Ein Stau auf der A3 in Fahrtrichtung Köln.

ADAC-Studie: NRW bleibt Stauland Nummer eins

Stand:

Staus sind ein Dauerbrenner-Thema und das ganze Jahr über ein häufiges Problem in NRW. Wir schauen uns das mal an.   

Von Petra Sommer

ADAC Staubilanz 2025: NRW bleibt Spitzenreiter 

Laut der aktuellen Staubilanz des ADAC entfällt auch 2025 ein Drittel aller Staus bundesweit auf NRW – mit weiter steigender Tendenz. Das Ergebnis ist nicht verwunderlich, immerhin hat NRW knapp 18 Millionen Einwohner und einen stark ausgeprägten Berufsverkehr – etwa jeder Dritte pendelt zur Arbeit. Dazu kommt der Transitverkehr.

Auf den rund 2.250 Autobahnkilometern summierte sich die Zahl der Staukilometer auf insgesamt 280.000. Die Dauer aller Verkehrsstörungen lag laut Staubilanz bei 168.000 Stunden - das sind umgerechnet 7.000 Tage und rund acht Prozent mehr als 2024, so der ADAC. Auf den weiteren Plätzen folgen Bayern und Baden-Württemberg.

Für die meisten Staus sorgen schon lange die Stoßzeiten im Berufsverkehr. An einzelnen Nachmittagen summieren sich landesweit auch mal mehr als 450 Staukilometer in der Spitze. Fast so heftig wie rund um die Brückentage sind die Zeiten ab Mitte Oktober bis in den November hinein. Der Herbst ist immer wieder Stauzeit. Die Umstellung auf frühe Dunkelheit, Laub und nasse Straßen erfordern von den Autofahrenden mehr Aufmerksamkeit und angepasste Fahrweisen. Dann misst die WDR-Verkehrsredaktion Stau-Spitzenwerte auf den Autobahnen.

Lange Staus gehören in NRW zum Alltag

NRW-Verkehrsupdate: Baustellen, Sperrungen, Unfälle und Umleitungen 04.02.2026 00:49 Min. Verfügbar bis 04.08.2026 WDR Online Von Petra Sommer

Pendlerland NRW: Viele Autos und volle Straßen 

In der WDR-Verkehrsredaktion ist man nicht sonderlich überrascht über die aktuellen ADAC-Zahlen: Denn Nordrhein-Westfalen führt traditionell die Staustatistiken bundesweit an. Der Berufsverkehr in der Region ist stark ausgeprägt: Fünf Millionen Menschen pendelten 2024 in NRW täglich zum Arbeiten in eine andere Stadt, teilte das Statistische Landesamt Nordrhein-Westfalen im Oktober 2025 mit.

Ballungsräume wie Köln, Düsseldorf und Essen sind dabei zentrale Verkehrsknoten. Häufige Stau-Ursache sind zudem Baustellen: So gelten marode Brücken in NRW als Symbol für jahrzehntelange Sanierungsversäumnisse. Hinzu kommen Unfälle und Sperrungen sowie wetterbedingte Einschränkungen.

Sichere Finanzierung für Bauprojekte und höhere Investitionen

Der ADAC fordert eine verlässliche Finanzierung für Baumaßnahmen und warnt, dass ohne stabile Mittel die Sanierungsmaßnahmen der maroden Verkehrsinfrastruktur ins Stocken geraten. Zugleich seien aufgrund von steigenden Bau- und Planungskosten deutlich höhere Investitionen erforderlich. Hinzu kommt die Forderung nach einer besseren Koordination von Baustellen und die Verkürzung der Bauzeit beim Neubau von kaputten Brücken.

Eine verstärkte Nutzung von Funktionsbauverträgen könnte ebenfalls eine Verbesserung bringen. Indem verschiedene Bauabschnitte durch einen Auftragnehmer ausgeführt werden, könnte es eine schnellere Umsetzung von Bauprojekten geben. Eine kürzere Baustellenzeit wäre für alle Verkehrsteilnehmer von Vorteil.

Fahrzeugdichte bleibt auf Rekordniveau 

Das hohe Verkehrsaufkommen bleibt ein zentraler Stautreiber. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) kamen zum Jahresanfang 2025 in Deutschland im Schnitt 590 Autos auf 1.000 Einwohner - im Vorjahr waren es noch 588. Auch in NRW ist die Pkw-Dichte von 586 auf 590 Fahrzeuge pro 1.000 Einwohner gestiegen.

Dabei gibt es deutliche regionale Unterschiede. So ist das Auto in ländlichen Regionen nach wie vor stark gefragt. Denn hier ist das ÖPNV-Angebot häufig nur eingeschränkt verfügbar. In den Städten dagegen verliert das Auto etwas an Bedeutung. Dank besserem Nahverkehr, hoher Parkkosten und zusätzlicher Angebote wie Carsharing oder ausgebauten Radwegen.

Und auch die Zahl der zugelassenen Autos ist so hoch wie nie. Zum Stichtag am 1. Januar 2025 waren laut Statistischem Bundesamt bundesweit 49,3 Millionen Pkw zugelassen. Allein in Nordrhein-Westfalen sind es mehr als 10,6 Millionen. 

WDR-Verkehrsredaktion: Stauzahlen sind nicht vergleichbar

Die in der WDR-Verkehrsredaktion ermittelten Stauzahlen sind nicht unmittelbar mit den ADAC-Werten vergleichbar. Denn hier werden die Staukilometer eines Tages nicht addiert.

Der ADAC definiert die Staustunden über eine Eingangs- und eine Löschzeit. Und daraus ergibt sich die sogenannte Staudauer. Die Summe der einzelnen Stauzeiten ergibt die Gesamtzahl der Staustunden. "Wir schauen immer auf den Zeitpunkt mit der höchsten Anzahl an Staukilometern - das ist unser Spitzenwert. So lassen sich einzelne Tage gut vergleichen. Doch wir berechnen keine Staustunden pro Tag oder Autobahn", erläutert Melina Helf aus der WDR-Verkehrsredaktion.

Besonders staureich: Mittwoch und Freitag 

Flexiblere Arbeitszeiten und mehr Homeoffice sorgen für Entlastung. Auf Besonderheiten wie Wetter, Streiks und Sperrungen können Pendelnde besser reagieren und entsprechend umplanen. Diese Entwicklung beobachtet auch Frank Schewe, Leiter der WDR-Verkehrsredaktion: "Seitdem viele Pendler bei Bedarf von Zuhause arbeiten können, hat sich das klar entspannt, die Stauspitzen fallen deutlich niedriger aus. Das zeigt für uns eindeutig, dass schon einige Tausend Autos weniger für flüssigeren Verkehr sorgen. Hier sollten großzügige Regelungen gefunden werden, auch durch flexibleren Arbeitsbeginn am Morgen. Das würde den Verkehr zusätzlich entzerren."

Zu sehen ist die A52 bei der es sich auf einer Spur staut.

Auf der rechten Spur der A52 staut es sich.

Unterschiede gibt es weiterhin je nach Wochentag. Das beobachtet auch die WDR-Verkehrsredaktion. So verteilt sich der Verkehr mittwochs über den ganzen Tag, wogegen freitags das Stauaufkommen ab dem Mittag deutlich ansteigt. Der klassische Montagmorgen dagegen ist etwas entzerrt.

Weitere Infos zur aktuellen Verkehrslage und zu Baustellen in NRW:

Sendung: WDR.de, ADAC-Studie: NRW bleibt Stauland Nummer eins, 04.02.2026, 20:45 Uhr.

Unsere Quellen:

  • ADAC: Studie zur Staubilanz 2025
  • WDR-Verkehrsredaktion
  • Kraftfahrt-Bundesamt (KBA)
  • Statistisches Bundesamt 
  • Regionalatlas Deutschland
  • Nachrichtenagentur dpa/lnw

Zu aktuellen Verkehrsmeldungen

1 / 2