Insolvenz von Hellweg: Sanierungsexperten engagiert
WDR. 02:25 Min.. Verfügbar bis 17.06.2028.
In der Corona-Zeit war Heimwerken absolut in. Deutschland war im Renovier-Fieber, und die Baumärkte profitierten von hohen Umsätzen. Die Branche freute sich über Wachstumszahlen von 15 Prozent im Vergleich zum Jahr vor der Pandemie.
Der Boom war allerdings genauso schnell vorbei, wie er kam, sagt Barbara Wolkenhauer vom Handelsverband NRW- Westfalen-Münsterland: "Hellweg hat im Sortiment Gartenartikel, Bauartikel, Freizeitartikel, Dinge die während Corona stark nachgefragt waren, das ist inzwischen abgeflaut. Wir haben eine allgemeine Kaufzurückhaltung, die wir beobachten bei den Kunden. Das betrifft die gesamte Branche.“ Die Folge: Umsatzeinbrüche und Krise bei einigen Baumarktketten.
Insolvenzantrag in Eigenverantwortung
Hellweg in Dortmund ist das jüngste Opfer. Das Unternehmen musste schon im vergangenen Jahr acht Standorte schließen - darunter auch Filialen in Duisburg, Oberhausen und Bielefeld. Doch das hat nicht dazu geführt, dass Hellweg sich nachhaltig erholt hätte. Jetzt soll eine Insolvenz in Eigenverwaltung die Rettung bringen.
Das Verfahren ermöglicht es dem Betrieb, weiterhin die Kontrolle über die Finanzen zu behalten. Auch die Geschäftsleitung bleibt in der Hand des Unternehmens. Lediglich der gerichtlich bestellte Sachwalter begleitet als extrener Betreuer die Insolvenz.
Barbara Wolkenhauer sieht in dem Verfahren eine Möglich um das Unternehmen den Betrieb: „Man kann diese Insolvenz in Eigenverantwortung auch als zweite Chance sehen, sich neu aufzustellen, umzustrukturieren, um aus dieser Insolvenz gestärkt rauszugehen.“
Filialen bleiben vorerst geöffnet
Das Unternehmen teilte mit, dass zunächst keine der 86 Filialen geschlossen werden soll. Auch der Online-Shop steht den Kunden weiter zur Verfügung. Die Gehälter der Mitarbeitenden werden durch das Insolvenz-Geld für drei Monate gesichert. Bis zum Herbst will der Betrieb das Filialnetz allerdings auf den Prüfstand stellen. Darüber hinaus soll eine Analyse von Kostern und Erträgen zeigen, welche Neuerungen die Firma aus der Krise holen könnten.
Große Konkurrenten stehen besser da
Hellweg ist nicht die einzige Baumarktkette, die nach der Pandemie Probleme bekommen hat. Bei den Hagebaumärkten zum Beispiel haben einzelne Filialen Insolvenz angemeldet. Die Branchenriesen Obi, Hornbach und Bauhaus stehen deutlich besser da. Sie konnten auch nach der Pandemie weiter wachsen - trotz der generellen Probleme der ganzen Branche wie Umsatzeinbrüche, geringe Kauflust der Kunden, hohen Kosten für Energie und Personal.
Darin sieht Professor Jörg Funder, Handelsexperte an der Hochschule Worms, ein strukturelles Problem: In der Baumarktbranche ist Größe ein Wettbewerbsvorteil. Mittelständler wie Hellweg bekommen dagegen schnell Probleme.
"Man wird in dieser mittleren Größe zu groß, um eigentlich flexibel in den jeweiligen Standorten agieren zu können, aber wieder zu klein, um Kostenvorteile auszunutzen, die die ganz Großen haben. Da wird man einen Weg finden müssen." Professor Jörg Funder, Handelsexperte an der Hochschule Worms
Hellweg ist demnach weder groß genug, um neben den Marktführern bestehen zu können, noch klein genug, um flexibel auf die Wünsche der Kundschaft einzugehen.
Online-Verkauf verschlafen
Darüber hinaus haben die Kunden entdeckt, dass auch bestimmte Produkte aus dem Baumarkt sich für Online-Shopping eignen. Das heißt, auch die Baumärkte kommen um einen gut gemachten Online-Shop nicht herum. Aber genau das hat Hellweg verschlafen, sagt Funder: "Wettbewerber wie beispielsweise Hornbach oder Obi haben diesen Weg sehr früh beschritten, Hellweg hängt da ehr etwas hinten dran."
All das gehört zu den Punkten, die laut Hellweg nun überprüft werden sollen, um in Zukunft besser auf den Markt reagieren zu können.
Unternehmen in Dortmund gegründet
Die erste Hellweg-Filiale öffnete 1971 am Brackeler Hellweg in Dortmund. Bis heute wird das Unternehmen aus dem Firmensitz in Dortmund gesteuert. Namensgeber ist der Westfälische Hellweg - eine wichtige mittelalterliche Handelsstraße im heutigen NRW.
Unsere Quellen:
- Agenturmeldung dpa
- Pressemitteilung der Firma HELLWEG
- WDR-Interview mit Professor Jörg Funder, Handelsexperte an der Hochschule Worms
- WDR-Interview mit Barbara Wolkenhauer, Handelsverband NRW-Westfalen-Münsterland
Sendung: WDR 5, "Das Wirtschaftmagazin", 17.06.2026, 13:35 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Dortmund, 17.06.2026, 19:30 Uhr