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Dua Saleh – "Of Earth and Wires"

Postapokalyptische Love-Story Album der Woche: Dua Saleh - "Of Earth and Wires"

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Dua Saleh ist eine Stimme für die Gen Y und Gen Z – Poetry Slams auf YouTube, eine Rolle in der Netflix-Serie "Sex Education" und ein hochgelobtes erstes Album sei Dank. Auf dem zweiten Album spinnt Dua die afrofuturistische Welt des Debüts weiter: mit R'n'B und Indie, unter Mithilfe von Bon Iver.

Von Marc Mühlenbrock

Dua Saleh: "Of Earth and Wires"

COSMO Album der Woche 18.05.2026 02:44 Min. Verfügbar bis 19.05.2027 COSMO


Nach all den Erfolgen und der wohlverdienten Aufmerksamkeit musste die nichtbinäre Künstler:in einige Schicksalsschläge verkraften. Im Sudan, wo Dua Saleh geboren ist, tobt seit drei Jahren ein brutaler Bürgerkrieg. Das Leben im Land gleicht der Hölle. Dua Salehs Großmutter wurde Opfer dieser humanitären Katastrophe. In Minneapolis, wo Dua Saleh mit fünf Jahren mit den Eltern vor dem damaligen Bürgerkrieg im Sudan hin floh, ging die US-Einwanderungsbehörde ICE im Januar 2026 gewaltsam gegen Immigrant:innen und ihre Unterstützer:innen vor. Ziemlich genau ein Jahr zuvor brannte Pacific Palisades, ein Vorort von L.A., wo Dua Saleh mittlerweile wohnt. Alles, was Dua Heimat nennt, stand in Flammen.

Mad Max und Afrofuturismus

Diese Ereignisse verarbeitet Dua Saleh auf dem neuen Album "Of Earth and Wires" metaphorisch in Form einer post-apokalyptischen Fantasy-Welt. Eine willkommene Möglichkeit, die schrecklichen Erfahrungen zu thematisieren, ohne sie direkt zu erzählen und wohlmöglich nochmal zu nah an sich ranzulassen. Bei dem Titel, übersetzt „Von Erde und Kabeln“, kommt die "Mad Max"-Filmsaga ins Kopfkino: Man denkt unwillkürlich an verstaubte Elektronik mitten in der Wüste, an blinkende Displays und aufgemotzte Jeeps, denen der Sprit ausgeht. Aber die Welt von "Of Earth and Wires" ist positiver als die der dystopischen australischen Filmreihe. Dua Saleh fand auch Inspiration im Afrofuturismus, einem Science-Fiction-Subgenre, in dem von einer blühenden Zukunft der schwarzen Community erzählt wird.

Science-Fiction Love-Story

Diesen positiven Vibe strahlen auch die Songs auf dem Album aus. Was angesichts der tragischen Vorgeschichte(n) und des gedanklichen Überbaus zunächst überraschend erscheinen mag. Aber so wie viele gute Science-Fiction-Filme wird auch "Of Earth and Wires" von einer Love-Story getragen. Einer queeren Love-Story, um genau zu sein, Dua Saleh ist selbst queer und wollte auf diesen Aspekt einen Focus legen. Die Songtexte sind laut Saleh "cheeky lover talk": Die ruhige Eröffnung von "5 Days" symbolisiert die Sehnsucht und das Warten auf das Erscheinen des Lovers, das dann im letzten Drittel des Songs epochal eintritt, in "B r e a t h e" erkunden beide die oben beschriebene dystopische Welt, im rhythmuslastigen "Cállate", übersetzt "Sei leise", streiten sie sich und stellen am Ende fest, dass sie doch nicht voneinander loskommen.

Sudan und Bon Iver

Als Tribut an die Wurzeln setzt Dua Saleh auf einzelne Elemente aus dem Sudan. Auf "I Do, I Do" hört man die Oud, die traditionelle arabische Laute. Und auf "Anemic" ist die sudanesische Sängerin Gaidaa zu Gast. Für die richtige Portion Indie sorgt einer der Größten des Genres: Bon Iver hat fünf Songs auf "Of Earth and Wires" mitproduziert, auf drei davon singt er. "Glow" ist dabei mehr Indie geworden, "Keep Away" mehr Future R'n'B, "Flood" hat sehr viel Soul und ist am schönsten gelungen. Dua Saleh kann es immer noch nicht fassen, dass einer der wichtigsten Künstler der vergangenen zwanzig Jahre auf dem Album mit drauf ist. Noch dazu kommt er genau wie Saleh selbst auch aus dem Mittleren Westen der USA. Er half mit, wie auch der befreundete Produzent Billy Lemos, Dua Salehs Vision umzusetzen. Diese war sehr ambitioniert und hat sich mit schweren Themen befasst, das Album mutet dennoch federleicht und warmherzig an.