Schulbarometer 2026

Lehrkräfte in NRW haben bundesweit am häufigsten Burnout

Stand:

Das Deutsche Schulbarometer für 2026 zeigt: Lehrkräfte in NRW sind im Bundesvergleich am häufigsten von emotionaler Erschöpfung betroffen. Wie ein Burnout verhindert werden kann.

Das Verhalten von Schülern, politische Meinungsäußerungen und der Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) - das sind zurzeit die drei größten Herausforderungen für Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland. Das hat das Deutsche Schulbarometer von der Robert Bosch Stiftung für dieses Jahr ermittelt.

Demnach ist für fast jede zweite Lehrkraft der Umgang mit dem Verhalten von Schülern die größte berufliche Belastung. Laut Robert Bosch Stiftung steigt dieser Wert seit Jahren an. Immerhin 28 Prozent würden den Beruf aufgeben, wenn sich eine Alternative böte.

Lehrkräfte in NRW nur durchschnittlich zufrieden mit Beruf

Wie : 283 verbeamtete und 367 tarifbeschäftigte Lehrkräfte kündigten aus dem Schuldienst. Zugleich sind fast 7.800 Stellen unbesetzt.

Diese Belastung kann laut Schulbarometer zu einer erhöhten emotionalen Erschöpfung und bis zum Burnout reichen. Deutschlandweit berichten Lehrkräfte an Grund-, Haupt-, Real und Gesamtschulen häufigerer von emotionaler Erschöpfung als Lehrkräfte an anderen Schulformen. Besonders niedrige Burnout-Werte haben demnach Lehrer an Förderschulen.

Im bundesweiten Vergleich ist der Burnout-Wert in NRW am höchsten. Das hat auch Einfluss auf die Berufszufriedenheit: Insgesamt sind Lehrkräfte in Bayern und Baden-Württemberg deutlich zufriedener als in den Regionen Nord, Ost und NRW. In NRW liegt die Berufszufriedenheit von Lehrkräften auf einer Skala von 1 für "niedrige Berufszufriedenheit" bis 4 für "hohe Berufszufriedenheit" bei 2,9.

Mehr Aufgaben für Lehrer als früher

Auch Thomas Moll, Lehrer für Englisch und Sport an der Europaschule Langerwehe Gesamtschule im Kreis Düren, ist der Meinung, dass die Belastung von Lehrkräften zugenommen hat.

Die Aufgaben sind gewachsen: Digitalisierung, Inklusion sowie mehr Dokumentation. Außerdem begleitet man die Schüler viel intensiver als früher. Thomas Moll, Englisch- und Sportlehrer an der Europaschule Langenwehe Gesamtschule

Beispielweise wären die Aufgaben in längeren Klausuren mehr geworden, sodass sich die Korrekturzeit erhöht habe.

Burnout von Lehrkräften präventiv begegenen

Damit es trotzdem gar nicht erst zum Burnout kommt, hat die Europaschule aktiv Präventionsmaßnahmen für die Gesundheit ihrer Lehrinnen und Lehrer ergriffen. Ihre Lehrkräfte seien mehrheitlich zufrieden, sagt Schulleiterin Regina Westermann.

"Wir haben Rückzugsräume geschaffen, sodass sich die Lehrerinnen aus dem Lehrraum zurückziehen können, zum Beispiel in einen Ruheraum, in dem nicht gesprochen werden darf." Außerdem gebe es einen Schulgarten. Ein weiterer Faktor der Schule um Überforderung und Erschöpfung vorzubeugen, sei die Arbeitsorganisation.

Wir schauen im Stundenplan, dass Lehrerinnen und Lehrer nicht durchgängig eingesetzt sind, sondern genug Pausen haben, um Kraft und Energie zu tanken. Regina Westermann, Schulleiterin an der Europaschule Langenwehe Gesamtschule

Wichtig sei auch, stets im Team zu arbeiten, das würde einzelne Personen entlasten. Ein Newsletter, der alle zwei Wochen an die Lehrkräfte geschickt wird, bündelt alle wichtigen Informationen für sie. "So gibt es keinen digitalen Overkill - da nicht jede Info immer direkt mit jedem geteilt wird."

Mehr Organisation, mehr Erziehung

Auch wenn sie persönlich, laut eigener Aussage, an ihrer Schule noch keinen Burnout-Fall hatte, hat Schulleiterin Westermann eine Vorstellung davon, was Lehrkräfte in NRW zur emotionalen Erschöpfung bringt. "Lehrkräfte haben an einem Tag durchgehend soziale Interaktion mit unterschiedlichen Lerngruppen mit jeweils 20 bis 30 Schülerinnen - das zieht viel Kraft und Energie." Gerade dann, wenn man sechs bis elf Stunden durchgängig unterrichten müsse.

Schulbarometer: NRW Lehrkräfte haben am häufigsten Burnout

WDR 22.06.2026 01:24 Min. Verfügbar bis 22.06.2028 WDR Online

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"Man steht da nicht nur als Lehrkraft vor den Schüler:innen, sondern auch als Privatperson." Westermann beobachtet nicht nur zunehmende organisatorische Aufgaben, die Lehrkräfte übernehmen müssten, sondern auch erzieherische, die oft herausfordert seien.

Lehrkräfte wünschen sich mehr Fortbildungen

Laut der Robert Bosch Stiftung ist das bisweilen schwierige Verhalten von Schülern darauf zurückzuführen, dass manche Probleme hätten, sich in eine Gruppe einzufügen oder sich zum Lernen zu motivieren. Lehrkräfte wünschen sich daher mehr Weiterbildungsmaßnahmen im Bereich Einfühlungsvermögen, Selbstorganisation oder kritisches Denken.

Schulbarometer 2026: Die Kernerkenntnisse

  • Für 46 Prozent der Lehrkräfte ist der Umgang mit dem Verhalten von Schülern die größte berufliche Belastung
  • 48 Prozent wünschen sich, dass ihre Schulen im Bereich Demokratiebildung mehr tun
  • 27 Prozent der Lehrkräfte glaubt, seine eigene politische Meinung nicht im Unterricht äußern zu dürfen
  • Der Anteil der Lehrkräfte, die mehrmals pro Woche mit KI arbeitet, hat sich auf 25 Prozent mehr als verdoppelt
  • 83 Prozent sind grundsätzlich mit ihrem Beruf zufrieden
  • 28 Prozent würden den Beruf aufgeben, wenn sich eine Alternative böte

"Das große Interesse an Fortbildungen ist eine echte Chance, die wir nutzen sollten, um Lehrkräfte beim Umgang mit schwierigen Unterrichtssituationen gezielt zu stärken. Aber das reicht nicht aus", so Katharina Thoren, Bildungsexpertin der Robert Bosch Stiftung in einer Pressemitteilung. Mehr als ein Drittel der Lehrkräfte fühlt sich dahingegend alleingestellt.

Schulen brauchen dringend multiprofessionelle Teams - also mehr Fachleute wie Sozialarbeiter:innen oder Schulpsycholog:innen, aber auch Unterstützung durch Verwaltungskräfte und IT-Spezialist:innen -, damit Lehrkräfte sich wieder voll auf das konzentrieren können, was ihre eigentliche Aufgabe ist: guten Unterricht. Katharina Thoren, Bildungsexpertin der Robert Bosch Stiftung

Mehr Flexibilität für mehr Lehrergesundheit?

Um diesen guten Unterricht auch ohne Erschöpfung leisten zu können, wünscht sich Schulleiterin Westermann, dass Schulen mehr Selbstständigkeit zugetraut wird. "Schulen müssten freier mit ihren Ressourcen arbeiten können." Derzeit müssen Lehrkräfte an Gesamtschulen, Gymnasien und Sekundarstufen in NRW 25,5 Unterrichtsstunden pro Woche abhalten.

Verbeamtete Lehrkräfte müssen in NRW laut Landesbeamtengesetz insgesamt 41 Wochenstunden arbeiten. Zu den festgelegten Unterrichtsstunden werden dann pauschal Stunden für Unterrichtsvor- und -nachbereitung sowie Organisation darufgerechnet. Die Stunden legt das Kultus- und Schulministerium von NRW fest.

Lehrkräfte arbeiten oft mehr als festgelegte Wochenarbeitszeit

Laut der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) arbeiten Lehrkräfte im Durchschnitt jedoch deutlich mehr. Das Deutsche Schulportal der Robert Bosch Stiftung spricht von einem Normwert von bis zu 46 Stunden. Eine Umfrage des Philologenverbandes NRW ergab 2025, dass 37 Prozent der befragten Lehrkräfte sogar auf mehr als 50 Stunden kommen, 12 Prozent auf mehr als 60 Stunden je Woche.

Arbeit, wie die Korrektur von Klausuren, kommt bei Lehrkräften zusätzlich zur Unterrichtszeit dazu | Bildquelle: WDR / dpa / Axel Heimken

Anders als 2019 vom Europäischen Gerichtshof gefordert, wird die tatsächliche Arbeitszeit an den Schulen immer noch nicht erfasst. Einer der Hauptbelastungsfaktoren für Lehrkräfte ist, laut GEW, dass die Lehrkräfte nicht genug Zeit hätten, um den Unterricht entsprechend ihren eigenen pädagogischen Ansprüchen vorzubereiten.

Um den Arbeitsaufwand von Lehrkräften zu schmälern, hat Lehrer Thomas Moll folgende Idee: "NRW wäre gut beraten, über alternative Prüfungsformate nachzudenken." Es sei besser den Lernprozess innerhalb eines Jahres zu bewerten, als die reinen Prüfungen wie Klausuren. Das könnte auch quartalsmäßig zum Beispiel durch Projekte geschehen.

Was die Pflichtstunden für den Unterricht angeht, hat Regina Westermann ebenfalls einen Vorschlag: "Sinnvoller wäre es, wenn man zum Beispiel 23 Stunden Unterrichtsstunden macht und die restliche Zeit für Teamplanung verwendet". Dann könnte man die Schüler besser begleiten und die Stundenpläne freier, je nach persönlichen Ressourcen, gestalten. "Das wäre sehr gut für die Lehrergesundheit".

Hilfe für überlastete Lehrerinnen und Lehrer:


Das kostenlose psychosoziale Beratungstelefon für alle Landesbeschäftigte an den öffentlichen Schulen in NRW ist unter der Telefonnummer 0800-0007715 täglich und rund um die Uhr erreichbar. Die Beratung ist vertraulich und anonym. Zusätzlich gibt es in den jeweiligen Bezirken Schulpsychologische Beratungsstellen.

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Regina Westermann
  • Gespräch mit Thomas Moll
  • Schulbarometer 2026 der Robert Bosch Stiftung
  • Rheinische Post
  • Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
  • Statista
  • Philologenverband NRW

Sendung: WDR.de, Lehrkräfte in NRW haben bundesweit am häufigsten Burnout, 23.06.2026, 05:00 Uhr