Zwei Freundinnen basteln Särge für Sternenkinder
WDR. 02:36 Min.. Verfügbar bis 15.05.2038.
Helga Matzel war früher Herrenschneiderin. Jetzt sitzt sie mit ihrer Freundin Rosemarie Schuster zwischen reich verzierten Hochzeitskleidern und greift entschlossen zur Schere. Eine Bahn nach der anderen trennt sie ab. Neben ihnen steht ein kleines Holzkästchen. Sie werden es mit den Stoffen auskleiden. Ob es ihnen schwerfällt, die kostbaren Kleider zu zerstören? Keineswegs!
"Wir schenken den Hochzeitskleidern ein zweites Leben." Helga Matzel
Einst galten Sternenkinder als "Klinikmüll"
So sehen die kleinen Särge für die Sternenkinder aus.
Früher, erzählt Rosemarie Schuster, galten tot geborene Kinder ja noch als "Klinikmüll". Unerträglich für sie. Und auch danach fehlte eine würdige Lösung. Als ein Pfarrer den beiden erzählte, dass Sternenkinder in einem offenen Korb unter die Erde kämen, fuhr Helga kurzerhand in den Baumarkt. Sie kaufte Sperrholzplatten, klebte sie zusammen und dann fehlte nur noch das Innenleben. Sie suchten Spenderinnen für Brautkleider.
"Als wir hörten, wie Sternenkinder bestattet werden, wussten wir: Das wollen wir ändern!" Helga Matzel
Hinter jedem gespendeten Brautkleid steckt eine Geschichte
Inzwischen können sie sich vor Brautkleidspenden kaum retten. Manche Trennung steckt dahinter, doch es gibt auch viele glückliche Frauen, die sich für die Idee begeistern.
Helga Matzel und Rosemarie Schuster bereiten das nächste Hochzeitskleid vor.
Und immer wieder erhalten sie Zuschriften von Eltern, denen die würdevolle Bestattung den Abschied erleichtert hat. Die beiden Freundinnnen stellen ihre fertigen kleinen Särge Bestattungsunternehmen zur Verfügung. Einzige Bedingung: Für die ehrenamtlich gebastelten Särge dürfen die Unternehmen kein Geld von den Eltern verlangen.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Helga Matzel und Rosemarie Schuster
Sendung: WDR.de, Zwei Freundinnen basteln Särge für Sternenkinder, 16.04.2026, 5:09 Uhr
Erstveröffentlichung des Artikels am 16.05.2026