Verschärfte Grenzkontrollen: Ärger über Urlauber auf Schleichwegen
Aktuelle Stunde . 09.06.2025. 03:12 Min.. UT. Verfügbar bis 09.06.2027. WDR. Von Marius-Antonius Brüning.
Verschärfte Grenzkontrollen: Ärger über Urlauber auf Schleichwegen
Stand:
An der Grenze bei Emmerich weichen viele Urlaubsrückkehrer auf kleinere Straßen aus. Anwohner sind froh über Straßensperren. Ein Besuch vor Ort.
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Jetzt mitdiskutierenUnzählige Autos aus Köln, Münster, Bielefeld, dem Hochsauerlandkreis, aber auch weit darüber hinaus schieben sich am Montagvormittag durch die schmalen Straßen von Beek, einer kleinen Gemeinde direkt hinter der niederländischen Grenze bei Emmerich. An verengten Stellen muss eine Richtung länger warten, bis es weitergeht.
Marko Kelderman staunt nicht mal mehr sonderlich, er wohnt direkt am Schleichweg der vielen Urlauber und steht in seiner Einfahrt, aus der er an diesem Tag wohl nicht mehr so leicht herauskommt: "Nein, das geht nicht. Es ist alles voll, die Urlauber fahren hier durch, dann will man zur Arbeit oder sonst wohin, aber es geht nicht."
Anwohner: "So was hab ich noch nie mitgemacht"
Eine Stunde später, gegen 12 Uhr am Mittag. Am großen Kreisel in der Ortsmitte ziehen Männer in gelben Neonanzügen Absperrungen auf die Straße, jetzt fährt auch Ordnungspersonal vor. Kein deutsches Auto kommt jetzt mehr durch die enge Wohngebietsstraße.
Paulus Hermsen schaut aus seinem Vorgarten sichtlich erleichtert auf die Sperre und die Verkehrslotsen, die die Urlaubsrückkehrer nun weiter auf die Bundesstraße Richtung Emmerich schicken. "Die Deutschen kamen mit Caravans, mit Booten, und allem. Es war schrecklich, so was hab ich noch nie mitgemacht", erzählt er, der seit 40 Jahren in seinem Haus in Beek wohnt.
Ohne Personal werden Sperren oft ignoriert
An der Absperrung schaut Erdit Ftaq zu, wie die Verkehrslotsen am Kreisel die Autokolonnen anweisen. Er arbeitet für das Ordnungsamt der Gemeinde Montferland, zu der Beek gehört, trägt eine dunkle Uniform und darüber eine neongelbe Weste: "Es gibt seit den Sperren eigentlich kaum Beschwerden von den Autofahrern. Die tun, was wir sagen, alles gut."
Das hat Anwohnerin Heike Egging, die auf der anderen Straßenseite das Treiben beobachtet, aber schon anders erlebt: "Wenn kein Personal an den Sperren steht, werden die von vielen auch ignoriert", stellt sie fest.
Egging betreibt ein Pferdegestüt zwischen Beek und Emmerich-Elten und hat das Verkehrschaos der vergangenen Wochen miterlebt: "Das hier ist ein kleines Dörfchen, es sind kleine, verkehrsberuhigte Straßen. Da kann nicht der ganze Rückreiseverkehr von Holland, der an der Nordsee war, durchkommen", sagt Egging besorgt, bevor sie auf ihrem Fahrrad weiterfährt.
Ausweichen wegen Kontrollen für Polizei nicht nachvollziehbar
Stefan Sparberg von der Kreispolizei in Kleve ist währenddessen mit seinem Streifenwagen im Grenzgebiet unterwegs, um die Verkehrslage zu beobachten. Er hält an der Durchfahrtssperre vor dem Ortseingang von Beek. Bisher keine größeren Verkehrsstörungen, hat ihm die Leitstelle gerade durchgegeben.
Dafür schieben sich nach seiner Beobachtung nun mehr Urlauber durch die Emmericher Ortsteil Elten, direkt auf der anderen Seite der Autobahn. Für ihn ist das Ausweichen wegen der verschärften Grenzkontrollen auf der Autobahn nur begrenzt nachvollziehbar: "Früher hat man sich da einfach reingestellt, heute hat man Navigeräte und guckt, dass man ausweichen kann. Ob das so viel Sinn macht, ist die große Frage."
Bundespolizei: Viel positive Resonanz
Ortswechsel: die Raststätte Knauheide an der A3 bei Emmerich. Hier lotst die Bundespolizei den gesamten Verkehr über eine Spur auf dem Rastplatz, bevor es weiter auf die deutsche Seite nach NRW geht. Mehrere Beamte stehen unter einem weißen Zelt und beobachten die vorbeifahrenden Autos. Vereinzelt halten sie Fahrzeuge zur Sichtkontrolle an, ansonsten geht es recht flüssig im Schritttempo voran.
Viele Autofahrer bedanken sich für die strengeren Kontrollen, erzählt einer der Beamten. Dazu gehören Susanne und Matthias Bertram vermutlich nicht. Sie haben auf dem Rastplatz angehalten, der Hund braucht ein wenig Auslauf. An ihrem grauen Auto hängt ein großes weißes Wohnmobil, es geht nach Hause nach Essen.
Begeistert sind sie von den Kontrollen nicht: "War jetzt ein wenig anstrengend. Eine halbe Stunde Verzögerung, weil die Autobahn gesperrt ist für eine Kontrolle", sagt Susanne Bertram ein wenig genervt. "Was will man machen, muss wohl sein", ergänzt ihr Mann Matthias leise murmelnd.
"Gut, dass man heutzutage noch Polizeikontrollen macht"
Ein Fahndungstreffer und eine erfolgreiche Zurückweisung in die Niederlande – das ist die Bilanz der Bundespolizei bis zum Montagnachmittag an der Emmericher Kontrollstation. Kurz nach dem Ehepaar Bertram hält Lars Weßling aus Geseke direkt vor dem Eingang der Raststätte.
Eine Woche Zelturlaub in den Niederlanden mit der Frau liegt hinter ihm, er begrüßt die Kontrollen, trotz Wartezeit: "Wir haben jetzt ne halbe Stunde dort gestanden. Haben gewartet, dass wir endlich weiterfahren konnten, wussten nicht, was los ist, dachten erst 'ne Baustelle. Aber ich finds gut, dass man in der heutigen Zeit noch Polizeikontrollen macht."
Kreispolizei sieht normale Verkehrslage
Für Stefan Sparberg von der Kreispolizei Kleve geht seine Beobachtungstour im Grenzgebiet langsam zu Ende. Er wirkt entspannt - ein paar Rückstaus auf den Ausweichrouten, aber kein großes Verkehrschaos: „Wir werden es weiterhin im Auge behalten, ob es da Probleme gibt. In der Regel werden wir aber keine Maßnahmen treffen, weil das ist ganz normales Verkehrsverhalten. Dass es da auch schon mal zu Staus kommen kann, ist klar.“
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
- Erdit Ftaq, Ordnungsamt Montferland
- Anwohner in Beek
- Bundespolizei NRW
- Urlaubsrückkehrer auf dem Rastplatz Knauheide

13 Kommentare
Kommentar 13: Johannes schreibt am 11.06.2025, 13:07 Uhr :
Es freut mich das die Deutsche Urlauber jetzt auch mal damit zu tun haben und es den ärgert. Als Niederländer in Deutschland fahren wir öfter über die Grenze zu Familienbesuch und die kontrollen nerven halt. Vor allem da ich schon 20 grenzübergange ohne kontrolle kennen also wenn ich was illegales machen möchte wurde ich denen nehmen. Was die Sperrungen in Beek angeht im Niederlandische Nachrichten wurde gezeigt wie die Deutscher durch Garten gefahren sind um die zu umfahren da bedauere ich es das die Niederländische Polizei nicht vor Ort war um den Fuhrerschein abzunehmen und die anmeldung für den Psychologische untersuchung durchzufuhren. Mit 2 totliche unfälle in den Ruckstau seit kontrollbegin verstehe ich nicht das die Deutsche Polizie froh ist über die Kontrollen, das Leben von Niederländer ist wohl wenig wert als das zuruckweisen von jemanden der ohne pass tanken wollte (90 % der zuruckweisungen). EU halt, schauen wo es hingeht.
Kommentar 12: Lou schreibt am 11.06.2025, 11:13 Uhr :
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Kommentar 11: Rob schreibt am 11.06.2025, 07:46 Uhr :
Man könnte sagen, das ist eine logische Konsequenz der Wahlen. Wer sein Kreuz bei bestimmten Parteien wie der AfD und der meiner meinung immer mehr annährenden CDU setzt, muss mit den Ergebnissen leben. Das gilt auch für die Debatten um Mehrarbeit und einen späteren Renteneintritt. Bevor man jemanden wie Merz wählt, sollte man genau wissen, wofür er steht. Interessanterweise ist Urlaub in Ostdeutschland weiterhin eine beliebte Option und kommt ohne zusätzliche Grenzen aus. Was wollt ihr in Ausland vor dem ihr euch mit euren Wahlkreuz so abschottet, dass hättet ihr beim Wahlkreuz vorher bedenken können xD
Antwort von Isa , geschrieben am 11.06.2025, 17:27 Uhr :
Da wäre ich voll für: alles die ihr Kreuz bei CDU oder Afd gemacht haben, dürfen sich nur noch in der BRD aufhalten. Dann komm ich noch lieber in die Nuedrlande :-)
Kommentar 10: Hildegard Lieven schreibt am 10.06.2025, 20:48 Uhr :
Wir fuhren vom Urlaub aus Niederlande nach Deutschland, 10km Stau vor der Grenze Elten. Die Fahrzeuge wurden Einspurig am Grenzübergang vorbei geleitet. Polizisten waren genügend da, es wurde aber nicht kontrolliert, sie standen bestimmt 20m vom Grenzübergang entfernt, das nenne ich richtige Schikane.
Kommentar 9: Reisender schreibt am 10.06.2025, 20:23 Uhr :
In Venlo A 61 steht nicht mal eine kontrollstelle geschweige denn Bundespolizisten. Wie hoch sind in dem vergangenen Monaten die neuanträge?
Kommentar 8: Yvonne Flechsig schreibt am 10.06.2025, 18:51 Uhr :
Mit vehementem Geschrei wurde und wird der Regierung vorgeworfen, nicht genügend Grenzkontrollen durchzuführen, um illegaler Einwanderung Einhalt zu gebieten. Und sich dann aber gleichzeitig über genau diese Kontrollen zu beschweren??? Unter anderem wegen dieses Themas hat die AfD enormen Zulauf. Wasch mich, aber mach mich nicht nass!!! Mich würde mal interessieren, wie viele AfD-Wähler sich unter der maulenden Kontroll-Meute befunden haben…🙄 Ich finde die Kontrollen gut und sinnvoll.
Antwort von Achim , geschrieben am 11.06.2025, 09:19 Uhr :
Es wsr doch nicht dia AfD aber die korrupte Merkel-Bande die uns so weit Gebracht hat, dass nach zig jahrem wieder die Konzrollen gibt
Kommentar 7: NL Pendler schreibt am 10.06.2025, 18:35 Uhr :
Ich muss diesen Schwachsinn jetzt schon eine ganze Zeit ertragen und Versuche auch wie viele es über Landstraßen zu umfahren. Kostet mich mind. Zweimal in der Woche gut 45min extra plus die ganzen anderen Baustellen auf der A3 wo teils noch nicht mal gearbeitet wird. An der Landstraße steht dann keiner, ist es dann Sinnvoll? Sorry das geht für mich gegen den Europäischen Gedanken und stichelt doch nur an. Vor allem die Grenzen nach Benelux ist doch Blödsinn. Zum Osten und Süden die Wege der Flüchtlingsrouten okay. Macht doch einfach die EU als gesamtes unattraktiv für Sozialschmarotzer und lässt nur noch Menschen die Chance mit denen man was anfangen kann.... Wir hetzen doch aktuell nur gegeneinander auf ist das sinnvoll?
Kommentar 6: Christoph schreibt am 10.06.2025, 18:15 Uhr :
Rechtswidrige Kontrollen und Verschwendung von Steuergeldern für rechte Symbolpolitik. Armes Deutschland
Kommentar 5: Pendler schreibt am 10.06.2025, 18:06 Uhr :
Ich stecke regelmäßig bei Aachen auf der A4 in diesem Affentheater. Ich MUSS zur Arbeit und nach Hause, das ist kein Luxus. NRW ist sowieso Stauland Nr.1, und dieser Schwachsinn ist wie eine Großbaustelle obendrauf, ohne das es was bringt - die Schleuser fahren drumherum. Blinder Aktionismus von Minister Doofrind aus Angst vor der Afd, und die arbeitende Bevölkerung zahlt die Zeche.
Kommentar 4: Tom schreibt am 10.06.2025, 15:30 Uhr :
Da die Kontrollen ja nur auf den Autobahnen statt finden, ist mehr als offensichtlich dass hier nur Symbolpolitik betrieben wird. Nebenbei wiedersprechen diese jeder Europäischen Idee der Gemeinschaft und belasten vor allem Pendler.
Kommentar 3: Martin Schraiber schreibt am 10.06.2025, 14:49 Uhr :
Finden das die Holländer nicht selbst schizophren, ausgerechnet Touristen, die eine Menge Geld mitbringen und dort lassen, zu schikanieren? Vielmehr wundert mich allerdings, wie es die Länder um Deutschland herum immer wieder schaffen, Regeln NUR GEGEN DEUTSCHE zu erlassen und durchzusetzen, aber Deutschland durfte keine Maut nur gegen Durchreisende erlassen. Meine Befürchtung: Wir Deutsche sind einfach zu dämlich!
Antwort von Achterhoeker72 , geschrieben am 10.06.2025, 18:27 Uhr :
Ten eerste: Ons land heet Nederland, niet "Holland". Ten tweede: Wie valt wie lastig? Er zijn genoeg nationale snelwegen die naar Duitsland leiden; niemand wordt gedwongen zich door zo'n kleine gemeenschap te worstelen waar de maximumsnelheid 30 km/u is. Of denk je dat Duitsers zoals jij nog steeds bezetters in ons land zijn? Ten derde: Niemand dwingt je om in ons land op vakantie te gaan; we doen het liever zonder mensen zoals jij met je heerszuchtige mentaliteit.
Antwort von Anonym , geschrieben am 11.06.2025, 07:29 Uhr :
Ich glaube sie haben da etwas falsch verstanden, es sind ja nicht die Niederlande die Kontrollieren, es sind die affigen Deutschen. Also erstmal Hirn einschalten bevor solche sinnlosen Kommentare verfasst werden. Und es bleibt bei hirnlosem Aktionismus, denn die illegale Einwanderung wird so nicht verhindert, sondern es verlagert sich auf die Umgehungen.
Antwort von Rob , geschrieben am 11.06.2025, 08:08 Uhr :
Es ist schon ironisch: Weil wir "Deutschen" (und ich möchte mich hier ausdrücklich von bestimmten Ansichten distanzieren) aufgrund der vermeintlichen Schwächen der EU Grenzkontrollen befürworten, geben wir im Gegenzug unsere eigene Freizügigkeit hakt auch auf, die wir anderen scheinbar nicht gönnen. Und die Behauptung, dass die Niederländer benötigen unsere Urlauber, ist schlichtweg falsch, denen geht es besser als uns. Das diese ihre Städte und Gemeinden schützen wollen ist ihr Recht so wie wir die Grenzen dicht machen!