Reporter Andreas Turnsek berichtet über das Toten-Hosen-Konzert im Ratinger Hof
Aktuelle Stunde . 12.09.2025. 21:04 Min.. UT. Verfügbar bis 12.09.2027. WDR.
Schon am späten Nachmittag versammeln sich die ersten vor dem Club. Einige tragen Shirts mit Totenköpfen oder Fortunatrikots. Anja und Susanne halten ein selbstgebasteltes Banner hoch.
Anja hat es noch schnell gemacht, als sie am Donnerstag von einem Toten-Hosen-Konzert in Amsterdam zurückkam. Darauf steht: „Die Toten Hosen geben ’ne Party – und wir komm’n nicht rein.“ „Wir waren in Amsterdam, Paris, London – jetzt stehen wir hier auf der Ratinger“, sagt die Mönchengladbacherin. Tickets? Fehlanzeige.
Fans unzufrieden über Verlauf der Ticketvergabe
Auch Campino steht den Fans kurz für Autogramme und Fotos zur Verfügung
Wie ihr ging es vielen. Die Tickets waren nach Ankündigung des Konzerts in Sekunden vergriffen. Später wurde klar: Bots hatten den Verkauf manipuliert. Eine zweite Runde sollte fairer laufen – per Telefon. Doch auch dort kamen viele nicht durch.
Christian hatte Glück: „Ich habe vor Freude geweint“, erzählt er. Zusammen mit seinem Freund versucht er nun, sich in den Club zu schleichen – mit gesenktem Haupt und schlechtem Gewissen. „Eigentlich hätten es alle hier verdient, reinzukommen.“ Doch mit rund 300 Plätzen ist der Raum begrenzt.
Oswaldo (links) und Emi aus Buenos Aires sind beim Toten-Hosen-Konzert im Ratinger Hof Gäste und dürfen rein.
Hinzu kommt, dass auch die Gästeliste gefüllt ist. Emi ist aus Buenos Aires angereist und erzählt stolz von früheren Konzerten – etwa 1996, als die Hosen beim Abschiedskonzert der Ramones auftraten. Seit den 90ern haben die Düsseldorfer dort Kultstatus. Heute darf Emi als Gast rein – und zieht neidische Blicke auf sich.
Alter Punkladen nicht wiederzuerkennen
Gegen 20 Uhr wird die Einlassschlange länger - und auch die Straße voller. Auch Konni steht draußen, das Hosen-Shirt unter dem Pullover versteckt. Mit verschränkten Armen schaut sie auf den Eingang. „Früher ging hier der Punk ab“, erinnert sie sich an die wilden 80er. 1982 war sie mit 14 schon hier feiern – und traf damals sogar die Band.
„Ich erinnere mich noch – die Hosen wohl eher nicht“, sagt sie lachend. Vom legendären Club sei wenig geblieben. Einst Keimzelle der Düsseldorfer Szene und Wohnzimmer der Band – nun ein Ort mit Geschichte. Früher konnten die Toten Hosen den Laden nicht füllen, heute reicht nicht mal die Straße vor dem Hof für die Fans aus.
Diese Tote-Hosen-Fans hatten keine Tickets. Draußen konnten sie dennoch dem Konzert folgen.
Anja übergibt das Banner kurz an einen Freund – „auf Dauer wird’s schwer“. Weggehen will sie nicht. Die Hoffnung bleibt: „Vielleicht spielen sie noch was. Wir sind textsicher!“ Dann Jubel: Helfer tragen Lautsprecher raus. Das Konzert wird nach draußen übertragen. Ab dem ersten Wort singt Anja laut mit.
Tote Hosen sprechen Fans draußen an
„Ihr da draußen wart bei der Europatour dabei, habt uns den Rücken gestärkt“, ruft Campino seinen Fans zu und stimmt das Lied Auswärtsspiel an. Die Menge grölt wie im Stadion mit. Freibier wird verteilt. Spätestens bei Liebeslied tanzen und pogen die Fans auf der Ratinger Straße. Und Susanne strahlt Anja an und sagt: „Hey, wir haben alles richtig gemacht.“ Weil sie trotzdem gekommen sind, obwohl sie keine Tickets hatten.
Eindrücke vom Konzert aus dem Ratinger Hof, gepostet vom Team der Band:
Unsere Quellen:
- Fans der Toten-Hosen vor dem Ratinger Hof
- Eindrücke der Reporterin vor Ort
- Instagram-Account der Band Die Toten Hosen
Über dieses Thema berichteten wir am 12. September 2025 auch im WDR Fernsehen: Lokalzeit aus Düsseldorf, 19.30 Uhr.