Datenschützer verleihen Negativpreis an TikTok, Google und Dobrindt
Lokalzeit OWL. 10.10.2025. 07:18 Min.. Verfügbar bis 10.10.2027. WDR. Von Jan-Ole Niermann.
"Das Thema Datenschutz war im Jahr 2000 noch unter ferner liefen, da gab es nicht so viel Interesse für", sagt Digitalcourage-Mitgründerin Rena Tangens: "Wir wollten mit den Big-Brother-Awards Bewusstsein wecken und tatsächlich was verändern."
Jurymitglied Rena Tangens
Jetzt gibt es zum 25. Mal eine große Preisverleihung in Bielefeld und auch in diesem Jahr sind viele prominente Namen auf der Preisträger-Liste. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) wird in der Kategorie "Behörden und Verwaltung" für das geplante Sicherheitspaket mit dem Negativpreis ausgezeichnet.
"Die Innenminister haben tatsächlich so was wie ein Abo", sagt Tangens. Digitalcourage warnt diesmal vor dem Einsatz von Gesichtersuchmaschinen und der Mithilfe von datenschutzwidrigen Anbietern.
Digitalcourage kritisiert "Datenkraken"
Ein weiterer Preis geht an die chinesische Social-Media-Plattform TikTok, "für die Verletzung des Datenschutzes, für die Verbreitung von Fake-News und Hatespeech." Laut Digitalcourage seien die Algorithmen undurchsichtig und würden Abhängigkeiten insbesondere bei Minderjährigen schaffen.
Publikum bei der diesjährigen Verleihung
In der Technik-Kategorie wird ein weiterer Großkonzern ausgezeichnet: Google erhalte bereits den dritten Award, sagt Tangens: "Einige Konzerne sind da besonders eifrig."
Aufzeigen, was schief läuft
Diesen Preis erhalten die Preisträger
Diesmal gehe es um einen KI-Assistenten, der auf allen Android-Telefonen installiert werde. "Was bedeutet, dass jeder Chat, jede Äußerung, die ich mache, von der KI ausgewertet wird."
"Wir dachten uns, dieser Preis ist eine gute Möglichkeit dafür, um aufmerksam zu machen, wo was schief läuft." Rena Tangens, Mitbegründerin Digitalcourage e.V.
Preisverleihung
Auch in diesem Jahr hat der Bielefelder Verein alle Preisträger vorab kontaktiert und zur Verleihung eingeladen: "Es ist sehr unterschiedlich, wie die Preisträger reagieren. Vielfach versuchen sie das einfach zu ignorieren. Es gibt andere, die sich richtig aufregen und uns böse Emails schreiben", erinnert sich Tangens.
Verklagt worden sei Digitalcourage aber noch nie, die Recherchen seien wasserdicht. In diesem Jahr rechnet der Verein damit, dass tatsächlich ein Preisträger kommt und sich der Kritik stellt.
Auch Jugendliche machen mit
Zum ersten Mal gibt es im Jubiläumsjahr die Kategorie "jung und überwacht". Zusammen mit der Initiative "Teckids" sollen Kinder und Jugendliche selbst auf Datenschutzproblematiken hinweisen.
Es gibt zum ersten mal auch die Kategorie "jung und überwacht"
Dabei geht es zum einen um den flächendeckenden Einsatz von iPads an Schulen und die Ausgrenzung von Jugendlichen, die kein WhatsApp nutzen wollen. "Wir haben ja mal gedacht, so nach 5 bis 10 Jahren können wir das mal sein lassen mit dem Big-Brother-Award. Dann haben wir alle Themen durch", sagt Rena Tangens schmunzelnd.
"Das hat sich als Irrtum herausgestellt. es kommen immer neue Themen rein gespült und wir werden auf jeden Fall weitermachen." Der Termin für die Preisverleihung 2026 stehe auch schon fest.
Unsere Quellen:
- Interview mit Digitalcourage e.V. Bielefeld
- Preisverleihung Big-Brother-Award 2025
- Reporter vor Ort