Ein Mann ruft im Fühlinger See um Hilfe. Er kann seinen Freund nicht mehr finden, mit dem er schwimmen gegangen war. Schnell kommt ein Boot der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Ein Taucher der Feuerwehr geht vom Ufer aus ins Wasser an die Stelle, wo der Vermisste das letzte Mal gesehen wurde. Nach wenigen Minuten bringt er den regungslosen Mann an Land, wo Rettungskräfte schon mit einer Bare auf ihn warten, um ihn mit einer Herzmassage wieder zu beleben.
Was wäre passiert, wenn niemand eingegriffen hätte? Sophie Schwierske
Sophie Schwierske schaut zu. Denn das Ganze handelt sich um eine Übung. Die beiden Männer sind eigentlich von der Feuerwehr Köln. Die 15-Jährige aber hat so eine ähnliche Situation selbst schon erlebt. Vor vier Jahren ist die damals 11-Jährige mit ihrer Familie auch am Fühlinger See schwimmen. Mit ihrer jüngeren Schwester sitzt sie auf einem Gummitier und bemerkt plötzlich einen kleinen Jungen regungslos im Wasser treiben.
"Und dann hab ich ihn angesprochen und dabei am Arm berührt und da hat er nicht reagiert", erzählt die Schülerin sichtlich gerührt: "Ich hab ihn dann direkt Richtung Ufer gezogen." An Land sucht das Mädchen sofort Hilfe unter den erwachsenen Badegästen und ruft die 112 an. Innerhalb weniger Minuten sind die Rettungskräfte vor Ort und können den Jungen retten. Ihm geht es heute gut. "Das beschäftigt mich bis heute", sagt Sophie Schwierske. "Was wäre passiert, wenn niemand eingegriffen hätte?"
Menschen suchen nach günstigeren Bade-Alternativen
Laut DLRG steigt von Jahr zu Jahr die Anzahl der tödlichen Badeunfälle. Alleine im vergangenen Jahr sind über 400 Personen in deutschen Gewässern ertrunken. Das sind 31 Todesfälle mehr als im Jahr zuvor.
"Das größte Problem, warum wir einen immer höheren Zulauf haben an Seen und Flüssen, sind die regelmäßige Schließung von Schwimmbädern und der steigende Preis für einen Schwimmbad-Besuch", sagt Kian Shahbodaghi vom DLRG: "Und dann gehen viele ans Wasser, was vor der Tür ist und das ist dann meistens ein unbewachter See oder der Rhein."
"Wir sind auf Ersthelferinnen und Ersthelfer vor Ort angewiesen!"
Rettungskräfte sollen bei Badeunfällen nach spätestens acht Minuten da sein. Aber diese ersten Minuten sind entscheidend, denn ist ein Mensch länger als sechs Minuten unter Wasser, kann die Person schwere neurologische Schäden erleiden, die ein Leben lang bleiben. "Deshalb sind Rettungskräfte auf Ersthelferinnen und Ersthelfer vor Ort angewiesen", sagt Ulrich Laschet von der Berufsfeuerwehr Köln.
Eigene Gefahr nicht unterschätzen
Sie sollen den Notruf absetzen und gegebenenfalls eine Herzmassage geben können bis der Rettungsdienst eintrifft. Allerdings mahnt er auch, sich dabei nicht selbst in Gefahr zu bringen: "Man hat sich schnell überschätzt und glaubt fünf Meter in die Tiefe tauchen und einen Menschen mal eben so rausziehen zu können. Das ist aber eine sehr große Anstrengung und kann auch schief gehen."
Deshalb sei es besser, am Ufer zu warten, sich die Stelle zu merken, wo die Person untergegangen ist und sie den Einsatzkräften mitzuteilen. "Sollte eine Person trotzdem irgendwie gefunden und rausgezogen worden sein, ist es wichtig, vorher den Notruf abzusetzen und dann erst die Erste Hilfe zu leisten."
Meine Mutter hat mir früh beigebracht, auch auf andere mit aufzupassen. Sophie Schwierske
Ihr aufmerksames Handeln verdankt Sophie Schwierske ihrer Mutter: "Wenn jemand nach Hilfe ruft, soll man auch darauf eingehen und nicht nur zuschauen." Diese Einstellung ist besonders bei Kindern wichtig.
Sie rufen meistens nicht nach Hilfe, sondern gehen in wenigen Sekunden unter. Deshalb appellieren alle Einsatzkräfte heute, dass Eltern ihre Kinder nicht eine Sekunde im Wasser aus den Augen lassen. Auch, wenn es einen Bademeister gibt: Die Aufsichtspflicht bleibt immer bei den Eltern.
Quellen:
- Beobachtungen und Gespräche der WDR-Reporterin vor Ort
- DLRG
- Feuerwehr Köln
- Sophie Schwierske
Über dieses Thema berichtet der WDR am 25.06.2025 auch im Fernsehen in der WDR Lokalzeit aus Köln um 19.30 Uhr.