Aktion auf Landebahn: Autofahren für Blinde
Lokalzeit am Samstag. 14.06.2025. 04:01 Min.. UT. Verfügbar bis 14.06.2027. WDR. Von René Rabenschlag.
Maren Hesse hat noch etwa 3 Prozent Sehkraft - sie ist nahezu blind. Ihre Augen wurden von Geburt an immer schlechter und so konnte sie auch nie einen Führerschein machen. Es wäre undenkbar für die 35-Jährige, ein Auto in der Stadt selbst zu steuern. Denkbar ist es aber auf einem Flugplatz - möglich auch.
Und zwar bei einer Aktion am Flugplatz Telgte, bei der Blinde Autofahren dürfen. Maren Hesse freut sich sehr auf diese Aktion: "Das ist ein mittendrin, statt nur dabei. Das Gefühl der Kontrolle, selbst etwas steuern zu können. Ich bin ganz aufgeregt."
Autos statt Flugzeuge
Fahrspaß mit vier Fahrschulautos
Ab 20 Uhr ist der Flugplatz in Telgte geschlossen. Die letzte Maschine ist gelandet und kurz darauf fahren vier Autos auf das Vorfeld. Eine Fahrschule aus Münster hat die ungewöhnliche Anfrage des Blindenvereins bekommen und sofort zugesagt: Mit vier Fahrlehrern geht es über die gut 500 Meter lange Start- und Landebahn.
Flugplatz ist optimale Umgebung
Die asphaltierten Strecken sind umgeben von hunderten Quadratmetern grüner Wiese. Weit und breit gibt es keine Hindernisse. Holger Paaschen, der Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins Westfalen hat die Aktion organisiert. "Bis auf einen Teilnehmer heute, hat keiner einen Führerschein", erzählt er.
Dieser eine Teilnehmer ist er selbst, denn Paaschen ist erst im Laufe seines Lebens durch eine Netzhauterkrankung blind geworden. Die anderen Teilnehmer hatten schon seit ihrer Kindheit nur höchstens minimales Restsehvermögen.
Fahrten nach Gefühl
Die Fahrlehrer erklären jedem Teilnehmer individuell das Fahrzeug. Maren Hesse ertastet die Gangschaltung, die beim Elektroauto hinter dem Lenkrad ist. Gas- und Bremspedal findet sie von allein. Die Herausforderung: Sie kann nur schemenhaft erkennen, wo der Asphalt endet und welche Kurve das Auto gerade nimmt. Deshalb sagt der Fahrlehrer die Richtung an oder greift auch mal kurz zum Lenkrad.
120 km/h Beschleunigungskraft in jeder Pore
Für viele ist es das erste Mal
Im Gegensatz dazu kann Maren die starke Beschleunigung auf 120 km/h in jeder Pore ihres Körpers spüren. Am Ende ist die 35-Jährige überglücklich und kann fast gar nicht mehr aufhören: "Wir können zwar nicht im Alltag Autofahren, aber so etwas wie hier gibt uns die Möglichkeit das einmal selbst zu erleben und das ist wirklich toll."
"Ich möchte nochmal fahren." Maren Hesse
Der Verein Motorflug Telgte hat auf die Aktion dann noch eine Attraktion oben draufgelegt: So konnten die Sehbehinderten in einer Propellermaschine auch einen Rundflug über Münster machen.
Unsere Quellen:
- Blinden- und Sehbehindertenverein Westfalen
- Reporter im Gespräch mit Maren Hesse
- Verein Motoflug Telgte