KI im Unterricht: Hagener Hauptschule testet "Kürzungs-Kevin"

03:07 Min. Verfügbar bis 11.09.2027

KI im Unterricht: Hagener Hauptschule testet "Kürzungs-Kevin"

Stand:

Die Hagener Geschwister-Scholl-Schule ist eine von 25 weiterführenden Schulen, die am NRW-weiten Pilotprojekt KIMADU (Künstliche Intelligenz im Mathematik- und Deutschunterricht) teilnehmen. Das Schulministerium fördert diese Arbeit der Universität Siegen mit einer Million Euro.

Von Claudia Maschner

Im Mathematikunterricht der 7. Klasse soll das Bruchrechnen wiederholt werden. Lehrerin Jasmin Benra hat dafür einen virtuellen Kollegen erschaffen. Sie nennt ihn, passend zum Thema, "Kürzungs-Kevin": "Diesen KI-Assistenten haben wir mit den entsprechenden Lehrbuchseiten gefüttert, die dafür vom Verlag freigegeben sind."

Das Bild zeigt eine Lehrerin, die neben einem Schüler steht. Beide schauen auf ein Tablet

Jasmin Benra mit Schülern im KI-Unterricht in Hagen.

Die Schülerinnen und Schüler der Hagener Geschwister-Scholl-Schule können den KI-Assistenten auf ihren Laptops um Rat fragen. Die Schulseite ist für sie jederzeit erreichbar. Ein weiterer Vorteil der Künstlichen Intelligenz: Sie kommuniziert auch in der jeweiligen Muttersprache. Und dann wird "Kürzungs-Kevin" individuell im Chat antworten, wie eine geduldige, zigfach geklonte Lehrkraft.

KI Assistent soll keine Lösungen verraten

Aber eins macht der KI-Assistent nicht, erklärt der 13-jährige Arash: "Er sagt uns keine Lösungen vor. Er hilft uns nur, die Aufgabe zu verstehen." Auch im Deutschunterricht gibt es an der Geschwister-Scholl-Schule schon Erfahrungen mit KI-Unterstützung. Etwa wenn die Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse sich auf ihr Betriebspraktikum vorbereiten. Sie führen zum Beispiel Vorstellungsgespräche im Chat mit der KI.

Das Bild zeigt eine Lehrerin, die neben einer Schüleinr hockt und diese anschaut.

Lehrerin Jasmin Benra ist für die Schüler trotz KI jederzeit ansprechbar.

So kann jede Lehrkraft sich ihre eigene Unterstützung erschaffen. Abschaffen wird sie sich dadurch aber nicht, sagt Lehrerin Jasmin Benra: "Die erste Einführung ins Thema erfolgt über uns und auch die Rückversicherung läuft über die Lehrkraft."

Gute digitale Ausstattung als Voraussetzung

Die Hagener Geschwister-Scholl-Schule ist eine von 25 Schulen in NRW, die bei dem Pilotprojekt KIMADU der Universität Siegen und des Düsseldorfer Schulministeriums mitmachen. Voraussetzung für die Bewerbung war eine gute digitale Anbindung und Ausstattung der weiterführenden Schule. Wie kann die Unterstützung durch Künstliche Intelligenz im Mathe- und Deutschunterricht gelingen? Die Forschungsergebnisse sollen Ende 2027 vorliegen.

Erfolgreiche Lehr-Lernszenarien werden dokumentiert und schon während der Projektlaufzeit veröffentlicht. So können auch andere Schulen profitieren. Die Beispiele sind für Schulen auf der Website www.lernen-digital.nrw abrufbar.

Warnung vor verfrühter digitaler Bildung

Kritiker wie Prof. Dr. Jochen Krautz von der Universität Wuppertal, engagiert bei der Gesellschaft Bildung und Wissen e. V., fürchten eine verfrühte und übermäßige Digitalisierung: "Wir wissen mittlerweile um die enormen Nachteile und Schäden für die Entwicklungs- und Bildungsprozesse von Kindern und Jugendlichen durch digitale Medien." Vor dem Ende der Unterstufe (Klasse 6) sollten keine digitalen Geräte verwendet werden, so der Wissenschaftler.

Auch der Deutsche Ethikrat warnte 2023 in seinen Empfehlungen zur "KI und Bildung" explizit vor der Ersetzung der Lehrkräfte durch Computerprogramme. Die UNESCO empfiehlt den Umgang mit KI erst ab 13 Jahren. Hinweise, die jedoch bei der Projektumsetzung an der Hagener Geschwister Scholl-Schule Beachtung finden.

Unsere Quellen:

  • Geschwister-Scholl-Schule Hagen
  • KIMADU - KI-Forschungsprojekt der Didaktik der Mathematik und der Didaktik der deutschen Sprache
  • Schulministerium NRW

Weitere Beiträge aus dem Ruhrgebiet

1 / 2