Hendrik Wortmann geht durch das gleißende Sonnenlicht zur Eingangstür seiner Szene-Bar "Cutie" in Bielefeld. Vormittags ist es hier sehr ruhig. Das Leben erwacht in seinem Lokal erst spät am Abend, mit DJs, Drinks und Party. Seit mehr als zehn Jahren betreibt Wortmann das "Cutie". Ein Ort der Vielfalt und Toleranz.
Ein Angriff aus dem Nichts
Es war in den Morgenstunden des 18. Mai 2025, als der mutmaßliche Täter Mahmoud M. plötzlich auf Wortmanns Gäste losging. Wortmann selbst war gerade im Lager des Lokals. Er erinnert sich, dass Panik ausbrach, er selbst zum Eingang lief, Menschen am Boden sah und große Mengen Blut.
"In dem Moment funktioniert man nur. Ich bin hin und hergelaufen, um die Helfer zu unterstützen." Hendrik Wortmann, Betreiber der Bar "Cutie"
Kurze Zeit später war die Straße vor dem Lokal voller Blaulicht.
Arminia Bielefeld-Fan hat Schlimmeres verhindert
Einer der Menschen, die am Boden lagen und um ihr Leben rangen, war Chris, Fan von Arminia Bielefeld. Er hatte den Aufstieg seines Vereins in die zweite Bundesliga gefeiert, als er sich dem Angreifer im "Cutie" entgegenstellte.
Er erinnert sich, dass er panische Schreie hörte und der Gefahr entgegenlief. Es gelang ihm, den Angreifer so zu attackieren, dass der von seinem Vorhaben ablassen musste und die Flucht ergriff.
Schwerste, lebensbedrohliche Verletzungen
Chris erlitt schwerste Stich- und Schnittverletzungen und verlor sehr viel Blut. Mit großem Glück und beherztem Eingreifen der Ersthelfer überlebte er.
Heute sind die Narben an Beinen und Oberkörper deutlich sichtbar. "Er hat bessere und schlechtere Tage, aber es geht ihm mental und körperlich gut", sagt sein Freund und Anwalt David Volke. "Für Chris war die lange Wartezeit auf den Prozessbeginn belastend, aber er ist gut vorbereitet und wird auch selbst als Zeuge aussagen."
Enttäuscht von der Politik
David Volke spricht für Chris in der Öffentlichkeit. Es gibt Kritik vor allem an Politik und Behörden, die sich nicht an Chris wandten, um Hilfe anzubieten. "Er hat die öffentlichen Statements der Politiker wahrgenommen, ist aber enttäuscht, dass sich nicht einer direkt an ihn gewandt hat."
Für Chris und drei weitere Opfer, alle zwischen 22 und 27 Jahre, hat der mutmaßliche Terrorangriff auch finanzielle Folgen. Als Werkstudent hat Chris keinen Anspruch auf Krankengeld. Ein weiteres Opfer ist bei der Post angestellt und bis heute arbeitsunfähig. Seine Anwältin Stefanie Höke beschreibt, dass er unter schlimmen "Flashbacks" leidet und seine Wohnung nur selten verlassen kann.
neue Details im Prozess nach mutmaßlichem Terroranschlag in Bielefelder Bar
WDR Studios NRW. 03.03.2026. 00:32 Min.. Verfügbar bis 02.03.2028. WDR Online. Von Steven Meier.
Bielefeld steht zusammen gegen Vereinnahmung der Tat
Der Bar-Betreiber Hendrik Wortmann hatte eine Spendenaktion gestartet, um die Opfer zu unterstützen. Rund 50.000 Euro kamen so zusammen. Mit seinem Personal und Stammgästen hat er es auch geschafft, dass das "Cutie" weiter ein bunter Ort zum Feiern ist, kein Angstraum.
Versuche rechter Politiker, den Angriff für ihre Agenda zu vereinnahmen, hat sich Wortmann sofort entgegengestellt. Der Hass und die Gewalt sollten rund um das "Cutie" nicht haften bleiben.
Bielefeld hat den Schock des mutmaßlich ersten Terroranschlags seiner Geschichte besonnen verarbeitet. Jetzt hoffen die Opfer Anfang Juni, nach 21 Verhandlungstagen, endlich mit dem Erlebten abschließen zu können.
Prozessbeginn nach Terroranschlag in Bielefelder Bar
00:40 Min.. Verfügbar bis 01.03.2028. WDR Online.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Hendrik Wortmann, Betreiber Bar "Cutie"
- WDR-Gespräch mit David Volke, Rechtsanwalt von Opfer "Chris"
- WDR-Gespräch mit Stefanie Höke, Rechtsanwältin von drei Opfern
Sendung: WDR.de, Prozessbeginn nach Terroranschlag in Bielefelder Bar, 02.03.2026, 05:58 Uhr