Bahnstrecke zwischen Duisburg und Düsseldorf wieder frei | Kurzvideo

00:32 Min. Verfügbar bis 02.08.2027

Nach Sabotage: Züge zwischen Duisburg und Düsseldorf fahren wieder

Stand:

Die Arbeiten an der Bahnstrecke zwischen Duisburg und Düsseldorf nach den Kabelbränden sind abgeschlossen. Die Züge fahren seit dem frühen Samstagmorgen wieder zum großen Teil nach Plan. NRW-Innenminister Herbert Reul spricht von einem Sabotageakt auf unsere Bahninfrastruktur.

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Nach zwei Kabelbränden zwischen Düsseldorf und Duisburg hat es massive Probleme bei der Bahn gegeben, betroffen waren Regional- und Fernverkehr. Die Schäden konnten schließlich erfolgreich behoben werden und nach den abschließenden Probefahrten ist die Strecke nun wieder freigegeben. Eine Bahnsprecherin sagte dem WDR, dass alle Züge die Strecke wie bisher mit dem gewohnten Tempo befahren können.

Ein Schienenersatzverkehr sei nicht mehr nötig. Es kann allerdings nach der langen Unterbrechung anfangs noch zu einzelnen Verzögerungen im Zugverkehr kommen.

Inzwischen hat es noch einen dritten Kabelbrand gegeben - diesmal in Sachsen-Anhalt. Dieser sei am Freitagabend an einer Strecke in Höhe des Ortsteils Webau in Hohenmölsen entdeckt worden, teilte die Deutsche Bahn mit. "Ersten Ermittlungen zufolge liegt auch diesem Kabelbrand eine Brandstiftung zugrunde." Es handele sich um eine Güterverkehrsstrecke für Kohletransporte.

"Absolute Überwachung kann es nicht geben"

Bei der Bahn sieht man solche Aktionen mit "großer Sorge". Schließlich würden sie den Zugverkehr sehr stark beeinflussen und hätten "gravierende Folgen für die Pünktlichkeit", sagte Bahn-Sprecher Achim Stauß. Gleichzeitig betonte er, dass der Bahnverkehr auch nach solchen Anschlägen für die Passagiere sicher sei: "Wenn Kabel zerstört werden, fallen alle Signale auf 'Halt'. Das heißt, die Züge bleiben stehen oder können die Bahnhöfe nicht mehr verlassen." Das sei zwar "sehr unangenehm", in Gefahr seien die Fahrgäste aber zu keiner Zeit, so Stauß.

Um das Schienennetz gegen Sabotage zu schützen, setzt die Bahn moderne Technik ein. Diese reicht von Wärmebildkameras über Satellitenortung und Drohnen bis hin zu Sensoren an den Strecken. Klar ist laut Stauß aber auch: "Eine absolute, rund um die Uhr, flächendeckende Überwachung der Bahnstrecken kann es nicht geben." Mit 33.000 Kilometern hat Deutschland das längste Eisenbahnnetz in Europa.

Mehrere 10.000 Reisende betroffen - Mobilitätsgarantie greift wohl nicht

Anzeigetafel am Duisburger Hauptbahnhof | Bildquelle: WDR/Ralph Brix

Ausnahmen bestätigen die Regel - auf der Anzeigetafel am Duisburger Hbf wird am Samstagmorgen nur noch ein Zugausfall angezeigt. Laut unserm Reporter vor Ort ist es hier inzwischen wieder entspannt. Einige Fernreisende sind unterwegs, Gedränge gebe es keines.

Auch am Düsseldorfer Hauptbahnhof herrscht Erleichterung. Eine Zugreisende erzählt, dass sie schon seit Monaten heute hier verabredet war. Jetzt hatte sie Angst, dass der Besuch gar nicht stattfinden kann. "Das wäre schon doof gewesen, wir haben uns so lange nicht gesehen", sagt sie. Ein anderer Zugreisender stand dem Bahn-Chaos entspannter gegenüber: "Ich konnte zwei Tage nicht Zug und Bus und Bahn fahren und darum hab ich gesagt: Dann lese ich ein Buch."

Das sah am Freitag anders aus: Da ging die Stimmung der Fahrgäste am Duisburger Hauptbahnhof von genervt bis sauer. Andere hatten sich mit ihrem Schicksal abgefunden. Es dürften mehrere 10.000 Reisende von den Bahnproblemen betroffen gewesen sein, auch an weiter entfernten Bahnhöfen. "Das ist schon krass heute", sagte eine Bahnfahrerin. Ein anderer sprach von einer "Katastrophe".

Bahnverkehr normalisiert sich nach Brandanschlag wieder

WDR Studios NRW 02.08.2025 00:48 Min. Verfügbar bis 02.08.2027 WDR Online

Warten, hoffen und Busse statt Bahnen

Zerstörte Bahnkabel nach einem Brandanschlag | Bildquelle: dpa

Stundenlang warteten einige Menschen auf ihren Zug. Sie hofften irgendwie anzukommen oder einen Platz beim Ersatzverkehr mit Bussen zu bekommen. Der war zwischen den Hauptbahnhöfen Duisburg und Düsseldorf sowie vom Duisburger Hbf zum Düsseldorfer Flughafen eingerichtet worden. Aber auch da scheint es Probleme geben zu haben. Zumindest berichteten das Pendler in Duisburg.

Die S1 und der RE2 fuhren wegen der Störung nur bis Duisburg Hauptbahnhof, nicht wie geplant bis Düsseldorf. Der RE3 fuhr nur zwischen Gelsenkirchen und Oberhausen. Auch hier fiel die Teilstrecke bis Düsseldorf aus. Verschiedene weitere Regionalexpresslinien wurden zwischen Duisburg Hbf und Düsseldorf Hbf umgeleitet, deshalb hielten sie nicht am Düsseldorfer Flughafen. Auch ICE-Linien, etwa nach Berlin und Frankfurt waren betroffen.

Reparaturen waren kompliziert

Arbeiter an der Sabotagestelle | Bildquelle: WDR Team vor Ort

Bis in die Nacht haben rund 30 Fachleute der DB an der Reparatur der Kabel gearbeitet. "Insgesamt musste das Team fünf Kabel mit jeweils einer Länge von rund 20 Metern erneuern", heißt es in einer Pressemitteilung der Bahn. Allerdings waren die Arbeiten nicht ganz einfach, denn an der Stelle mussten die Arbeiter verschiedene Kabelstränge auseinanderhalten. NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) war vor Ort und bezeichnete die Reparaturen als "Sisyphusarbeit".

Brandanschläge wurden vermutlich gleichzeitig verübt

Laut NRW-Innenministerium handelt es sich um eine vorsätzliche Tat mit einem Brandsatz. Auch die zweite Schadstelle ist den Erkenntnissen zufolge ein Brandanschlag. "Wir gehen davon aus, dass beide Anschläge gleichzeitig verübt wurden", sagte ein Polizeisprecher.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte am Nachmittag, dass an beiden Stellen eine Vorrichtung für einen Schwelbrand eingebaut worden sei. Eine Gefahr für Leib und Leben habe aber nicht bestanden. Die Vorrichtungen und beschädigten Kupferkabel sind sichergestellt und werden aktuell von der Polizei auf Fingerabdrücke untersucht.

Bahnverkehr läuft wieder: Reporter Andreas Turnsek berichtet vom Düsseldorfer Hauptbahnhof

Aktuelle Stunde 02.08.2025 41:23 Min. UT Verfügbar bis 02.08.2027 WDR

Staatsschutz ermittelt

Die Polizei geht nach eigenen Angaben ebenfalls von einem Sabotageakt aus. Demnach ermitteln auch der Staatsschutz und der Verfassungsschutz. Es besteht der Verdacht, dass Linksextremisten die Tat begangen haben. Im Internet gibt es ein Bekennerschreiben des "Kommando Angry Birds".

In dem Schreiben wird die Bedeutung des Bahnverkehrs für die Wirtschaft hervorgehoben - gerade deshalb habe man ihn gestört. Die Polizei prüft nach eigenen Angaben die Echtheit des Bekennerschreibens und warnt vor möglichen Trittbrettfahrern.

Holger Schmidt, ARD-Terrorismusexperte | Bildquelle: SWR/Christian Koch

ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt hält es für denkbar, dass die linksextremistische Gruppe tatsächlich dahintersteht. Es könnten aber auch Saboteure gewesen sein, die möglicherweise aus Russland gesteuert wurden.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) | Bildquelle: Federico Gambarini / dpa

Sollten die "Angry Birds" wirklich für die Sabotage verantwortlich sein, erschwert das laut Innenminister Reul die Ermittlungen. Denn "Angry Birds" sei keine feste Gruppe sondern eine "Mitmach-Kampagne", bei der sich fremde Menschen übers Internet zusammenschließen. Schon in der Vergangenheit hat "Angry Birds" Anschläge auf Ziele im Verkehrs- und Energiebereich verübt.

Wir können und werden nicht akzeptieren, dass sich irgendwelche Chaoten an unseren Schienen zu schaffen machen. Herbert Reul (CDU), NRW-Innenminister

So könnten Bahnstrecken geschützt werden

Für Reul ist klar: Die Täter müssen ausfindig gemacht und bestraft werden. Das soll zukünftige Saboteure abschrecken. Auch Krischer ist überzeugt, dass die Strafbehörden alles unternehmen müssen, um die Verantwortlichen zu finden.

NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) an der Sabotagestelle | Bildquelle: WDR

Krischer meint aber auch, dass Bahngleise nicht durch Zäune geschützt werden können. Kriminelle fänden immer einen Weg. Deshalb setzt er auf die Digitalisierung. In Zukunft würden die Kabel-Angriffspunkte für Saboteure nicht mehr da sein. Denn moderne, digitale Systeme können Signale umleiten, wenn es zu Schäden kommt.

Unsere Quellen:

  • Pressestelle der Deutschen Bahn
  • zuginfo.nrw
  • Polizei Düsseldorf
  • NRW-Innenministerium
  • Nachrichtenagentur dpa
  • WDR-Reporter am Duisburger Hauptbahnhof
  • NRW-Innenminister Herbert Reul
  • NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne)
  • Beobachtungen des WDR-Reporters Ralph Brix vor Ort am Duisburger Hauptbahnhof (Samstagmorgen, 2. August 2025)

Kommentare zum Thema

  • Andre Schäfer 04.08.2025, 03:23 Uhr

    Na ja, die Bahn machts ihnen aber auch einfach. Teils offene Kabelkanäle, teils nur diese 50er Jahre Modelle, mit Steinplatten abgedeckt, effektiv auf für jedermann zugänglich. Sicher geht anders. Ganz anders. Das Märchen von den Linksextremisten als Urheber glaube ich allerdings nicht. Das stinkt förmlich nach False-Flag mit russischen Fingern im Spiel.

  • komisch 03.08.2025, 17:35 Uhr

    Das ganze ist komisch, passt nicht so recht. Und der groesste Saboteur der Bahn ist die jahrzehntelange chronische Unterfinanzierung (Danke insbesondere an die CSU), staendige Ausfaelle, Schienenersatzverkehr und vieles mehr. Immerhin ist die Bahn so mal eine Nachricht wert, ansonsten sind massive Probleme Alltag und noch nicht mal eine Nachricht wert.

  • Bernd 03.08.2025, 05:07 Uhr

    Wie einfach man doch den Bahnverkehr schädigen kann. Unsere Sicherheitskräfte stehen mal wieder staunend da. Unser Innenminister glaubt es waren "Linke". Also keine FSB Lehrlinge. Man kennt die Gruppe aber keine Gesichter dazu. Ein etwas bitterer Geschmack breitet sich da bei mir aus.Geht man nun wieder zur Tagesordnung über oder erfolgen in den nächsten Tagen Verhaftungen?