In seiner Festrede spannte Kanzler Merz den Bogen vom ersten CDU-Programm zu der Situation heute: "Damals ging es um Wiederaufbau. Heute geht es um den Zusammenhalt der Gesellschaft".
Merz wiederholte seine Absage, mit der AfD zusammenzuarbeiten und erntete dafür reichlich Applaus. Er beschwor die Leistungsfähigkeit Deutschlands und versuchte Mut zu machen: "Wir sind nicht hilflos, nicht hoffnungslos und erst recht nicht verloren."
Erstes CDU-Programm entstand in Hüsten
Dass die CDU ihr erstes Programm ausgerechnet im Sauerland verfasst hat, hatte einen ganz einfachen Grund: Damals führten Nonnen das Karolinen-Hospital. "Die konnten eine Versorgung mit 900 Kilokalorien am Tag garantieren", erzählt Lena Eggenhofer, die heutige Vorsitzende der CDU Hüsten.
Für Essen und Trinken sowie gute Unterkunft war also gesorgt. Und das war damals in einem Deutschland, das in Trümmern lag, enorm wichtig. Die CDU suchte sich selbst. Konrad Adenauer nannte die Tagung später "eine der entscheidendsten der CDU". Die Teilnehmer hätten "ein Auseinanderfallen der Partei" verhindert.
CDU wollte Arbeitnehmerrechte schützen
Ganze sechs Seiten umfasst das Parteiprogramm. Mit Blick auf die Wirtschaft betonen die Unterzeichner die Gleichberechtigung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Hand- und Kopfarbeiter, Bauern, Handwerker sowie Mittel- und Kleinbetriebe sollen besonders geschützt werden, heißt es.
Meilenstein für Adenauer
Auch die Rolle der Frau wird von den CDU-Politikern explizit festgeschrieben: Da wird unter anderen die "freie Betätigung der Frau im beruflichen und öffentlichen Leben" gefordert. Unter den 23 Teilnehmern der Tagung in Hüsten war nur eine einzige Frau: Christine Teusch aus Köln.
Etwa ein halbes Jahr nach dem Neheim-Hüstener Programm wird Konrad Adenauer zum ersten Deutschen Bundeskanzler gewählt
Das Programm forderte Demokratie, Föderalismus, Menschenwürde als Grenze staatlicher Macht. Entnazifizierung. Und Deutschlands gleichberechtigte Rückkehr in die Völkergemeinschaft. Nebenbei wurde Adenauer auch als Zonenvorsitzender gewählt. Ein Meilenstein auf dem Weg zum Kanzler.
Festakt mit Bundeskanzler Merz
Zum Festakt "80 Jahre Neheim-Hüstener Programm" am Mittwoch (27.05.) mit dem amtierenden Kanzler Friedrich Merz kamen gut 300 Gäste. Sie hörten zu, wie er auf das erste Programm seiner Partei zurückblickt und sich die Zukunft derselben vorstellt.
Diskussion um den Kanzlerposten
Konrad Adenauer blieb damals fast 14 Jahre Bundeskanzler. Friedrich Merz dagegen droht nach gerade mal einem Jahr eine Diskussion um seinen Kanzlerposten. In Hüsten halten die CDU-Mitglieder beim Festakt nichts von einem Wechsel. "Jetzt in eine Personaldiskussion einzutreten, ist nicht richtig", sagt Rolf Christoph Haase, "wir brauchen Anschübe, aber keinen neuen Kanzler."
Auch Lena Eggenhofer sieht dringenden Handlungsbedarf bei der Bundesregierung. Bei der CDU. "Ich wünsche mir, dass die CDU wieder die Partei der Familien wird." Einen Kanzlerwechsel will sie dagegen auf keinen Fall: "Hendrik Wüst ist ein super Ministerpräsident und das sollte er jetzt erstmal auch bleiben."
Matthias Kerkhoff, Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes im Hochsauerland, sicherte Merz "volle Unterstützung aus dem Kreis" zu. Kein Wort zu den Spekulationen um einen "Kanzlertausch".
Unsere Quellen:
- CDU-Parteiprogramm von Neheim-Hüsten
- Konrad Adenauer Stiftung zum Parteiprogramm
- Lena Eggenhofer, Vorsitzende der CDU Hüsten
Sendung: WDR 2 Südwestfalen, Lokalzeit, 27.05.2026, 14.31 Uhr
Sendung: WDR.de, Merz bei Feier zu CDU-Programm, 27.05.2026, 21.52 Uhr
