Für Hugo van Aken geht ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: Endlich gibt es einen Erlass, wonach Wiederbelebungsmaßnahmen fester Bestandteil in Schulen werden und Schüler lernen sollen, wie sie eine leblose Person reanimieren. Der mittlerweile pensionierte Chef-Anästhesist und frühere ärztliche Direktor der Uniklinik Münster hat gegenüber den politischen Entscheidungsträgern immer wieder dafür geworben. Viele Jahre lang. Noch im letzten Jahr hatte er NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst einen Brief dazu geschrieben. Jetzt hat man ihn erhört.
Siebtklässler fit machen für Reanimation
Die Schülerinnen üben die Herz-Rhytmus Massage an der Übungspuppe
Der Erlass des Schulministeriums sieht vor, dass weiterführende Schulen ab dem nächsten Jahr Schüler der siebten, achten und neunten Klasse verpflichtend schulen müssen. Ärztliches Personal steht dafür schon bereit. "Und zwar unentgeltlich, unsere Mitglieder in der Stiftung "Universitätsmedizin" zum Beispiel machen das ehrenamtlich," betont van Aken.
Vorgesehen ist, dass Mediziner mindestens zwei, drei Lehrer jeder weiterführenden Schule mit dem Thema "Reanimation" vertraut machen sollen. Die Lehrer schulen dann Kolleginnen und Kollegen und geben gleichzeitig ihr Wissen an die Schüler weiter. Mit einer Doppelstunde – erst kommt die Theorie, dann am Dummy die Praxis.
Kinder sind fit dafür, die können das. Und die vergessen auch nicht, was im Notfall zu tun ist! Hugo van Aken
Ein Kollege erzählte Akten von einer jungen Frau, die vor etwa einem Jahr ihren Vater nach einer Herzattacke erfolgreich reanimieren konnte. Gelernt hatte sie das als zwölfjährige Schülerin bei einem Weltrekord-Versuch - von van Aken! Der hatte im September 2013 rund 12.000 Schülerinnen und Schüler vor dem Schloßplatz in Münster versammelt und ein Open-Air-Wiederbelebungs-Spektakel veranstaltet. Der Weltrekord gelang – und ihrem Vater rettete das das Leben.
Quote muss besser werden
"Vor 20 Jahren waren wir, was die Überlebungsquote und die Reanimationsfähigkeit der Bevölkerung betrifft, Schlusslicht in Europa. Das ist zwar besser geworden. Aber noch nicht so, wie es sein sollte," fasst Hugo van Aken die Situation zusammen. Immerhin: dadurch, dass jetzt Schüler und Schülerinnen angelernt werden, könnten zwischen 6.000 und 12.000 Menschenleben gerettet werden. Pro Jahr.
Unsere Quellen:
- Reporter vor Ort
- Mediziner Hugo van Aken
Über dieses Thema berichten wir am 09. Juli 2025 auch im WDR Fernsehen: Lokalzeit Münsterland, 19.30 Uhr.