Mallorca leidet unter den Tourismusmassen
Aktuelle Stunde . 07.07.2025. 27:52 Min.. UT. Verfügbar bis 07.07.2027. WDR. Von Alexander Klein.
"Deutsche raus" oder "Ausländische Käufer, fahrt zur Hölle" stand in roter Farbe an Dutzenden Geschäften deutscher Inhaber sowie an Autos mit ausländischem Kennzeichen. Zunächst hatte die "Mallorca Zeitung" darüber berichtet, dann bestätigte die Ortspolizei der Deutschen Presse-Agentur die Vorfälle.
Die Cala Santanyi ist überfüllt.
Santanyi liegt an der Südostküste der Urlaubsinsel und gilt als Deutschen-Hotspot. Viele Zweithaus-Besitzer haben eine Immobilie dort. Einige Geschäfte werden von Deutschen geleitet. An diesen sind auch die Schmierereien aufgetaucht. Zudem wurden Sticker mit Aufschrift "Deutsche raus" an Autos mit deutschem Kennzeichen geklebt.
Einer der Betroffenen schätzte die Anzahl an beschmierten Lokalen auf 20 bis 30, schreibt die "Mallorca Zeitung". "Es ist erschreckend, nach 34 Jahren auf der Insel, in denen ich Steuern zahle und aktuell neun Angestellte beschäftige, so eine Welle des Hasses zu spüren", wird der Mann zitiert.
Aggressive Stimmung gegen Urlauber
In den vergangenen Monaten und Jahren ist eine aggressive Stimmung gegen Urlauber und ausländische Immobilienbesitzer auf Mallorca aufgekommen. Tausende Demonstranten ziehen bei regelmäßigen Kundgebungen gegen Wohnungsnot auf die Straßen und attackieren dabei mitunter auch Touristen.
Behörden und Veranstalter distanzieren sich von den Angreifern, bei denen es sich um eine Minderheit handeln soll. "Wer Gäste drangsaliert, verliert jede Glaubwürdigkeit", betonte etwa der Hoteliersverband Fehm.
"Die Zahl derer, die sich gegen den Tourismus stellen, ist noch deutlich geringer. Die meisten leben hier vom Tourismus und befürworten ihn auch. Aber die Stimmung verändert sich langsam", sagt WDR-Reporter Michael Wrobel.
Mallorquiner fordern Maßnahmen
Viele Mallorquiner fordern von der Politik, endlich Maßnahmen zu ergreifen, beispielsweise für bezahlbaren Wohnraum oder auch endlich die Verkehrsprobleme in den Griff zu kriegen. "Sollte das nicht langsam passieren, dann drohen hier tatsächlich die Kritiker die Überhand zu erhalten", sagt Michael Wrobel.
Bereits im vergangenen Jahr hatte es große Proteste auf Mallorca gegeben. Seitdem sei nichts geschehen, klagt Jaume Pujol, Sprecher der Initiative "Menys turisme, més vida" ("Weniger Tourismus, mehr Leben"). Man sei von der Regional-Regierung komplett ignoriert worden.
Besucherzahlen wachsen weiter
Die Zahl der Touristen wächst von Jahr zu Jahr. Es wird erwartet, dass die Balearen mit Mallorca, Ibiza und Co. dieses Jahr erstmals die Marke von 20 Millionen Besuchern knacken. Vergangenes Jahr waren es 19 Millionen - eine Million beziehungsweise fünf Prozent mehr als 2023.
Allein Mallorca, das nicht einmal eine Million Einwohner hat, empfing im vorigen Jahr 13,5 Millionen Touristen - auf einen Einheimischen kommen also 13,5 Touristen.
Mallorca beliebtes Reiseziel
Die Zahl der Besucher aus Deutschland kletterte 2024 auf den Balearen um neun Prozent auf die Höchstmarke von etwa fünf Millionen. Wenn im Juli in NRW die Sommerferien beginnen, steht auf vielen Tickets wieder Mallorca. Die Insel ist ein beliebtes Reiseziel.
In den Sommermonaten Juni, Juli und August des Jahres 2024 reisten fast 5,9 Millionen Passagiere von den Flughäfen in NRW ins Ausland. Laut Landesbetrieb IT.NRW waren Spanien mit rund 1,3 Millionen und die Türkei mit 1,25 Millionen Passagieren die häufigsten Flugziele.
Auch 2025 werden hohe Urlauberzahlen in Spanien erwartet. Laut Flughafen Düsseldorf werden aktuell täglich zwischen 13 und 16 Flüge nach Mallorca angeboten. In den Sommerferien seien an Spitzentagen bis zu 18 Verbindungen geplant.
Vom Flughafen Köln/Bonn heißt es, dass es im Sommerflugplan 2025 im Schnitt 12 Verbindungen nach Mallorca geben werde. Maximal fänden 15 Starts am Tag statt.
22,4 Milliarden Euro ließen die Touristen aus dem Aus- und Inland 2024 auf den Inseln - etwa zwölf Prozent mehr als 2023. Auf Mallorca hat der Tourismus einen Anteil von über 40 Prozent am Gesamteinkommen. Die Branche freut sich, aber unter den Einheimischen wächst der Unmut. Ihr Leben wird immer teurer. Durch den Tourismus steigen auch die Preise für ihre Häuser und Wohnungen.
Proteste auch in anderen Städten
Proteste gegen Massentourismus gab es zuletzt nicht nur auf Mallorca, sondern auch in anderen spanischen Städten, unter anderem in Barcelona. Dort nahmen aber nach Polizeischätzung nur etwa 600 Menschen teil. Die Demonstrierenden zogen in der katalanischen Hauptstadt unter anderem mit Wasserpistolen durch die Straßen.
Zimmerputzen für 1 Euro
Die Spanien-Korrespondentin Julia Macher war bei dieser Demo vor Ort. Sie berichtet von einer Putzfrau, die darüber klagt, für 1 Euro ein Zimmer putzen zu müssen und sagt: "Wir wollen nicht mehr nur mit 800 Euro im Monat abgespeist werden, wenn allein die Monatsmiete mehr als 1.000 Euro kostet."
Barcelona zum Beispiel wolle bis Ende 2028 das Vermieten von Privatwohnungen auf Plattformen wie Airbnb ganz verbieten, berichtet Macher. Doch den Protestierenden gehe das nicht weit genug, sie forderten einen Umbau des Wirtschaftssystems und werfen der Verwaltung Heuchelei vor.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter Michael Wrobel
- Nachrichtenagentur dpa
- Spanien-Korrespondentin Julia Macher