Antisemitische Äußerungen auf Schützenfest in Beverungen

Lokalzeit OWL 03.09.2025 07:51 Min. Verfügbar bis 03.09.2027 WDR Von Peter Cohrs, Elke Vieth

Antisemitische Beleidigung auf dem Schützenfest in Beverungen

Stand:

Auf dem Schützenfest in Beverungen wird Kai Rosenstein von einem Mann antisemitisch beleidigt. Jetzt ermittelt der Staatsschutz.

Von
Peter Cohrs
und Elke Vieth

Der Rat der Stadt Beverungen hat jetzt einstimmig einen antisemitischen Vorfall beim Schützenfest verurteilt. Bürgermeister Hubertus Grimm hatte das Thema kurzfristig auf die Tagesordnung gebracht, um ein Zeichen zu setzen.

In Beverungen ist kein Platz für antisemitisches und rassistisches Gedankengut. Rat der Stadt Beverungen

Hintergrund ist ein Vorfall beim Schützenfest Mitte Juli: Es geht auf Mitternacht zu. Kai Rosenstein ist extra aus Hessen in seine alte Heimat gekommen, um hier mitzufeiern. Mit seinem ehemaligen Nachbarn Walter Schübeler steht er an der Theke, sie reden über alte Zeiten. Plötzlich, so erzählt der Nachbar, habe sich ein Mann vor Kai Rosenstein aufgebaut.

"Judenpack wie Du gehört nicht aufs Fest"

Ohne jeden Anlass habe er mit einem Unterton gefragt: "Wer bist Du denn? Und was willst Du hier?" "Der Mann war bestimmt zwei Köpfe größer als Kai", berichtet Walter Schübeler. Eine Antwort wartete der ungebetene Gast gar nicht erst ab. Es folgte ein Schwall antisemitischer Beleidigungen. Unter anderem, so erzählt Kai Rosenstein, habe er zu hören gekriegt: "Judenpack wie Du gehört nicht aufs Fest."

Auf dem Schützenfest will keiner helfen

Was die beiden Männer besonders ärgert: Kurz nach dem Vorfall hätten sie sich an den Sicherheitsdienst gewandt. Der habe Hilfe abgelehnt mit dem Hinweis, man brauche dafür einen Auftrag. Auch Mitglieder des Schützenvereins, die gerade das Kassenhäuschen abschlossen, hätten - so berichtet Kai Rosenstein - nur darauf hingewiesen, dass der Festwirt zuständig sei.

Aber auch beim Thekenpersonal kamen sie nicht weiter, das verwies lediglich auf die Polizei. Die kam schließlich, nahm die Personalien der mutmaßlichen Täter auf. Der Schützenverein und der Festwirt wollten sich auf WDR-Anfrage unter Hinweis auf "laufende Ermittlungen" nicht zu dem Vorfall äußern.

Kai Rosenstein ist Katholik

Kai Rosenstein kennt Anfeindungen wegen seines Nachnamens. Dabei ist er selbst Katholik. Die Großmutter hatte nach den schlimmen Erfahrungen im Holocaust darauf bestanden, dass die Söhne katholisch werden und nicht mehr dem jüdischen Glauben angehören. "Das hat sie getan, weil sie Sicherheit für uns alle wollte", sagt Kai Rosenstein.

Kai Rosenstein hat sich bewusst gegen Beverungen als Wohnort entschieden | Bildquelle: WDR/Maximilian Mann

Der 54-Jährige hat schon in vielen Städten gewohnt, in Frankfurt oder Berlin sei er zwar auf seinen Nachnamen angesprochen, aber nie antisemitisch beleidigt oder körperlich angegriffen worden. In seiner Heimat Beverungen habe er das aber schon häufiger erleben müssen, zum ersten Mal während der Jugendzeit. Und das sei tatsächlich einer der Gründe gewesen, warum er die Stadt verlassen habe und jetzt im hessischen Kassel lebe.

Beverungen mit viel jüdischer Geschichte

Walter Schübeler, der Zeuge des Vorfalls auf dem Schützenfest, erzählt, dass es gerade in Beverungen viele Zeugnisse jüdischer Geschichte gibt. An einer Straße in der Innenstadt stehend, kann er mühelos sechs Häuser zeigen, in denen jüdische Familien wohnten oder Geschäfte hatten. Auch eine Synagoge gab es. Nur drei Überlebende kehrten nach dem Holocaust nach Beverungen zurück.

Auf dem jüdischen Friedhof etwas außerhalb erinnern viele Grabsteine an diese Familien – begraben liegen hier auch die Großeltern von Kai Rosenstein.

Antisemitische Beleidigungen auf Schützenfest

WDR Studios NRW 03.09.2025 00:45 Min. Verfügbar bis 03.09.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Kai Rosenstein
  • Gespräch mit Walter Schübeler
  • Gespräch mit Beverungens Bürgermeister Hubertus Grimm
  • Anfragen bei Schützenverein und Festwirt
  • Anfrage beim Staatsschutz Bielefeld