Die wahre Königin von Frankreich : Album der Woche: Aya Nakamura - "Destinée Supremacy"
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Aya Nakamura ist eine der größten Stars der französischsprachigen Musik-Szene. Sie wird millionenfach gestreamt, spielt im Stade de France und bei Olympia. Ihr Deluxe-Album "Destinée Supremacy" verbindet Afrobeats und R&B mit selbstbewussten und sinnlichen Texten.
Von Adrian Nowak
Es war ein Höhepunkt in der Karriere von Aya Nakamura: 2024 durfte sie bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Paris spielen. Sie performte ein Medley aus ihrer Single "Pookie", ihrem größten Hit "Djadja" und "For Me Formidable" von Charles Aznavour. In diesem Chanson-Klassiker heißt es unter anderem: "Je ferais mieux d'aller choisir mon vocabulaire, Chérie, pour te plaire - dans la langue de Molière" – "Ich sollte meine Worte gut auswählen, Liebling, um dir zu gefallen – in der Sprache von Molière".
Vielleicht ein kleiner Seitenhieb in Richtung rassistischer Kritiker, denen nicht passte, dass eine schwarze Frau mit malischen Wurzeln Frankreich bei der internationalen Großveranstaltung vertritt. Die Gruppe Les Natifs protestierte mit einer Banderole, auf der stand: "Das hier ist Paris – und nicht der Markt von Bamako." Eben jene Banderole zeigte Aya Nakamura kurz auf einer Leinwand ihrer Megashow im Stade de France – ehe der rassistische Spruch in Flammen aufging. Ein wichtiges Statement gegen Rassismus von einer der erfolgreichsten Sängerinnen der französischen Musik-Szene.
Königin der Herzen
Die Auseinandersetzung mit den Hatern eröffnet auch ihr Album "Destinée" von 2025, das sie nun als "Destinée Supremacy" mit acht zusätzlichen Tracks neu veröffentlicht. Im Opener "Anesthésie" singt sie: "Meine Gefühle sind betäubt / So viele Erinnerungen, die ich auslöschen muss […] Die Leute sind mir egal, jetzt mache ich, was ich will." Später bezeichnet sie sich sogar als eine Art Mafia-Patin, vergleichbar mit der erbarmungslosen Griselda Blanco. Dabei nennen ihre Fans sie lieber "La Reine" / "Die Königin" - nicht nur wegen ihrer zahlreichen Hits, sondern auch wegen ihres stylischen und selbstbewussten Auftretens.
Lovesongs und Kollabos
Der Rest des Albums kommt weniger kämpferisch daher, vielmehr dreht sich auf den restlichen 25 Tracks alles um Liebe in unterschiedlichen Facetten. In der Hitsingle „No Stress“ versichert sie ihrem Freund ihre Liebe, denn auch wenn sie im Rampenlicht steht und vielen Typen begegnet, bleibt sie ihm treu. Dazu klappert ein positives Afrobeats-Instrumental und Aya überzeugt mit mitreißendem Gesang und einer catchy Hook. Spannend auch ihre Zusammenarbeit mit Shenseea, derzeit die fresheste Dancehall-Künstlerin aus Jamaika. In „Dis-moi“ beschreiben beide den Reiz einer neuen romantischen Begegnung, thematisieren aber auch Ängste, die beim Kennenlernen eine Rolle spielen.
Bonus Schicksal
Nun erscheint nach einem halben Jahr die Bonus-Edition von "Destinée" als "Destinée Supremacy". Die acht zusätzlichen Songs klingen gar nicht nach Outtakes, es geht stattdessen hochkarätig zur Sache. Auf "Chippie" schaut UK-Rap-König Skepta vorbei und flirtet im schrägen Franglais mit der Pariserin. In der Single "Sexy Nana" erweitert Nakamura ihr musikalisches Spektrum und macht Ansagen auf einem tiefer gelegten Trap-Beat: Sie kleidet sich in Gucci und Prada und klagt über den Ex, der sie nicht handeln konnte. Zum Glück schaut Rapper La Rvfleuze vorbei, macht Aya Komplimente, schickt Blumen und entführt sie in die Shopping-Mall . Ein Album-Titel wie "Destinée Supremacy", den man mit "Vormachtstellung des Schicksals" übersetzen kann, würde sich bei vielen anderen Artists ziemlich arrogant anhören, bei Aya Nakamura entspricht er aber einfach der Wahrheit. Diesen Mix aus Afrobeat, R’n’B und Pop kriegt nur "La Reine" so hin.