Kryptoqueen Ruja Ignatova angeklagt - doch von ihr fehlt jede Spur

Lokalzeit OWL 18.09.2025 01:55 Min. Verfügbar bis 18.09.2027 WDR Von Oliver Köhler

Kryptoqueen Ruja Ignatova angeklagt - doch von ihr fehlt jede Spur

Stand:

Damit ihre Taten nicht verjähren, hat die Staatsanwaltschaft Bielefeld jetzt Anklage gegen die Kryptoqueen Ruja Ignatova erhoben.

Oberstaatsanwalt sitzt vor einem Ordner mit vielen Blättern und spricht

Oberstaatsanwalt Carsten Nowak

Die Akte der Anklage ist dick, fast 600 Seiten. Die meisten davon bedruckt mit Tabellen von Geschädigten des Betrugs von Ruja Ignatova und ihrer vermeintlichen Kryptowährung. Rund 17.500 Namen sind hier aufgelistet. Die Staatsanwaltschaft in Bielefeld hat jetzt Anklage erhoben.

Dabei geht es um Betrugsfälle zwischen Dezember 2015 und August 2016 in Höhe von knapp 57 Millionen Euro. Oberstaatsanwalt Carsten Nowak sagt dazu: "Wir wollen mit dieser Anklage verhindern, dass die Taten von Ruja Ignatova verjähren. Durch die Anklage bekommen wir fünf Jahre mehr Zeit."

Einer der größten Finanzbetrugsskandale der Geschichte

Das wird Ignatova, der sogenannten Kryptoqueen, vorgeworfen: Sie baute ein Betrugssystem rund um ihre Kryptowährung OneCoin auf. Drei Millionen Anleger hofften auf einen schnellen Gewinn und sahen ihr Geld nie wieder. Es ist einer der größten Finanzskandale der Geschichte.

Ruja Ignatova hat mit einem Ehepaar zusammengearbeitet. Die beiden hatten als europäische Finanzzentrale für den weltweiten Betrug mit der fiktiven Kryptowährung fungiert. Das Paar hatte dazu in Greven ein Unternehmen für diese Transaktionen gegründet und einen Vertrag mit Ruja Ignatova abgeschlossen.

Von dort wurden Tausende Anleger weltweit um ihr Geld betrogen. Deswegen ist die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bielefeld zuständig.

Ignatova seit Jahren untergetaucht

Nowak beschäftigt sich seit neun Jahren mit dem Fall rund um Ruja Ignatova: "Wir gehen weiterhin davon aus, dass sie am Leben ist und hoffen, dass wir sie irgendwann finden und sie vor Gericht bringen können."

Laut Nowak hätten die Ermittler nach wie vor keine konkreten Hinweise zu dem Aufenthaltsort von Ignatova. 2017 tauchte die heute 45-jährige unter. Beweise, dass sie noch lebt, gebe es aber nicht.

Landgericht Bielefeld muss jetzt entscheiden

Durch die Anklage kann auch in den nächsten fünf Jahren weiter nach Ignatova gefahndet werden. Das Landgericht in Bielefeld muss jetzt entscheiden, ob sie ein Verfahren eröffnet.

Einen Prozess wird es ohne die Angeklagte aber nicht geben. Mit der Anklage seien die Rechtsmittel dann ausgeschöpft.

Bekommen Geschädigte ihr Geld zurück?

Was bedeutet das für die betrogenen Anleger? Laut Oberstaatsanwalt Nowak könnten Vermögenswerte von 20 Millionen Euro von Ignatova eingezogen werden. 10 Millionen Euro aus dem Verkauf von Eigentumswohnungen von Ignatova in London habe die Staatsanwaltschaft schon gesichtert.

Gerade wird versucht, dieses Geld für die Geschädigten nach Deutschland zu holen. Ob dann alle der 17.500 aufgelisteten Namen aus Westfalen entschädigt werden können, bleibt aber fraglich.

Kryptoqueen Ruja Ignatova angeklagt - doch von ihr fehlt jede Spur

WDR Studios NRW 18.09.2025 00:28 Min. Verfügbar bis 18.09.2027 WDR Online

Transparenzhinweis: In einer früheren Version haben wir geschrieben, dass Ruja Ignatova selbst einen Firmensitz im münsterländischen Greven hatte. Das war ein Fehler und haben wir korrigiert.

Unsere Quellen:

  • Pressekonferenz Staatsanwaltschaft Bielefeld
  • Interview mit Oberstaatsanwalt Carsten Nowak
  • WDR-Recherchen zu dem Fall

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