Nach einer Mini-Verschnaufpause über die Feiertage hat der Verein in Rheine jetzt wieder eine Menge zu koordinieren. Ukrainische Ehrenamtliche des Blau-Gelben Kreuzes haben Nachrichten aus Nikopol bekommen.
In Nikopol wurden unter anderem durch einen Drohnenangriff auf einen Bus mehrere Menschen getötet
Allein über Ostern wurden dort laut Behörden mindestens acht Menschen durch russische Drohnenangriffe getötet. Viele weitere seien verletzt worden. "Die Bevölkerung kommt kaum noch an Medikamente heran. Dort werden bald die letzten Apotheken schließen", schreibt Peter Siefen in einem Spendenaufruf auf Social Media.
Sammelaktion für Verbandsmaterial und Medikamente
In den nächsten Tagen will das Team rund um Siefen möglichst viele Paletten voll mit Hilfsgütern packen. In einem Lager auf einem Hof im Stadtteil Schotthock können Spenden am Freitag (10. April) auch persönlich abgegeben werden. Gebraucht werden vor allem Medikamente und Verbandsmaterial.
Der Verein hat diese Woche schon erste Spenden entgegengenommen.
Wichtig ist, dass Schmerzmittel, Blutdrucksenker und Co. ungeöffnet und nicht abgelaufen sind. Bei Verbandsmaterialien ist die Hauptsache, dass diese noch verschlossen sind. Gebraucht werden außerdem Krücken, Bandagen und Rollatoren - eben alles, was für die medizinische Versorgung nötig ist.
Jeden Monat organisiere das Blau-Gelbe Kreuz einen Hilfskonvoi für die Ukraine, sagt Siefen. Der kommende sei nun besonders dringend, weil sich die Stadt Nikopol in unmittelbarer Nähe der Front befindet und regelmäßig unter Beschuss steht.
Kritik am Engagement: "Die Tonart hat sich verschärft"
Die Bereitschaft der Menschen aus Rheine und anderen Kommunen im Kreis Steinfurt zu helfen, ist laut Siefen nach wie vor groß. Allerdings bekäme er ab und zu Anrufe, in denen die Sammelaktionen des Vereins kritisiert werden: "Die Tonart hat sich verschärft und das Unverständnis ist größer geworden."
Unter dem aktuellen Social Media-Post sind ebenfalls Kommentare zu lesen, die das Engagement infragestellen. Angesichts der hohen Sprit- und Ölpreise stünde auch hier in Deutschland eine Knappheit an Medikamenten bevor, schreibt beispielsweise eine Frau.
Sammelaktionen laut Apothekerkammer kein Faktor
Die Apothekerkammer Westfalen-Lippe bestätigt zwar, dass es bei vielen Medikamenten Lieferengpässe gibt, diese bestünden aber schon seit Jahren. Sammelaktionen seien da kein Faktor.
"Das hat mit der aktuellen Krisenlage überhaupt nichts zu tun", so der Sprecher Sebastian Sokolowski. Grund für knappe Medikamente sei in erster Linie der hohe Kostendruck im Gesundheitswesen, ausgelöst etwa durch auslaufende Patente.
Unsere Quellen:
- Spendenaufruf des Blau-Gelben Kreuzes Rheine auf Facebook
- Gespräch mit Peter Siefen, Blau-Gelbes Kreuzes Rheine
- Gespräch mit Sebastian Sokolowski, Apothekerkammer Westfalen-Lippe
- Nachrichtenagenturen dpa, AFP
Sendung: WDR.de, Medikamente knapp in der Ukraine: Verein aus Rheine will helfen, 08.04.2026, 06:03 Uhr
