Eigentlich sollte der Prozess gegen die Angeklagten schon im Mai beginnen. Zum Prozessstart ist allerdings einer der Angeklagten nicht erschienen, der Prozess wurde daraufhin abgebrochen. Der Mann sitzt mittlerweile im Gefängnis, so ist sichergestellt, dass er heute vor Gericht erscheint.
Zum eigentlichen Prozesstart im Mai kam die aus der Ukraine stammende Frau am Mittwochmorgen im Rollstuhl ins Landgericht. Im Herbst 2022 war sie nach Deutschland geflohen und lebte seitdem in Essen. Ein halbes Jahr später wurde sie bei dem Unfall in Haltern so schwer verletzt, dass sie wohl nie mehr laufen kann. Sie lebt inzwischen in einem Pflegeheim.
Nachts an der Autobahn ausgesetzt
Vor zwei Jahren sollen die Männer die stark betrunkene Frau nachts an einer Autobahnabfahrt auf der A43 aus dem Auto gezerrt und liegen gelassen haben. Sie wurde dann von einem anderen Wagen überfahren. Das sollen die Angeklagten gesehen haben. Doch statt zu helfen oder Hilfe zu rufen, seien sie einfach weggefahren. Die Staatsanwaltschaft wertet das als versuchten Mord durch Unterlassen.
Das Unfallopfer wurde lebensgefährlich verletzt. Mit zahlreichen Knochenbrüchen und inneren Blutungen kam die Frau auf die Intensivstation. Als Folge des Unfalls erlitt sie zudem einen Schlaganfall. Gesund geworden ist sie nicht mehr. Laut Staatsanwaltschaft ist sie heute halbseitig gelähmt.
Bruchstückhafte Erinnerung
Warum sie mit den beiden Männern im Auto unterwegs war, konnte die 39-Jährige vor Gericht nicht sagen. An die Vorgeschichte habe sie keine Erinnerung. Einer der Männer sei ein Bekannter gewesen, den Fahrer habe sie aber vorher nie gesehen.
Die Richter in Essen stehen vor einer schwierigen Beweisaufnahme
Nach den Ermittlungen der Polizei waren die Drei vorher von Essen aus nach Münster gefahren und wieder auf dem Rückweg. Dabei sollen sie viel Alkohol getrunken haben. Von all dem wisse sie nichts, sagt die Frau heute im Prozess. Sie erinnere sich aber, dass ihr Bekannter sie auf den Kopf geschlagen und der Fahrer versucht habe, sie aus dem Wagen zu ziehen. Dann habe sie auf der Straße gelegen.
Angeklagter bestreitet die Vorwürfe
Zum eigentlichen Prozesstart im Mai saß nur der 38-jährige Fahrer des Wagens auf der Anklagebank. In einer ausführlichen Aussage hat er die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft vehement bestritten.
Sein Mitfahrer, den er aus einer Drogentherapie kannte, und die ihm fremde Ukrainerin hätten an dem Tag sehr viel getrunken. Dabei hätten sie schon im Münster heftig miteinander gestritten. Auf der Rückfahrt sei das eskaliert, beide hätten aufeinander eingeschlagen, dann habe die Frau versucht, ihm ins Lenkrad zu greifen. Deshalb sei er in Haltern von der Autobahn abgefahren.
Unfall nicht bemerkt
Als der Wagen stand, sei die Frau sofort rausgestürmt und verschwunden, nach einiger Zeit sei sein Mitfahrer ausgestiegen und habe sie gesucht, aber nicht gefunden. Den Unfall hätten sie nicht bemerkt. Irgendwann seien sie dann losgefahren Richtung Essen. Erst aus der Presse habe er erfahren, dass sie überfahren und lebensgefährlich verletzt wurde.
Erst Monate später wurden die beiden Angeklagten von der Polizei ermittelt. Offenbar gab es Hinweise aus ihrem Bekanntenkreis. Dem Gericht steht eine schwierige Beweisaufnahme bevor. Die Strafkammer hat für den Prozess fünf Verhandlungstage bis Mitte Juni angesetzt. Sollten die Vorwürfe bewiesen werden, drohen beiden Angeklagten lange Haftstrafen.
Unsere Quellen:
- Reporter im Landgericht
- Landgericht Essen
- Polizei Recklinghausen
- WAZ