Schriftzug des Bonner Landgericht

Mord, um Pension zu übernehmen? Hotelbetreiber in Bornheim getötet

Stand:

Vor dem Bonner Landgericht muss sich seit Montag, 4. Mai 2026, ein 64 Jahre alter Mann wegen Mordes verantworten. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass er im August seinen Freund in Bornheim getötet hat.

Von Christoph Hensgen

Das Motiv des Angeklagten laut Staatsanwaltschaft: die Pension mit Mieteinnahmen seines Opfers übernehmen.

Die Anklage wirft dem 64-Jährigen gleich drei Mordmerkmale vor: Heimtücke, Habgier und niedere Beweggründe. Dennoch wirkt der Angeklagte ruhig, fast kontrolliert. Er bestreitet vehement, die Tat begangen zu haben. Zu Prozessbeginn sagt er den Richtern: "Ich war es nicht."

Anklage: Im Büro von hinten angegriffen

Die Leiche des Hotelbetreibers war Mitte August 2025 im Büro der Pension gefunden worden. Dort, so die Staatsanwaltschaft, war der Mann von hinten erwürgt oder erdrosselt worden. Der Angeklagte und das Opfer waren seit Jahrzehnten befreundet.

"Nach Auffassung der Anklage soll sich der Geschädigte im Moment keines Angriffs versehen - und deshalb soll er auch keine Verteidigungsmöglichkeiten gehabt haben", sagt Stephan Schulz, Sprecher des Bonner Landgerichts. "Diesen Umstand soll der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft bewusst zur Tötung ausgenutzt haben."

Anschließend soll der mutmaßliche Täter den Kopf des 70-jährigen Opfers mehrfach mit Klebeband umwickelt und ihm eine Goldkette und einen goldenen Ring abgenommen haben - um sie zu verkaufen.

Staatsanwaltschaft spricht von Mord aus Habgier

In diesem dreigeschossigen Haus, dem Hotel "Zur Erholung" in Bornheim-Hersel, wurde das Opfer, der Betreiber der Pesnion, ermordet.

Der Tatort in Bornheim-Hersel: Der Betreiber des Hotels "Zur Erholung" wurde im Büro der Pension ermordet.

Durch die Tötung seines Freundes habe der Angeklagte dessen Pension mit den damit verbundenen Mieteinnahmen übernehmen wollen, sagt die Staatsanwaltschaft. Das Opfer hatte seit Jahren die Pension "Zur Erholung" in Bornheim-Hersel geführt.

Dort soll der Mann insgesamt neun Zimmer vermietet haben und pro Zimmer ungefähr 500 Euro im Monat eingenommen haben. Zusätzlich betrieb das Opfer die Kneipe im Erdgeschoss des Hauses.

Angeklagter bis zum DNA-Fund nur Zeuge

Nach dem Fund der Leiche im August 2025 hatten Ermittelnde auch einen Suizid nicht ausgeschlossen. Erst eine Obduktion ergab damals, dass der 70-Jährige getötet wurde. Der Angeklagte war zu Beginn der Ermittlungen von der Polizei nur als Zeuge angehört worden.

Bis Beamte einer Mordkommission von der Bonner Polizei die DNA des Angeklagten gefunden haben - an den Klebebändern, die um den Kopf des Opfers gewickelt waren. Von diesem Moment an geriet der Freund unter Mordverdacht und kam in Untersuchungshaft.

64-Jähriger bestreitet die Tat

Nach Angaben seines Strafverteidigers gegenüber wdr.de bestreitet er die Tat.

Dass sich die DNA meines Mandanten an den Klebebändern befunden hat, ist einfach zu erklären: Er war seit Jahren eng mit dem 70-Jährigen befreundet und hat ihm oft bei Reparaturen in der Pension geholfen. Martin Kretschmer, Strafverteidiger des Angeklagten

Der Angeklagte behauptet, er und ein Bewohner des Hotels hätten das Mordopfer zwei Tage nach der Tat gemeinsam gefunden. Damals, sagt der Beschuldigte zu Prozessbeginn, habe er das Opfer auch mehrfach berührt – unter anderem, um Vitalfunktionen zu überprüfen.

Insgesamt sind für den Strafprozess acht Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird Anfang Juni erwartet. Sollte der Angeklagte wegen Mordes schuldig gesprochen werden, droht ihm eine lebenslange Gefängnisstrafe.

Prozessauftakt: Hotelbetreiber in Bornheim getötet

WDR 04.05.2026 00:30 Min. Verfügbar bis 03.05.2028

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Unsere Quellen:

  • Landgericht Bonn
  • Erklärung des Verteidigers
  • Beobachtungen des WDR-Reporters

Sendung: WDR.de, Landgericht Bonn verhandelt Mord an Hotelbetreiber, 04.05.2026, 06:02 Uhr

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