Bei dem schweren Unfall in Schwerte war am Sonntag ein E-Auto gegen einen Baum geprallt und hatte Feuer gefangen. Der Fahrer und zwei neunjährige Kinder wurden in den Flammen getötet. Erst wenige Tage zuvor war der Fahrer eines Tesla in seinem Auto verbrannt, nachdem er bei Celle mit einem anderen Auto kollidiert war.
Bei dem Unfall in Celle war der Brand, der sich in dem E-Auto entwickelt hatte, so stark, dass die Ersthelfer den Fahrer nicht retten konnten. Nach solchen Unglücken stellt sich die Frage, ob Elektroautos anfälliger für Feuer sind.
Gesamtverband der Versicherer: E-Autos brennen nicht häufiger
Die Statistik ist eindeutig: E-Autos brennen nicht häufiger als Verbrenner. Der Gesamtverband der Versicherer hat genau nachgezählt: 14.200 Autos sind in Deutschland 2023 in Brand geraten. Dabei sei kein grundsätzlich höheres Brandrisiko bei E-Autos festgestellt worden.
Im Gegenteil: "Elektrofahrzeuge brennen tendenziell weniger häufig als Verbrennerfahrzeuge," sagt Professor Roland Goertz von der Bergischen Universität Wuppertal. "Das bestätigt sich immer wieder". Er hat selbst langjährige Feuerwehr-Erfahrung und forscht zur Brandentwicklung von E-Autos.
E-Autos deutlich schwieriger zu löschen
Wenn die Batterie eines E-Autos allerdings doch einmal angefangen hat zu brennen, ist der Brand hartnäckig. "Auch, wenn man das Feuer erstmal aus hat, passiert häufiger eine Wiederentzündung", sagt Goertz. Deswegen steigt der Wasserbedarf enorm.
Zwischen 10.000 und 20.000 Liter Wasser sind laut Feuerwehr nötig, um die Batterie auf unter 62 Grad zu kühlen und das Auto vollständig zu löschen. Anschließend muss das Löschwasser umweltfreundlich entsorgt werden. Das E-Auto ist danach in der Regel ein Totalschaden.
Elektro-Fahrzeuge insgesamt sicher
Trotzdem heißt das nicht, dass E-Autos ingesamt gefährlich sind, betont Goertz. Viele Menschen seien skeptisch wegen der neuen Technik. Aber: Die Erstlöscharbeiten und das Retten von Personen laufe grundsätzlich sehr ähnlich ab. Erst das weitere Löschen sei dann deutlich aufwendiger.
Andere Techniken können helfen
Auch daran wird aber schon gearbeitet. Eine Technik, die seit Längerem erprobt wird, sind sogenannte "Löschlanzen". Sie werden in den Boden des E-Fahrzeugs gestoßen und sollen das Wasser so direkt an den Akku bringen.
Brand-Experte Goertz ist davon jedoch nicht vollends überzeugt: "Letztlich sind das Spezialtechniken, die sicher ihre Daseinsberechtigung haben. Aber für die Fläche ist das eigentlich nicht notwendig" - zumal die Lanzen im Akku auch ihre eigenen Risiken bergen würden.
Weltweit einzigartige Löschmethode aus NRW
Selbst Fahrzeuge, die nach einem Unfall nicht komplett zerstört sind, können nachträglich aufflammen. Ein Unternehmen aus dem Rhein-Sieg-Kreis hat dafür eine Löschbox entwickelt, die nach eigenen Angaben weltweit einzigartig ist. Nach einem Unfall wird das E-Auto in diese containerartige Löschbox gefahren und dort 72 Stunden unter Quarantäne gestellt.
Die Löschbox wird dazu luftdicht verschlossen. Sollte der Akku in dieser Zeit zu brennen anfangen, kann der komplette Sauerstoff der Box entzogen werden, um dem Feuer den Nährboden zu nehmen. Über 100 dieser Löschboxen sind laut Unternehmen deutschlandweit im Einsatz.
Unsere Quellen:
- Prof. Roland Goertz, Bergische Universität Wuppertal
- Feuerwehr Schwerte
- Kreispolizeibehörde Unna
- Unternehmen "Hergers Brandschutz"