden, auch wichtige Lehren aus der Vergangenheit und eine Rückbesinnung auf eine prä-digitale Zeit.
Vom Uni-Projekt zum globalen Kollektiv
Menschliche Verbindungen stehen bei Nubiyan Twist im Vordergrund. Das ist durch die bloße Anzahl der Bandmitglieder mehr als ersichtlich. Gleichzeitig war das der Band nie genug, denn Kollaborationen sind Teil der DNA von Nubiyan Twist. Was 2010 als Uni-Abschlussprojekt in Leeds zu zwölft begann, wurde über die Jahre zu einem internationalen Global-Pop-Kollektiv.
Die Frage nach einem Blick auf die vielen Jahre Bandgeschichte, die auch viele Herausforderungen und Arbeit beinhalten, beantwortet Tom Excell mit Demut: "Ich bin extrem dankbar, dass wir als tolle Gruppe von Friends eine gemeinsame Vision teilen. Wir haben einen erdenden Respekt und eine Neugier, mit anderen zusammenzuarbeiten. Ich denke, das sind die Werte, die alles leiten, was wir tun."
Es gab Zusammenarbeiten mit Legenden der Stile, die sie lieben. Ein Bruchteil dieser Kollaborationen sind die mit Ethio-Jazz-Vater Mulatu Astatke oder Afrobeat-Legende und Drummer-Maestro Tony Allen. Diese Tradition setzen sie selbstverständlich auch auf "Chasing Shadows" fort. Mit am Start sind diesmal u. a. der ghanaische Rapper M.anifest, die malische Gesangs- und Gitarrengröße Fatoumata Diawara oder das Gesangsduo The Zawose Queens aus Tansania, dessen Musik Tom Excell auch produziert.
Viele der Begegnungen mit den Artists kommen auch durch den britischen Musik-Kollegen Damon Albarn zustande, an dessen Projekt Africa Express er beteiligt ist. Die Besetzung von Nubiyan Twist hat sich neben den vielen Gast-Artists regelmäßig geändert. Auf "Chasing Shadows" ist die neue Sängerin Eniola dabei.
The Bigger Picture
Während auf dem Vorgängeralbum "Find Your Flame" von 2024 persönliche Geschichten der Bandmitglieder verarbeitet wurden und der Drive nach der Corona-Pandemie gesucht wurde, geht es auf "Chasing Shadows" um einen gesamtgesellschaftlichen Blick. Entschleunigung war ein häufig gefallener Begriff während der Corona-Pandemie. Seitdem geht vieles gefühlt noch schneller als vorher. Nubiyan Twist wollen mit Musik dabei helfen, dass wir uns in dieser "digital madness", wie Tom Excell sie nennt, nicht verlieren - weder uns selbst noch die Verbindungen zueinander.
Die organischen Songs mit Einflüssen aus u. a. Afrobeat, Jazz, Highlife, Dub und Hip-Hop sind ein Reminder an die menschliche und heilende Energie von Musik, aber auch an die Energie und die viele Arbeit, die in bzw. hinter der Musik steckt. Im Streaming-Zeitalter und bei steigenden Kosten für Artists ist KI-generierte Musik eine weitere Herausforderung. Nubiyan Twist geht es nicht darum, Menschen zu verurteilen, die KI-Tools nutzen, sagt Bandleader Tom Excell. Es geht ihm ums "Bigger Picture", über die Musik hinaus.
"Es fühlt sich an wie grausamer Diebstahl. Millionen Jahre menschlicher Kultur werden genommen und gestohlen, und Tech Bros und Milliardäre können damit Geld machen. Ich denke, es gibt ein größeres Ganzes, als dass einzelne Leute solche Sachen benutzen oder sich dagegen entscheiden." Tom Excell zur Nutzung von KI
KI-Kritik für den Dancefloor
Wer profitiert wirklich durch KI? Wie wird sie eingesetzt, und wer und was wird dabei im Stich gelassen bzw. geht verloren? Tom Excell ist skeptisch und befürchtet zum Beispiel, dass die Schere zwischen Arm und Reich dadurch noch weiter auseinandergeht. Ihn beschäftigt auch die potenziell zunehmend gewaltvolle Nutzung von KI - eine in vielen Bereichen unheimliche Technologie. KI wird nicht verschwinden. Wie wir damit umgehen, ist die Frage. Und was ist uns dabei wichtig? Nubiyan Twist antworten mit musikgewordener Wertschätzung und dem Wunsch nach mehr Menschlichkeit und Miteinander. Mit "Chasing Shadows" liefern Nubiyan Twist KI-Kritik für die Tanzfläche und verkörpern eine bewahrende Instanz der Realität im technologischen Highspeed.