Lewin Kneisel wurde 2001 in Berlin geboren und wuchs zeitweise in der Stadt, zeitweise auf dem Land in Brandenburg auf. Wie bei vielen Musikern war die Blockflöte sein erstes Instrument. Seine damalige Lehrerin legte ihm mit der Klarinette ein Orchesterinstrument ans Herz. Von Beginn an fühlte sich Lewin Kneisel mit dieser Wahl sehr wohl. Als Jugendlicher nahm er oft mit Erfolg bei "Jugend Musiziert" in allen möglichen Besetzungen teil.
Zum Studium ging er nach Stuttgart zu Professor Norbert Kaiser. Doch schon kurz nach Studienbeginn gewann er das Probespiel beim WDR Sinfonieorchester – "mit viel Glück", wie er sagt. Beste Grundlagen dafür hatte er bereits als Schüler gelegt, denn seine Klarinettenlehrer hatten ihn schon früh intensiv auf das Musikerleben vorbereitet und in Jugendorchestern sammelte er bereits Orchestererfahrungen.
Im WDR Sinfonieorchester dann tat er seine ersten Schritte als Berufsmusiker und wurde quasi ins kalte Wasser geschubst – für ihn sicher genau das Richtige, vor allem in der Corona-Zeit.
Ein Lieblingsstück oder einen Lieblingskomponisten hat er nicht. In der Regel begleiten ihn Stücke, die er nicht aus seinem Kopf kriegt, aber diese wechseln immer. Meist sind es Ausschnitte aus hochromantischer Musik.
Sein erstes Konzert im WDR Sinfonieorchester war eine Mischung aus moderner Musik und Mendelssohns Italienischer Sinfonie, dirigiert von Heinz Holliger. Konzerte, die ihm besonders in Erinnerung bleiben, sind vor allem Konzerte, die er nicht selbst gespielt hat – vielleicht, so Lewin Kneisel, weil man da manche Probleme und kleine Ungenauigkeiten vergisst, die man fast nur auf der Bühne hört. Vor allem beeindruckt hat ihn die 8. Sinfonie von Schostakowitsch mit Andris Poga, bei der er leider nicht mitspielen konnte.
Wäre er nicht Klarinettist geworden, hätte er beruflich etwas komplett anderes gemacht, etwas Handwerkliches wie zum Beispiel die Schneiderei.
Unter den Dirigenten hat Lewin Kneisel die Arbeit mit Kirill Petrenko komplett fasziniert. Er fordert ein hohes Maß an Perfektion sich selbst ab, ohne diesen Druck auf die Musiker auszuüben; er gibt volles Vertrauen an das Orchester. Trotz der technischen Perfektion dominiert aber sein musikalischer Ausdruck: Was er tut, ist immer im Sinne der Musik.
Unter den Solisten hat ihn die Zusammenarbeit mit Kirill Gerstein sehr beeindruckt, mit dem er schon häufig zusammenarbeitete. Dabei vermittelte der Pianist immer das Gefühl, alles aus der Musik herausgeholt zu haben ohne dabei aufdringlich zu sein: auch er ein absolut ehrbarer und ehrlicher Musiker.
Lewin Kneisel ist seit 2022 Mitglied im WDR Sinfonieorchester.