"Trying Times" ist das siebte Studioalbum von James Blake. Es ist das erste, das er ohne Major auf seinem eigenen Label Good Boy Records herausbringt. Er besinnt sich darauf, auf seine Wurzeln Anfang der Zehnerjahre, als er Indie und Elektronik zu etwas Neuartigem kombinierte. Während das Neuartige sich damals vor allem auf den Sound Post-Dubstep bezog und er in den letzten Jahren mal mehr, mal weniger mit Elektronik, Indie und vor allem aber mit Hip-Hop experimentiert hatte, geht es auf "Trying Times" vorrangig um die Songs.
Auf denen gibt es wieder Blakes markante Synthie-Flächen, die diesmal dezenter und eher retro sind und noch ein bisschen verträumter wirken als sonst, und – ungewöhnlich für Blake – den Einsatz von akustischen Gitarren. Über allem thront sein majestätischer und zerbrechlicher Gesang. "Ich experimentiere immer noch gern", sagt Blake. "Aber hier wollte ich mich einfach treiben lassen. Mir Zeit lassen. Ohne allzu viel elektronischen Schnickschnack. Natürlich darf meine elektronische Spielerei nicht ganz fehlen. Aber hier ging es mir darum, zu zeigen, dass ich selbstbewusst genug bin, meine Stimme für sich sprechen zu lassen."
Liebe und Spiritualität
Auf"Trying Times" geht es um verschiedene Phasen der Liebe, so wie sie eine langjährige Beziehung durchläuft, z. B. um Verlustängste und Verantwortung, für den anderen da zu sein. James Blakes Inspiration war seine langjährige Beziehung zu Moderatorin und Schauspielerin Jameela Jamil. Die hat auch bei der Produktion des Albums geholfen, zusammen mit u. a. Blakes angestammtem Co-Produzenten Dom Maker vom Elektronik-Duo Mount Kimbie. Auf dem Album nimmt die Liebe aber auch immer wieder spirituelle Ausmaße an. In der Single "I Had A Dream She Took My Hand" erzählt er von einer ganz besonderen Begegnung – die aber gar nicht real war: "Ich habe geträumt von einer Beziehung, die mehrere Leben überdauert", sagt er. "Im Traum habe ich die verschiedenen Epochen der Beziehung wie im Zeitraffer gesehen. Als ich mich in die Frau verliebt habe, waren wir beide z. B. auf der Titanic. Ich war in der Band, die dort gespielt hat. Und dann endet der Traum, und die Verbindung zu dieser spirituellen Seite bricht plötzlich ab."
Grime-Rapper als Kollabo
Auch wenn James Blake international vor allem für seine namhaften Kollaborationen mit Künstlern wie Beyoncé Knowles, Travis Scott oder Kendrick Lamar bekannt ist, kommt dieses Album fast ohne Gäste aus. Die Ausnahmen bilden US-R’n’B-Sängerin Monica Martin und der britische Rapper Dave. "Doesn’t Just Happen" zeigt den Grime-Rapper von seiner soften Seite. Außerdem sind an Gaststimmen noch die Chöre aus "You Want It Darker" zu hören, dem letzten großen Song von Songwriter-Legende Leonard Cohen, den Blake für die erste Single des neuen Albums, "Death of Love", gesamplet hat.
In die Traumwelt
Der weitgehende Verzicht auf Gäste war eine bewusste Entscheidung, die dem Album und seiner Ausrichtung gut tut. Blake wollte ein persönliches Werk erschaffen. Das ist ihm mit "Trying Times" gelungen. Eines, das mit Retro-Synthie-Touch, analogen Instrumenten, emotionalen Songs und Gesangsperformance in die Klanglandschaft einer magischen Traumwelt entführt.