Politiker-Todesliste: Staatsschutz schon länger an Dortmunder dran

Lokalzeit aus Dortmund 13.11.2025 02:41 Min. Verfügbar bis 13.11.2027 WDR Von Christof Voigt

Politiker-Todesliste: Staatsschutz schon länger an Dortmunder dran

Stand:

In Dortmund wurde ein Mann festgenommen, der zu Anschlägen auf Politiker aufgerufen haben soll. Der Staatsschutz Dortmund hatte schon vor fast zwei Jahren angeregt, ihn als extremistischen Gefährder einzustufen. Es fehlte aber an Beweisen. Der Verdächtige soll Teil der Neonazi-Szene gewesen sein und der Reichsbürger-Szene nahestehen.

Obwohl er nicht als Gefährder eingestuft wurde, sei der 49-jährige Dortmunder beobachtet worden, sagte NRW-Innenmister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag: "Um es mal vorsichtig auszudrücken, haben wir ihn sehr engmaschig betreut." Der Beschuldigte war schon im Jahr 2019 im Visier der Polizei: erst wegen Sachbeschädigung. Später wurde er unter anderem wegen Volksverhetzung und Beleidigung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Am Montagabend wurde er festgenommen. Laut Haftbefehl soll der 49-Jährige Martin S. mindestens seit Juni 2025 im Darknet zu Anschlägen auf Politiker, Amtsträger und Personen des öffentlichen Lebens in Deutschland aufgerufen haben. Hierzu soll er anonym eine Plattform betrieben haben, auf der er zum Beispiel Namenslisten seiner Gegner veröffentlicht haben soll.

Verdächtiger war Teil der Dortmunder Neonazi-Szene

Bei Demos wie dieser 2018 in Dortmund soll Martin S. teilgenommen haben. | Bildquelle: David Young / dpa

Der Verdächtige soll viele Jahre lang der Dortmunder Neonazi-Szene angehört haben und an rechtsextremistischen Demos teilgenommen haben. Auch das war den Behörden bekannt. "Mindestens seit 2021 liegen gesicherte Informationen vor, dass der Beschuldigte in der Dortmunder Neonazi-Szene verkehrt," sagte Reul am Donnerstag. Martin S. besitzt laut Bundesanwaltschaft sowohl die deutsche, als auch die polnische Staatsangehörigkeit. Er ist Software-Entwickler und lebt mit seiner Familie in Dortmund.

Das Motiv für die Mordpläne an Politikern soll eine demokratiefeindliche Ideologie des Mannes sein. Er soll laut Bundesanwaltschaft auch der Reichsbürgerszene nahestehen. Das entsprechende Ermittlungsverfahren hat Generalbundesanwalt Jens Rommel an sich gezogen, weil er in diesem Plan eine strafbare Terrorismusfinanzierung sieht: ein Delikt, für das die Bundesanwaltschaft zuständig ist.

Martin S. soll zu Morden aufgerufen haben

Die Webseite, die auf Deutsch übersetzt in etwa "Politikerermordung" hieß, wurde nach Angaben aus Ermittlungskreisen inzwischen durch das Bundeskriminalamt abgeschaltet. Auch von ihm selbst ausgesprochene "Todesurteile" und Anleitungen zum Bau von Sprengsätzen soll er auf der Seite veröffentlicht haben.

Mann in Dortmund wegen Mordplänen gegen Politiker festgenommen

WDR Studios NRW 11.11.2025 00:21 Min. Verfügbar bis 11.11.2027 WDR Online

Spenden als "Kopfgeld" eingefordert

Laut Bundesanwaltschaft forderte er Spenden in Kryptowährung ein, die als "Kopfgeld" für die Tötung der Zielpersonen ausgelobt werden sollten. Die Plattform enthielt auch weitere Informationen mit personenbezogenen Daten potentieller Opfer. Auf der Liste der Zielpersonen befanden sich nach Informationen der ARD auch die früheren Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Angela Merkel (CDU) und andere hochrangige Politiker. Laut "Der Spiegel" sollen auch Richter und Staatsanwälte auf der Liste stehen.

"Ich verstehe es nicht" Cornelia, Nachbarin von Martin S.

Martin S. wohnt in einer kleinen Straße in der Dortmunder Nordstadt. Nachbarn, die mit denen der WDR am Dienstag gesprochen hat, waren erschrocken von der Festnahme. "Ich verstehe es nicht. Ich blicke nicht dahinter, wie man so sein kann", sagt zum Beispiel Anwohnerin Cornelia.

Martin S. sitzt im Moment in Untersuchungshaft.

Unsere Quellen:

  • Bundesanwaltschaft
  • Deutsche Presse-Agentur
  • Der Spiegel
  • NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU)