Mieter verzweifeln: Unzumutbare Zustände in Europahaus in Oberhausen

04:32 Min. Verfügbar bis 06.02.2028

Mieter verzweifeln: Unzumutbare Zustände in Europahaus in Oberhausen

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Heizung defekt, Aufzüge außer Betrieb: Mieter des Europahauses erzählen von unzumutbaren Zuständen. Die Stadt will helfen.

Von Nicole Noetzel

Servehan Vishka ist verzweifelt. Seit fast vier Monaten funktioniert die Heizung in ihrer Wohnung im Europahaus in Oberhausen nicht. Die Raumtemperatur in ihrer liebevoll eingerichteten Wohnung liegt an diesem Tag bei vier Grad. In dieser Ausnahmesituation schläft sie auf einer aufblasbaren Matratze im Büro ihres Arbeitgebers.

Heizlüfter brachten auch keine Besserung. "Ich hatte Angst, dass es einen Kurzschluss gibt und es in meiner Wohnung brennt. Also musste ich mir irgendwie anders helfen. In der Woche schlafe ich im Büro, am Wochenende bei einer Freundin. Ich fühle mich wie eine Obdachlose."

Mieterin im Europahaus fühlt sich wie Obdachlose

Servehan Vishka ist eine von schätzungsweise gut hundert Mietern im Europahaus in Oberhausen. Der große Wohn- und Geschäftskomplex liegt mitten in der Innenstadt, die Mieten sind günstig. Doch seit Monaten funktionieren immer wieder die Aufzüge und auch viele Heizungen nicht. Der Vermieter, die W&L AG aus Bad Soden reagiere nicht auf Anfragen, berichten viele Mieter.

Europahaus-Mieterin Annegret Sartoris im Altenheim

Mieterin Annegret Satoris ist von ihrer kalten Wohnung in ein Altenmheim geflohen

Einige Mieter haben einen Anwalt eingeschaltet, so wie Annegret Sartoris. Genutzt habe das nichts, erzählt die 80-Jährige. Aus purer Verzweiflung hat sie sich jetzt selbst in ein Pflegeheim einweisen lassen. Sie leidet an der Lungenerkrankung COPD, ihre kalte Wohnung schadet ihrer Gesundheit.

Rechtlicher und finanzieller Druck auf Eigentümer bislang ohne Ergebnis

Weder Rechtsanwälte, noch das Einschalten der Wohnaufsicht der Stadt Oberhausen hat bislang erwirken können, dass die Zustände im Europahaus sich verbessern. Ein durch die Stadt verhängtes Zwangsgeld in Höhe von 5.000 Euro wurde vom Eigentümer W&L ignoriert.

Die W&L AG widerspricht gegenüber dem WDR den Vorwürfen. Die W&L behauptet, dass sie jederzeit für die Mieter vor Ort erreichbar sei und aktiv an der Behebung der Mängel arbeite. Man sehe sich nicht als renditeorientierten Konzern, sondern handle "mieterfreundlich und lösungsorientiert".

Stadt Oberhausen und NRW-Bauministerium wollen helfen

Trotz kaputter Aufzüge und Heizungen halten viele Mieter an ihren Wohnungen im Europahaus fest, sehen es als ihr Zuhause. Auch Annegret Sartoris wäre am liebsten dort wohnen geblieben. Sie ist traurig, dass sie ihr Zuhause verlassen musste: "Ich bin 80, die zwei Jahre, die ich noch zu leben habe, hätte ich gerne im Europahaus verbracht."

Aktuell sind Gespräche zwischen der Stadt Oberhausen und dem NRW-Bauministerium geplant. Ziel ist, den Mietern zu helfen, damit aus ihren Wohnungen wieder ein bewohnbares zu Hause wird.

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporterin vor Ort
  • Stadt Oberhausen
  • Mieterschutzbund Oberhausen
  • W&L AG
  • Aufzugsservice Steck

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 05.02.2026, 19:31 Uhr

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