Sparkasse Gelsenkirchen: Hinweise auf Sicherheitsmängel
03:18 Min.. Verfügbar bis 26.02.2028.
Der vereidigte Sachverständige Sascha Puppel kommt mit einem schwarzen Koffer voller Überwachungs-Sensoren zum Interview. Anschauungsmaterial - denn Sicherheitstechnik vulnerabler Gebäude wie Museen oder Banken ist seit 36 Jahren das Geschäft des Gutachters aus Erkelenz.
Sicherheitstechnik gleicht einem Zahnradgetriebe
Der Sachverständige Sascha Puppel mit Sicherheitstechnik
Tresorräume von Banken zu schützen, müsse man sich vorstellen wie "ein komplexes Getriebe mit Zahnrädern, die ineinander greifen. Jedes Rädchen ist auf das andere abgestimmt." Der Sachverständige wird von Gerichten immer wieder als Gutachter bestellt und hat die Sicherheit vieler Banken unter die Lupe genommen. Im Fall Gelsenkirchen hat er ein Gutachten im Auftrag einer Kanzlei und Versicherer erstellt.
Kontrolle wie durch Wachdienste wird oft vernachlässigt
"Oft fokussiert man sich auf die bauliche Sicherheit - also Dicke der Wände und die Beschaffenheit des Betons", so Puppel. Neben dem Gebäude und der elektronischen Überwachung sei aber "die organisatorische und personelle Sicherheit elementar wichtig." Entscheidend ist, in welchen Abständen und was das Wachpersonal im Alarmfall kontrolliert.
Puppel nennt als Beispiel den Einbruch in eine Bank. Zwischen zwei Rundgängen sollen mehr Stunden verstrichen sein, als vereinbart war. Die zu langen Intervalle waren nicht über ein "Wächter-Kontroll-System" überwacht worden. Eine permanente Überwachung des Personals wäre aber unverzichtbar gewesen.
Täter in Gelsenkirchen hatten stundenlang Zeit zum Bohren
Auch in Gelsenkirchen blieb für die Täter nach Einschätzung des Gutachters offenbar genügend Zeit per Kernbohrer durch die Mauer in den Tresorraum zu gelangen. Selbst der Falschalarm eines Brandmelders hatte den Wachdienst nicht veranlasst, diesen Bereich zu überprüfen. "Wichtig ist, dass im Alarmfall - egal welcher Art - sofort interveniert wird."
Fehlt der Zugang, bleiben Einbrüche unentdeckt
Stellt sich den Betroffenen: Sparkassen-Chef Michael Klotz
"Grundsätzlich ist entscheidend, dass dann alle sechs Seiten außen und gegebenenfalls innen kontrolliert werden", so Sascha Puppel. Gemeint sind vier Wände, Decke, Tür und Boden. "Wenn der Wachdienst eine Außenseite nicht kontrollieren kann, weil dem Personal zum Beispiel der Zugang und die Kontrolle fehlt, können Einbrüche unentdeckt bleiben." So seien in Gelsenkirchen die Täter im Archivraum nicht entdeckt worden.
Gutachten können auch ohne Tatort-Besichtigung erstellt werden
Die gegenüber dem WDR geäußerte Kritik der Sparkasse Gelsenkirchen, dass der Sachverständige den Tatort ja gar nicht betreten hat, kontert Sascha Puppel: "Gutachten sind wie ein Puzzle. Es kommt vor, dass wir bei gerichtlich bestellten Gutachten Schutzräume erst Jahre später sehen - und wir dennoch Schwachstellen finden." Entscheidende Infos liefern dann z. B. Fotos und Zeugenaussagen.
Sparkasse Dortmund verbessert Sicherheitstechnik minimal
Konsequenzen aus dem Einbruch in Gelsenkirchen hat zum Beispiel die Sparkasse Dortmund gezogen: "Unser Standard war schon vorher gut - lag über den Empfehlungen", versichert Vorstands-Chef Sebastian Junker. "Wir haben aber dennoch minimal nachgebessert. Wir wollten etwas dazu tun."
Ermittlungen der nächsten Wochen werden Auskunft geben
Andere Sparkassen an Rhein und Ruhr geben auf Anfrage des WDR zu Nachbesserungen keine Auskunft. Die Haltung der Sparkasse Gelsenkirchen, die sich als Opfer hochprofessionell arbeitender Krimineller sieht, kann Sascha Puppel nicht teilen. "Da werden uns die Ermittlungen in den nächsten Wochen sicher Aufschlüsse geben."
Unsere Quellen:
- Sascha Puppel, vereidigter Sachverständiger für Sicherheitstechnik
- Sparkasse Gelsenkirchen
- Sparkasse Dortmund
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Dortmund, 26.02.2026, 19:30 Uhr