Wie kam es zur Windrad-Panne in Kamp-Lintfort?

WDR 01:46 Min. Verfügbar bis 13.05.2028

Windrad-Panne in Kamp-Lintfort Warum blieb der Schwertransport stecken?

Stand:

Ein festgefahrener Windrad-Transport im Autobahnkreuz Kamp-Lintfort sorgt für Diskussionen. Wie es dazu kommen konnte.

Ein Schwertransport mit einem fast 90 Meter langen Rotorblatt für eine neue Windkraftanlage steckte in der Nacht zu Dienstag auf der A57-Auffahrt am Kreuz Kamp-Lintfort fest. Der Zubringer blieb deswegen für fast 24 Stunden gesperrt. Mit insgesamt 100 Metern Länge kam der Tieflader mit seiner Ladung nicht durch die zu enge Auffahrtskurve.

Daher mussten Leitplanken entfernt, Stahlplatten neben der Fahrbahn verlegt und einiges an Gehölz an der Autobahnböschung beschnitten werden. Die ganze Aktion wurde auf Facebook heiß diskutiert. Vor allem zum Grünschnitt gab es viele kritische Kommentare, die spöttisch bemerkten, dass hier wohl gesunde Bäume alternativen Energien hätten weichen müssen.

Ein Aststumpf, nachdem ein Ast frisch abgeschnitten wurde.

Wegen der Windrad-Transportpanne mussten auch Bäume beschnitten werden.

"Das würde ich jetzt so nicht sagen. Jeder macht zu Hause einen Rückschnitt an Hecken und genau das haben wir gestern auch gemacht", sagt Tiefbauer Christian Gey, der mit dabei war. Der Transport konnte am Dienstagabend schließlich mit fast 24-stündiger Verspätung weiterfahren. Nach Angaben der Betreiberfirma SL NaturEnergie sind die drei Rotorblätter und weitere Bauteile inzwischen unbeschädigt im Windpark Alpen-Veen angekommen.

Transporte am Limit: Planung dauert oft Monate

Arif Doruk, Bauleiter Windpark Alpen-Veen, schaut in Arbeitskleidung mit Helm und Warnjacke über die Baustelle.

Arif Doruk, Bauleiter Windpark Alpen-Veen

Windräder werden immer größer. Rotorblätter können heute mehr als 80 Meter lang sein. Ein kompletter Schwertransport ist oft länger als 100 Meter. Schon kleine Hindernisse können dann zum Problem werden: enge Kurven, Baustellen, neue Leitplanken oder Baustellenbaken. Bevor ein Transport startet, wird die Strecke genau geprüft. Spezialfirmen simulieren am Computer jede Kurve und jeden Kreisverkehr. Dabei wird berechnet, ob der Transport überhaupt um die Ecke kommt.

"Solche unvorhergesehenen Ereignisse passieren immer wieder. Da ist schon immer ein bisschen Puffer einkalkuliert." Arif Doruk, Bauleiter Windpark Alpen-Veen

Außerdem müssen zahlreiche Behörden zustimmen: Autobahn GmbH, Polizei, Straßenbehörden und oft auch die betroffenen Kommunen.

Warum es trotzdem schiefgehen kann

Ein Windrad wird transportiert

Der Schwertransport kam nicht um die Kurve.

Ein häufiger Grund, wieso trotz vorheriger Planung etwas schiefgehen kann, sind kurzfristige Änderungen auf der Strecke. Wird etwa eine Baustelle eingerichtet oder eine Fahrbahn verengt, kann eine zuvor genehmigte Route plötzlich nicht mehr passen. Auch kleine Fehler in der Planung reichen aus. Schon wenige Zentimeter können entscheiden, ob ein Transport eine Kurve schafft oder stecken bleibt.

Viele Beteiligte bei Schwertransport-Planung

An einem Schwertransport arbeiten oft mehrere Firmen und Behörden gleichzeitig. Informationen müssen ständig aktualisiert werden. Für die Planung dieses Transports der Rotorblätter war die Herstellerfirma zuständig, zumindest bis zur finalen Autobahnabfahrt. Für die letzten Kilometer bis zum Zielort war dann die Betreiberfirma des Windparks in Alpen-Veen verantwortlich. Die Behörden prüfen und genehmigen die Strecke. Kommt es zu Schäden oder Sperrungen, müssen in der Regel die beteiligten Unternehmen zahlen.

"Im Laufe der nächsten Wochen erwarten wir weitere Transporte. Anschließend erfolgt die Montage." Laura Mertens, Unternehmenssprecherin SL NaturEnergie

Schrittweiser Rückbau und Sprengung im Windpark

Im Windpark sollen nun drei ältere Anlagen ersetzt werden. Die bestehenden Windräder werden dafür zunächst zurückgebaut. "Beton, Rotorblätter und sämtliche weiteren Wertstoffe werden fachgerecht demontiert, abtransportiert und recycelt", schildert Geschäftsführer Klaus Schulze-Langenhorst das Vorgehen. "Eine kontrollierte Sprengung ist ausschließlich für den Turm sowie das Fundament vorgesehen."

Alle übrigen Bauteile werden zuvor mithilfe eines Großkrans abgenommen, zerlegt und gesichert in Containern abtransportiert. Die Arbeiten werden voraussichtlich kommenden Herbst starten.

Weitere Maßnahmen im Windpark Alpen-Veen

WDR 15.05.2026 00:54 Min. Verfügbar bis 15.05.2028

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Unsere Quellen:

  • NRW-Wirtschaftsministerium
  • Bundesfachgruppe Schwertransporte und Kranarbeiten (BSK)
  • Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) - Großraum- und Schwertransporte
  • Interiew mit Tiefbauer Christian Gey
  • Interview mit Arif Doruk, Bauleiter Windpark Alpen-Veen
  • Interview mit Klaus Schulze-Langenhorst, Geschäftsführer SL NatureEnergie

Sendung: WDR.de, Weitere Maßnahmen im Windpark Alpen-Veen, 15.05.2026, 17:00 Uhr
Erstveröffentlichung des Artikels am 13.05.2026

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