Kita-Schließung in Köln bringt Eltern in Not

03:20 Min. Verfügbar bis 23.06.2028

30 Tage ohne Betreuung Kita-Schließung in Köln lässt Eltern verzweifeln

Stand:

Die Kita Anisweg in Köln-Merheim ist im laufenden Kita-Jahr bereits mehr als 30 Tage ausgefallen.

Wenn morgens das Telefon klingelt, werden die Eltern der Kita-Kinder Anisweg unruhig. Denn es könnte die Kita sein mit der Nachricht: Heute geschlossen! Mehr als 30 Mal ist das im laufenden Kita-Jahr schon vorgekommen.

"Seit anderthalb Jahren ist es wirklich ganz extrem, die Kita fällt nur noch aus." Nicole Pöschl

Dann muss die Alleinerziehende zu Hause bleiben oder versuchen, ihre Tochter bei Verwandten oder Freunden für den Tag unterzubringen. "Ich habe dadurch letztes Jahr meinen Job verloren, weil es einfach in der Woche manchmal bis zu dreimal Schließungen gibt. Das erfährt man erst morgens um halb acht. Und dann ist es natürlich nicht möglich, pünktlich zur Arbeit zu kommen."

Anfangs hat ihr Chef noch ein Auge zugedrückt, aber dann wurde es ihm zu viel, der Job war weg.

30 Tage ohne Kita

Nicole Pöschl hat wegen des Kita-Chaos ihren Job verloren

Kita in Merheim: Eltern beschweren sich bei Stadt Köln

Auch Christian Hettkamps Tochter geht in die Kita Anisweg. Er und seine Frau arbeiten in Teilzeit und können einspringen, wenn die Tagesstätte geschlossen hat. Hinnehmen will er die vielen Ausfälle aber nicht. Deswegen hat er sich an die Stadt Köln gewandt. Die Auskunft war ernüchternd. Man könne nichts machen, in anderen Kitas sei es genauso schlimm.

Auf Anfrage des WDR schreibt die Stadt dazu: "Insgesamt ist eine Vielzahl an Stellen in städtischen Kitas unbesetzt. […] Eine Aufstockung kann daher nicht unmittelbar erfolgen, da viele weitere Häuser auf zusätzliches Personal hoffen, um ihre Personalsituation zu verbessern."

Auch Miriam Mert hat auf die vielen Schließungen reagiert - und verzichtet auf Gehalt, um ihr Kind betreuen zu können.

"Ich habe mich unentgeltlich beurlauben lassen, bis Schuleintritt meines Sohnes, durch den Personalmangel. Man möchte auch den Konflikten oder dem Ärger mit dem Chef ausweichen. Und ich habe nur diese Option gesehen. Bevor ich am Ende komplett den Job verliere, gehe ich halt lieber diesen Weg." Miriam Mert

Laut Eltern sind Kräfte der Kita "dauerkrank" - mit ein Grund für die häufige Schließung.

Stadt Köln sieht keine Möglichkeit, Personal zu beschaffen

Die Stadt sieht aber keine Möglichkeit, diese Situation zu ändern. Etwa indem sie Personal aus anderen Kitas als Vertretung holt oder mehr Kräfte einstellt. Außerdem gebe es einen Notfallbetreuungskonzept. Das ist den Eltern aber nicht bekannt. "Ich sitze mit meiner Frau im Elternbeirat, da sollte man das eigentlich wissen, was da der Notfallplan im Detail ist", sagt Christian Hettkamp. "Das funktioniert halt schlichtweg nicht."

Kölner Kita: Eltern denken über Wechsel nach

Die Eltern haben schon überlegt, die Kita zu wechseln. Sie möchten ihren Kindern aber ersparen, ihre Kita-Freunde nicht mehr zu sehen und sich wieder neu eingewöhnen zu müssen. "Mein Sohn hat jetzt das letzte Jahr vor Schulantritt. Weil er schon länger in der Kita ist, hat er da seine Freunde. Und ich denke mir, dann sitzt du das letzte Jahr halt noch aus", sagt Miriam Mert.

Zwar haben die Kinder einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz. Offenbar ist aber nicht ausreichend geregelt, wie Schließungen aufgefangen werden können.

Unsere Quellen:

  • Stadt Köln
  • WDR-Gespräch mit Miriam Mert
  • WDR-Gespräch mit Nicole Pöschl
  • WDR-Gespräch mit Christian Hettkamp

Sendung: WDR.de, Kita-Schließung in Köln bringt Eltern in Not, 23.06.2025, 05:00 Uhr

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