Erster Creator-Flohmarkt in OWL
Lokalzeit OWL. 03.11.2025. 03:14 Min.. Verfügbar bis 03.11.2027. WDR. Von Annika Krooß.
"Hand drauf, du hast zehn Sekunden, sonst ist der Deal weg!", sagt ein Verkäufer zu Jonas Steinbeißer. Er schlägt ein und hat für zehn Euro eine Yogamatte, ein Kartenspiel und eine Mütze gekauft.
"Gebrauchen kann ich das nicht, aber der Mann hat gut verkauft - so hab ich halt ein kleines Andenken an den Flohmarkt heute", sagt der 29-Jährige aus Coburg.
Während dieses Verkaufsgesprächs wird Jonas Steinbeißer gefilmt. Und auch der Verkäufer hat ein Smartphone in der Hand, mit dem er sich filmt. Beide streamen das gerade live auf ihren Kanälen auf der Plattform Twitch.
Werbung machen für Flohmärkte
Jonas Steinbeißer verkauft seine Produkte.
Jonas Steinbeißer ist dort unter dem Namen "fustler" bekannt als Flohmarkt-Streamer. Mehrmals in der Woche geht er auf Flohmärkte und begleitet das in seinen Streams: "Ich möchte Flohmärkte auf die 1 bringen, die dürfen niemals aussterben."
Mit seinen Streams will er vor allem junge Leute für Flohmärkte begeistern. Einmal die Woche kauft er dort Produkte für seine Follower: "Die Leute können ganz entspannt vom Sofa mit mir einkaufen gehen - das ist wie Teleshopping."
Neues Konzept: Creator-Flohmarkt
Den Creator-Flohmarkt in Lemgo hat Jonas Steinbeißer gemeinsam mit Jens Krebes organisiert. Der ist Veranstalter von Flohmärkten und sagt:
"So einen Flohmarkt hat es noch nie gegeben. Wir wollten mal raus aus der Komfortzone und was Neues ausprobieren." Jens Krebes
Die Produkte sind hier heute allerdings ziemlich Flohmarkt-typisch. Neben Retro-Computerspielen, alten Gameboys oder anderen Elektrogeräten, gibt es Fanartikel, Kleidung und besondere Sammlerstücke wie alte Bücher.
Das Streamen ins Internet steht im Fokus
Was so gar nicht Flohmarkt-typisch ist: An fast jedem Stand haben die Verkäufer und Verkäuferinnen eine Kamera in der Hand. Alles, was hier heute passiert, landet online. Mehr als 40 Streamer und Content-Creator sind dabei und streamen das auf ihren Kanälen live ins Internet.
Die Streamer verkaufen ihre Produkte vor allem untereinander. Hier geht es heute weniger um die Besucher und den großen Umsatz, sondern eher um den Spaß und das Streamen für die Follower vor den Bildschirmen.
Streamer aus ganz Deutschland dabei
Streamer Oskar an seinem Verkaufsstand.
So zum Beispiel auch bei Oskar aus Berlin. Er hat mit Flohmärkten eigentlich nicht viel zu tun, auf seinem Kanal "FastFoodBoss" testet er Fast Food. Zuletzt war er in Vietnam und hat dort Streetfood getestet - und das im Internet geteilt.
Der 20-Jährige ist im Sommer mit der Schule fertig geworden und will es jetzt ein Jahr lang als Streamer versuchen. Noch kann er davon nicht leben und sieht das Ganze eher als guten Minijob.
Für ihn ist der Creator-Flohmarkt heute ein großer Spaß, ums Verkaufen geht es ihm nicht. Er will die Szene kennenlernen und sich mit anderen Streamern und Creatorn vernetzen.
Besucher kommen wegen Streamern
Diese Familie ist fündig geworden beim Creator-Flohmarkt.
Mittendrin zwischen all den Streamern ist eine Familie aus Hameln. Mutter Saskia und die Kinder Finn und Milena haben die Hände voll mit gekauften Produkten. Ergattern konnten sie zum Beispiel einen Zauberstab, eine Uhr und eine Warnweste. Alles gekauft für wenige Euros.
"Wir sind heute wegen den Streamern hier, die Kinder kennen viele von TikTok und wollten unbedingt herkommen." Mutter Saskia
Streams laufen gut, Besucherzahl ausbaufähig
Zurück zu Jonas Steinbeißer. Für ihn ist der Flohmarkt ein Erfolg. Er und seine Streaming-Kollegen haben heute etwa fünf Millionen Menschen online erreicht.
Gemeinsam mit Kollege Jens Krebes planen sie schon den nächsten Creator-Flohmarkt - wann und wo ist noch offen. Da hoffen sie dann auf noch mehr Besucher vor Ort - und nicht nur virtuell.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporterin vor Ort
- Gespräche mit Streamern und Besuchern
- Veranstalter marktfuchs
Über dieses Thema berichten wir am 3. November 2025 auch im WDR Fernsehen: Lokalzeit OWL, 19.30 Uhr.
