Zu viele deutsche Touristen - niederländisches Dorf macht Grenze dicht
Lokalzeit aus Duisburg . 06.06.2025. 02:36 Min.. Verfügbar bis 06.06.2027. WDR. Von Michael Jung.
Seit Freitagmorgen stehen Kontrolleure an den Zufahrten zur 1.500-Einwohner-Gemeinde bei Emmerich am Niederrhein. Rein dürfen nur noch die Bewohner. Bis Montagabend wird das so sein, wenn die Rückreisewelle nach dem Pfingstwochenende durch ist.
Der Grund sind dramatische Erfahrungen am Himmelfahrtswochenende. Da war die verkehrsberuhigte Straße durch das Dorf komplett verstopft: "Lastwagen kamen hier durch, Wohnwagen, es war viel Aggression auf der Straße", erzählt Anwohnerin Eline Esselint. "Wir konnten nicht mehr in unsere Haustüren rein, wir mussten zur Seite springen. Ein Nachbarskind ist fast angefahren worden und sie sind in die Vorgärten gefahren."
Navis empfehlen Schleichwege
Verkehrschaos in Beek am Himmelfahrtswochenende
Offenbar versuchen viele Autofahrer, die Autobahnstaus vor der deutschen Grenze zu umgehen. Dort kontrolliert die Bundespolizei auf Anweisung der Bundesregierung bei der Einreise seit wenigen Wochen deutlich intensiver als bisher. Die Folge: Navigationssysteme empfehlen die vermeintlich schnelleren Schleichwege über die grüne Grenze.
"Unverantwortlich" nennt Jeanette Derksen die Situation. Sie ist Beigeordnete der Gemeinde Montferland, zu der Beek gehört. "Es geht nicht! Die Wege sind dafür nicht ausgelegt, es kommt zu Unfällen – und es fehlt die Akzeptanz. Die Menschen wollen das nicht", so Derksen. Sie habe die Sperrung mit den deutschen Nachbarn abgesprochen.
Nachbarstadt Emmerich in Sorge
Sperre am grünen Grenzübergang vor dem Dorf Beek
Tatsächlich hat man in der Nachbarstadt Emmerich aber erst vor einem Tag davon erfahren. Und sorgt sich jetzt, dass die Navis über Pfingsten Ausweichrouten empfehlen könnten, die das Emmericher Stadtgebiet betreffen. "Wir wissen halt nicht, wie lang die Rückstaus werden und ob die Navis dann über Strecken führen, die für den Verkehr auch geeignet sind", so Tim Terhorst, Sprecher der Stadt.
Besonders kurzfristig traf es Freitagmorgen Heike Egging, die direkt an der Grenze auf deutscher Seite wohnt: "Ich kam vom Sport zurück und bekam gesagt, ich dürfe nicht durch", erzählt sie. Erst im zweiten Anlauf durfte sie passieren. Sie rechnet vor: Ihr Umweg hätte 15 bis 20 Kilometer betragen.
Unsere Quellen:
- Gemeinde Montferland/ NL
- Stadt Emmerich
- Recherche vor Ort