Über 80 Jahre lang hatten sich Wolfgang Polak und Eva Weyl aus den Augen verloren. Wenn sie jetzt in die Aula der Gesamtschule Buer-Mitte in Gelsenkirchen kommen, strahlen sie. Und erzählen, was sie so tief berührt.
"Eine besondere Verbundenheit bleibt für immer", sagt Weyl. Die 90-jährige Jüdin lebt in Amsterdam. Mit dem Dortmunder Wolfgang Polak wird sie vor den Oberstufenschülern einen Vortrag über ihre Zeit im Lager Westerbork halten - acht Monate lang Alltag und Grauen zugleich.
Holocaust-Überlebende berichten vom Alltag im KZ
Da sind Transporte in den Tod, von denen sie und ihre Familien wie durch ein Wunder verschont bleiben. "Nachts holen die Aufseher Frauen aus unseren Baracken, die weinten laut", erinnert sich Weyl.
Drei Jahre bangen die Eltern um das Leben der Familie. Die Flucht von Deutschland nach Holland war eine Sackgasse. Auf dem Klassenfoto aus der Lagerschule sind Weyl und Polak zu sehen. Weyl identifiziert den heute 91-Jährigen nach einer zufälligen Begegnung in einem Dortmunder Café Mitte 2025.
Zufälliges Wiedersehen nach acht Jahrzehnten
"Ich kann ihnen gar nicht sagen, wie tief mich dieses Wiedersehen ergriffen hat", sagt Polak. Anders als Weyl beginnt der ehemalige Leiter der Jüdischen Gemeinde erst jetzt über die NS-Zeit öffentlich zu sprechen.
"Diese erneute Begegnung mit Eva hat mich zutiefst berührt." Wolfgang Polak, Holocaustüberlebender
"Ich habe darüber geredet - aber nur, wenn man mich gefragt hat", so der zurückhaltende Dortmunder. Der ehemalige Unternehmer ist erfolgreich auch als prominenter Förderer des Fußballvereins BVB.
Holocaust-Überlebende berichten in Schulen
Auf dem gemeinsamen Klassenfoto von 1942 im Lager hat Weyl auf dem Schoß des Klassenlehrers Platz genommen: "Später haben wir erfahren: Unser Lehrer wurde in Auschwitz ermordet."
Die Gelsenkirchener Schüler möchten wissen, wie Polak und andere Juden sich in Deutschland fühlen. "Vor allem die jungen Leute machen sich Sorgen", antwortet er. Ausgrenzung - das Gefühl kennen Weyl und Polak.
Jetzt wollen beide weiter in Schulen gehen und erzählen von ihrer Zeit als Kinder im Lager. Damit ist dieses Gefühl der tiefen Verbundenheit stärker als alle Anfeindungen.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Eva Weyl und Wolfgang Polak
- Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 21.05.2026, 19:30 Uhr