Lüdenscheid vor der Freigabe der Rahmedetalbrücke

01:45 Min. Verfügbar bis 12.12.2027

Lüdenscheid freut sich auf die Freigabe der Rahmedetalbrücke

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Am 22. Dezember 2025 soll die Rahmedetalbrücke wieder befahrbar sein. Zunächst mit Tempolimit und verengten Spuren, aber in Lüdenscheid atmen die Menschen trotzdem auf. Sie blicken mit Entsetzen zurück und mit Optimismus nach vorne.

Philip Linnepe ist von der Sperrung doppelt betroffen. Einerseits als Lüdenscheider, der vier Jahre Dauerstau als Anwohner erlebte, andererseits als Fimeninhaber, der Restaurants und Gaststätten mit Getränken beliefert. Seine Firma liegt direkt an der inoffiziellen Umleitungsstrecke, die vor allem von Autofahrerinnen und -fahrern genutzt wird.

Philip Linnepe ist Getränkehändler und freut sich auf die Freigabe der Rahmedetalbrücke | Bildquelle: WDR / Frank Strohdiek

"Ich blicke positiv auf die Brückenfreigabe. Die zurückliegenden Jahre waren sehr herausfordernd“, sagt der Unternehmer. Er spricht von den Schwierigkeiten, Touren zu planen und von gestiegenen Kosten durch die ständig verstopften Straßen. Ein Getränkemarkt, den seine Firma betrieb, lag an der offiziellen Umleitungsstrecke.

"Den Getränkemarkt mussten wir schließen. Von einem Tag auf den anderen waren 80 Prozent unserer Kunden weg." Philip Linnepe, Getränkehändler

Wachstum trotz Dauerstau

Verständlicherweise habe sich niemand für einen Kasten Bier oder Mineralwasser in den Stau gestellt. Doch dann die Überraschung: Die Getränkelogistik, also der Lieferdienst für die Gastronomie, ist in den vergangenen vier Jahren gewachsen.

"Wir haben überregionale Kunden dazu gewonnen", sagt Linnepe. Zwanzig Minuten mehr Fahrzeit pro Strecke fallen demnach nicht so sehr ins Gewicht, wenn es von Lüdenscheid ins Ruhrgebiet oder bis nach Attendorn geht. Innerstädtisch mache es aber einen Unterschied, ob seine Fahrer vier oder acht Kunden beliefern können.

Stau auf der offiziellen Umleitungsstrecke | Bildquelle: WDR / Frank Strohdiek

An der offiziellen Umleitungsstrecke ist Karin Niestroj zu Fuß unterwegs. "Das Auto nehme ich nur noch selten", sagt die Lüdenscheiderin. Sie wohnt in einer Seitenstraße, die von der ständig verstopften Hauptstraße abgeht. Lärm und Abgase seien eine große Belastung sagt sie. Dass es nach der Freigabe mit Lüdenscheid wieder bergauf geht, bezweifelt sie.

"Es war vorher schon trist in Lüdenscheid und in den vergangenen vier Jahren ist es noch schlimmer geworden." Karin Niestroj, Lüdenscheiderin

Triste Innenstadt fördert Umzugsgedanken

Menschen von außerhalb, die früher in den Lüdenscheider Geschäften eingekauft haben, fahren inzwischen woanders hin. Das ist wenigstens Niestrojs Eindruck. "Und wer einmal woanders zufrieden ist, kauft weiter dort ein." In der Lüdenscheider Innenstadt gebe es inzwischen mehr Gemüsehändler als Bekleidungsgeschäfte, sagt sie nur halb im Scherz. Sie plane in eine andere Stadt zu ziehen.

Friseurin Christina Boussi pendelt jeden Tag aus Radevormwald nach Lüdenscheid | Bildquelle: WDR / Frank Strohdiek

Den Umzug hat Christina Boussi schon hinter sich. Sie ist vor zwei Jahren von Lüdenscheid nach Radevormwald gezogen. "Nicht wegen des Staus", betont sie. Seitdem pendelt die Friseurin jeden Tag durch den Stau. "Ich freue mich schon darauf, wenn die Rahmedetalbrücke wieder befahrbar ist", sagt sie. Ihre Hoffnung ist, dass sie dann deutlich weniger Fahrzeit zur Arbeit hat.

Reparaturen nach der Freigabe der Rahmedetalbrücke

"Außerdem können wir dann endlich wieder die Termine mit unseren Kundinnen besser planen." Bei den unvorhersehbaren Staus kommt es demnach immer wieder vor, dass Kundinnen sich verspäten und so den eng getakteten Zeitplan eines Friseursalons durcheinanderbringen.

"Ich habe Stammkundinnen verloren, die sich den Stau nicht mehr angetan haben. Die werden wahrscheinlich nicht mehr zurückkommen." Christina Bouss, Friseurin

Wenn die Rahmedetalbrücke und damit die A45 wieder befahrbar ist, kommt aber die nächste Herausforderung. Dann müssen die durch die Lastwagen kaputt gefahrenen Umleitungs- und Ausweichstrecken repariert werden. Dafür hat das Land 100 Millionen Euro bereitgestellt.

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter vor Ort
  • Gespräch mit Lüdenscheiderinnen und Lüdenscheidern

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Südwestfalen, 11.12.2025, 19:30 Uhr