Jeder dritte Getötete innerorts ist ein Fußgänger | Aktuelle Stunde
WDR. 06:30 Min.. Verfügbar bis 23.04.2028.
Studie zu Auto-Unfällen : Jeder dritte Getötete innerorts ist ein Fußgänger
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Wenn Fußgänger bei Auto-Unfällen verunglücken, passiert das besonders oft innerorts. Und: Im Vergleich zu 2019 sind die Zahlen der tödlich Verunglückten nicht nennenswert gesunken. Das sind zwei Ergebnisse einer neuen Studie der Björn-Steiger-Stiftung. Ihre Forderung: Mehr Tempo 30 in Städten.
In Radevormwald fährt ein älterer Mann ein sechsjähriges, spielendes Kind an. Es wird schwer verletzt. In Krefeld überrollt ein Lkw eine 27-Jährige Fußgängerin. Danach schwebt sie in Lebensgefahr. In Paderborn gerät ein Zwölfjähriger mit einem Bein unter einen Linienbus. Der Junge erleidet schwere Verletzungen. Drei Unfälle in nur wenigen Tagen, die zeigen, wie leicht Fußgänger bei Auto-Unfällen verunglücken.
Im vergangenen Jahr starben nach Angaben der Björn-Steiger-Stiftung bundesweit 406 Fußgängerinnen und Fußgänger im Straßenverkehr. Das waren kaum weniger als 2019. Damals starben 417 Fußgänger.
Siegfried Brockmann, Unfallforscher
Die Zahl solcher Unfälle stagniere, sagte der Leiter der Unfallforschung der Stiftung, Siegfried Brockmann, bei der Vorstellung der Studie zu Fußgängern bei Auto-Unfällen im Münsteraner CTS Kompetenzcenter für Crashtests. Und weiter:
"Das Dramatische liegt im Undramatischen, dass nichts passiert." Siegfried Brockmann, Unfallforscher
Ein weiteres Ergebnis, so Brockmann: "Jeder dritte Getötete innerorts ist ein Fußgänger."
Verantwortlich sind dafür häufig laut Studie Kollisionen zwischen Fußgängern und Autos beim Überqueren der Fahrbahn außerhalb von Kreuzungen. Diese sind demnach zugleich besonders folgenschwer. Bei diesen sogenannten Überschreiten-Unfällen spielt laut Studie die Geschwindigkeit der Fahrzeuge eine entscheidende Rolle.
Viele dieser Auto-Unfälle ereignen sich an Fußgängerüberwegen
Auffällig ist laut Studie, dass sich ein großer Teil der Unfälle an Fußgängerüberwegen ereignet. An mehr als einem Drittel der Zebrastreifen stellten die Gutachter sicherheitsrelevante Mängel fest. Zum Beispiel:
- keine ausreichende Beleuchtung oder Beschilderung
- verblichene Markierung
- Sicht der Fußgänger durch Baumbewuchs oder parkende Autos behindert
Solche Übergänge könnten eine trügerische Sicherheit vermitteln, so Brockmann. Sie müssten entweder regelkonform umgestaltet oder zurückgebaut werden, fordert er.
Unfallforscher: Tempo 30 könnte vielen das Leben retten
In den meisten Fällen galt an diesen Fußgängerüberwegen Tempo 50. Dabei könnten Kommunen laut der Stiftung in diesen Bereichen Tempo 30 schon nach geltender Rechtslage anordnen.
Auch insgesamt wären viele der 406 im vergangenen Jahr tödlich verunglückten Fußgängerinnen und Fußgänger möglicherweise noch am Leben, wenn die Geschwindigkeit vor Ort auf 30 Stundenkilometer begrenzt gewesen wäre. Die Organisation fordert deshalb eine Änderung der Straßenverkehrsordnung für mehr Tempo 30 in den Städten.
Unsere Quellen:
- Daten und Mitteilung der Björn Steiger Studie
- Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Stiftung
- Beobachtungen der WDR-Reporterin im CTS Kompetenzcenter für Crashtests
Sendung: WDR 5, WDR aktuell, 23.4.2026, 14 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, wdr Aktuell, 23.4.2026, 16 Uhr