Die haitianisch-französische Sängerin und Songwriterin Naïka hat in den vergangenen Jahren herausgefunden, wer sie als Künstlerin sein will. Geboren ist sie in Miami, aufgewachsen in der Karibik, in Kenia, Frankreich und Südafrika. Diese Einflüsse und Erfahrungen verarbeitet sie jetzt auf ihrem Debütalbum "ECLESIA".
Empowerment für die Community
Vor"ECLESIA", einem griechischen Begriff für Versammlung oder Gemeinde, veröffentlicht Naïka mehrere EPs. Zuletzt trifft sie mit ihrem Song "Layers" einen Nerv. Es ist ein erster Vorgeschmack auf ihr Debüt, eine Hymne für Selbstakzeptanz und multikulturelle Identität. Viele aus ihrer Community teilen ihre eigene Version von "Layers" auf Instagram, weil sie sich in der Sängerin und Songwriterin wiedererkennen – in diesem Gefühl, in mehreren Welten zu Hause zu sein.
Mittlerweile hat Naïka den Fokus auf die schönen Seiten ihrer "Komplexität" gerichtet, wie sie sagt. Sie feiert die kulturelle Vielfalt in sich – und mit ihr die vielen Nuancen und Facetten ihrer Persönlichkeit. "Ich kann sanft sein, aber auch richtig stark. Oder extravagant und gleichzeitig ruhig."
Man hört das in ihren Lyrics, die sie auf Englisch, Französisch und Haitianisch-Kreolisch singt. Teils mischt sie die Sprachen bewusst als Verstärker für ihre Vielseitigkeit. Naïka erzählt von Liebe und Verletzlichkeit, von Selbstfindung oder davon, sich als Frau in einer patriarchalisch geprägten Gesellschaft zu behaupten. Es geht um diesen Druck, unerreichbare Standards zu erfüllen, also etwa stark, erfolgreich und gleichzeitig sanft und fürsorglich zu sein. Verletzlichkeit und Fürsorge würden oft als Schwäche gesehen, sagt Naïka.
"Ich singe in meinen Strophen davon. Wir leben in Systemen, die das ausnutzen. Es sind Dinge, von denen sie geradezu leben." Naïka
"ECLESIA" lebt dagegen von radikaler Offenheit, auch musikalisch. Es ist ein Popalbum mit Einflüssen aus RnB und Afrobeats geworden. Tropisch warmer Sound wird getragen von elektronischen Elementen, Gitarrengrooves und dynamischer Percussion, mal luftig-leicht, mal treibend. Im Song "ONE TRACK MIND" gibt es Kompa auf die Ohren, einen populären Tanz- und Musikstil aus Haiti, entstanden in den 1950er Jahren.
Radikale Offenheit
Mit "ECLESIA" schafft Naïka einen Ort, an dem man einfach man selbst sein kann – ohne dass jemand urteilt. Ihre Musik wird zum Klebstoff zwischen Generationen. "Ich hoffe, mit meinem Album die Lücke zwischen Menschen schließen zu können, weil ich menschliche Verbindungen einfach liebe", sagt sie. Alle sind willkommen und finden ihr Zuhause in einem gemeinsamen Gefühl von Zugehörigkeit.