Ermittlungen nach einem Badeunfall in Hagen | WDR aktuell
00:25 Min.. Verfügbar bis 22.10.2027.
Tödliches Badeunglück in Hagen: Vater hatte Jungen wohl allein gelassen
Stand:
Nach dem tödlichen Badeunglück im Hagener Westfalenbad laufen die Ermittlungen. Am Sonntagnachmittag war dort ein siebenjähriger Junge gestorben. Nach der Obduktion ermittelt die Staatsanwaltschaft. Der Vater hat sich in einem Zeitungsbericht zu dem Unglück geäußert.
Die Obduktion hatte ergeben, was viele befürchtet hatten. Der siebenjährige Junge aus Schwelm ist im Schwimmbecken ertrunken. Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt gegen den Vater wegen "fahrlässiger Tötung durch Unterlassen". Er könnte seine Aufsichtspflicht verletzt haben.
Vater hatte den Siebenjährigen kurz alleine gelassen
Der Mann hatte der Westfalenpost gesagt, er sei mit dem Siebenjährigen und zwei älteren Geschwistern in dem Schwimmbad gewesen. Der Vater habe den Jungen im zirka 60 Zentimeter tiefen Bereich des Lehrschwimmbeckens kurz alleine gelassen, um mit den zwei älteren Kindern zu einem Sprungturm zu gehen. Der Junge habe schwimmen können, außerdem habe der Vater eine andere Familie gebeten, kurz auf ihn aufzupassen.
Der Vater mache sich jetzt schreckliche Vorwürfe: "Ich wollte, dass meine Kinder Spaß haben. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas passieren kann", erklärte er der Westfalenpost.
Was zeigen die Videos?
Die Videos aus dem Westfalenbad sollen dabei helfen, den Unfallhergang zu rekonstruieren. Nach der Sichtung der Bilder sagt die Staatsanwältin, dass nur der Beckenrand überwacht wurde. Das Lehrschwimmbecken selbst, in dem das Unglück passiert ist, wird wohl nicht von den Kameras beobachtet.
Was war im Westfalenbad in Hagen passiert?
Gegen 16 Uhr hatten Badegäste den Jungen auf dem Boden des Lehrschwimmbeckens leblos liegen sehen und den Bademeister informiert. Der habe den Siebenjährigen sofort aus dem Wasser geholt und mit der Reanimation begonnen, sagte die Polizei. Der Siebenjährige verstarb kurze Zeit später im Krankenhaus.
Mehrere Bademeister im Dienst
Zum Unglückszeitpunkt waren sechs Bademeister im Dienst. Wo die einzelnen Personen im fraglichen Moment waren, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Das Aufsichtpersonal ist derzeit freigestellt. Es bestehen Angebote zur psychologischen Betreuung.
Junge wurde reanimiert
Feuerwehr, Rettungsdienst sowie ein Notarzt und ein Kindernotarzt aus Dortmund waren am Sonntag sofort zur Einsatzstelle geeilt und hatten den Jungen während der Fahrt in die Klinik weiter reanimiert.
Zahlreiche Notfallseelsorger kümmerten sich um Angehörige und Badegäste. Die Hagener Staatsanwaltschaft und die Kriminalpolizei haben die Ermittlungen zu den Hintergründen des Falls aufgenommen.
Das Bad blieb für den Rest des Abends geschlossen. Zum Zeitpunkt des Unglücks waren lediglich das Lehrschwimm- und das Sportbecken geöffnet. Etwa 70 bis 80 Gäste befanden sich zu der Zeit im Bereich des Sportbades und der Umkleiden. Das Westfalenbad war nicht in der für einen Feriensonntag üblichen Auslastung besucht.
Bereits im letzten Jahr hatte es ein tragisches Unglück im Westfalenbad gegeben. Dabei war eine Fünfjährige ums Leben gekommen.
Unsere Quellen:
- Polizei Hagen
- Sprecherin HVG
- Staatsanwaltschaft Hagen
- Bericht der Westfalenpost