Bus-Chaos in Bornheim
WDR. 03:22 Min.. Verfügbar bis 15.06.2028.
Wer rund um den Bahnhof im Bornheimer Stadtteil Sechtem wohnt, ist Kummer gewohnt. Seit Jahren sorgt der Busverkehr dort für Ärger. In den zum Teil engen Straßen gibt es oft Staus und Probleme mit dem Gegenverkehr.
Vor einigen Jahren kursierten Videos, die Busse zeigten, die zum Ausweichen über den Rasen der Vorgärten fuhren. Schon damals gab es Proteste, Anwohner forderten den Einsatz kleinerer Busse. "Ich hatte wirklich die Hoffnung, dass es besser wird", sagt Andreas Kuban, der seit mehr als 20 Jahren hier wohnt.
600 Busse pro Woche
Aber seit Dezember sei alles noch schlimmer geworden, berichten die Menschen, die hier wohnen. Denn mit dem Fahrplanwechsel im Dezember kamen neue Linien dazu, die 730 nach Wesseling und die 930 nach Brühl.
Rund um den Bahnhof in Bornheim-Sechtem hängen Protestplakate.
"600 Busse pro Woche sind einfach zu viele", steht auf Protestplakaten. "Das geht schon morgens um halb sechs hier los", berichtet Yvonne Duffek. Sie habe vor lauter Bussen morgens Probleme, von ihrem Grundstück zu fahren.
Andere Anwohnende berichten von Lärm und Dieselgestank. Hinzu komme, dass das Buspersonal rund um den Bahnhof auch seine vorgeschriebenen Pausen macht, oft mit laufendem Motor. Sie seien nicht gegen den öffentlichen Nahverkehr, versichern die Anwohner, aber so könne es nicht weitergehen.
"Meine Tochter hat bereits Schlafstörungen." Jörg Schimmelfeder, Anwohner
Verkehrsbetriebe kündigen klärendes Gespräch an
"Wir haben unser Fahrpersonal mehrfach angewiesen, den Motor während der Standzeiten abzustellen", berichtet Sabine Fusshoeller-Kleinert auf Anfrage. Die Sprecherin der Rhein-Erft-Verkehrsgesellschaft (REVG) kündigte ein Gespräch mit allen Beteiligten an, "um die Situation im Rahmen unserer Möglichkeiten für die Anwohnenden zu verbessern."
Anwohnende in Bornheim-Sechtem wollen Verlegung der Buslinien
Die verlangen vor allem eine Verlegung der beiden neuen Linien auf die andere Seite des Bahnhofs. Das lehnen die Betreibenden der Buslinien allerdings ab. "Der Wendehammer gegenüber ist fahrtechnisch keine Option. Die Durchfahrt ist zwei Meter enger als üblich, daher wäre es für Solobusse bereits sehr eng; Gelenkbusse (…) könnten den Wendehammer nicht passieren", so die REVG.
Der Wendehammer in Bornheim-Sechtem
Diese Aussage ist allerdings umstritten und wird deshalb von der Stadt aktuell geprüft. Sollte sich die Einschätzung bestätigen, müsse die Politik entscheiden, wie es weitergeht. "Einen größeren Wendehammer oder eine andere Wendemöglichkeit zu bauen, sei aufwendig", sagt Bürgermeister Christian Mandt (CDU). "Das wäre eine Option, allerdings erst mittelfristig."
Betreibende lehnen Einsatz von kleineren Bussen ab
Auch die zweite Forderung der Anwohnenden, auf den Linien kleinere Busse einzusetzen, lehnen die Betreibenden ab. "Die Entscheidung, ob Kleinbusse, Kraftomnibusse oder Gelenkbusse für bestimmte Fahrten eingesetzt werden, orientiert sich immer an dem Bedarf und erwartbaren Fahrgastaufkommen", erklärt Jan Peter Fischer, Sprecher der Regionalverkehr Köln GmbH (RVK). Demnach passt sich die Auswahl der geeigneten Busse immer individuell an.
Ähnlich äußert sich die REVG: "Der Einsatz von Kleinbussen entspricht nicht dem tatsächlichen Kapazitätsbedarf." Konkrete Zahlen nennen beide Unternehmen allerdings nicht. Dafür sei es noch zu früh.
Der für den ÖPNV in Bornheim zuständige Rhein-Sieg-Kreis will jetzt alle Beteiligten an einen Tisch holen. Änderungen könnte es allerdings frühestens mit dem neuen Fahrplan im Dezember geben.
Unsere Quellen:
- Stadt Bornheim
- Rhein-Erft-Verkehrsgesellschaft
- Regionalverkehr Köln
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Proteste gegen neue Buslinien in Bornheim, 09.06.2026, 4:59 Uhr
