Messerangriff in Solingen: Der Mann, der wohl weitere Opfer verhindert hat

Lokalzeit Bergisches Land 26.06.2025 02:38 Min. Verfügbar bis 26.06.2027 WDR Von René Rabenschlag

Kampf mit Attentäter von Solingen: "An mir kommst du nicht vorbei!"

Stand:

Bei dem Messeranschlag in Solingen im August 2024 hat ein Besucher minutenlang mit dem Täter gekämpft und so wahrscheinlich noch weitere Opfer verhindert. Robert K. hat heute als Zeuge vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf geschildert, wie er dem mutmaßlichen Terroristen in die Augen geschaut hat.

Von René Rabenschlag

Robert K. will kein Held sein. Von außen gesehen ist er allerdings einer: Der 49-jährige Solinger war am 23. August 2024 als Besucher mit seiner Partnerin auf dem Stadtfest, als der Attentäter mit dem Messer auf Besucher einstach. Vor Gericht beschrieb er heute erstmals öffentlich, wie er sich dem Täter in den Weg stellte.

Er stand etwas entfernt vor der Bühne und habe den Tumult bereits wahrgenommen. Dann habe ein Mann geschrien: "Messer, Messer". Zu diesem Zeitpunkt hatte Issa al H. bereits zwölf andere Besucher mit dem Messer angegriffen. Jetzt stand er vor K. und seiner Partnerin, wie K. erzählt.

"Es war keine Zeit zu rennen oder wegzulaufen. Der Angreifer hätte uns von hinten erwischt." Robert K., Besucher auf dem Stadtfest in Solingen

Einzige Chance: Dem Angreifer in den Weg stellen

Der Solinger habe im Bruchteil einer Sekunde entschieden, dass sie als Paar selbst Opfer würden, wenn sie weglaufen. Für ihn sei es daher keine Frage von Mut oder Leichtsinn gewesen. Robert K. sah seine einzige Chance darin, sich dem Angreifer in den Weg zu stellen.

Er ist muskulös, körperlich fit und ehemaliger Karatesportler. Mit Tritten und Fäusten habe er gekämpft und ging zwischenzeitlich sogar zu Boden. Am Ende habe ihn der syrische Asylbewerber jedoch mit dem Messer an den Beinen und am Körper verletzt und konnte flüchten.

Täter habe geschickt mit dem Messer hantiert

Der Angeklagte im Gerichtssaal | Bildquelle: Rene Rabenschlag/WDR

Im Prozess berichtet Robert K. auch über die Art und Weise, wie ihn Issa al. H. mit dem Messer angegriffen habe: "Die Bewegungen – die waren gekonnt, das war trainiert." Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass der geständige Täter nicht zum ersten Mal mit einem Messer gekämpft habe oder mindestens im Umgang damit geschult gewesen sei.

Für Robert K. ist der Tag vor Gericht auch eine psychische Herausforderung. Denn er ist wahrscheinlich der Einzige, der dem Täter während des Anschlags für längere Zeit in die Augen geschaut habe. "Ich wollte jetzt vor Gericht unbedingt seine Reaktion sehen. Er kennt mich ja praktisch und ich muss ihm auch ganz ordentlich weh getan haben", sagte der Solinger. Issa al H. erschien heute mit kahl rasiertem Kopf. Er hat keine weiteren Aussagen gemacht.

Kampf mit Attentäter von Solingen: "An mir kommst du nicht vorbei!"

WDR Studios NRW 19.06.2025 00:49 Min. Verfügbar bis 19.06.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen des Reporters im Gericht
  • Gerichtsprozess vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf