Als Patrick Legun damals im Internet ein Video sieht, das über Sklaverei in Pakistan berichtet, kann er es kaum glauben. Der Aachener will unbedingt mehr darüber wissen. "Ich habe diesen Mann kontaktiert, der vor Ort laut Video diese Sklaven freikauft und dann beschlossen, nach Pakistan zu reisen, um mich selbst davon zu überzeugen."
Herausgekommen ist ein ebenso berührender wie bedrückender Film über Familien, die ihre Schulden nicht abbezahlen können und darum teilweise über Generationen in einer Ziegelfabrik arbeiten müssen - aus Leguns Sicht eine Form von moderner Sklaverei. Zu sehen ist der Film auf seinem Youtube-Kanal "Humanvoll". Dort hat er über 120.000 Abonnenten, auf Instagram sind es über 300.000 Follower.
Humanvoll macht Werbung für Nächstenliebe
Patrick Legun ist Influencer. Einer, der im Internet per Videos Werbung macht und damit Geld einnimmt. Aber im Gegensatz zu anderen Influencern macht er Werbung für etwas, das unbezahlbar ist: Menschlichkeit, Nächstenliebe.
"Ich wurde einmal Sinnfluencer genannt, und ich fand das sehr schön", sagt er, "weil ich ja niemand bin, der irgendein Produkt verkauft, sondern Sinn geben möchte." Den Sinn des Lebens musste er zunächst aber für sich selbst finden.
Patrick Legun findet Trost aus dem Internet
Im Herbst 2022 war es, als er wegen einer Verletzung ans Bett gefesselt war. Er fühlte sich einsam und wurde depressiv. Trost fand er im Internet, auf einer Seite mit Videochats. "Und da habe ich gemerkt, dass es auch mal sehr gut tut, mit fremden Menschen zu sprechen."
Eine Erfahrung, die er nach seiner Genesung unbedingt weitergeben wollte. "Kurz vor Weihnachten habe ich Geschenke an Obdachlose verteilt und meine Mutter gebeten, das mit dem Handy zu filmen." Ein Video, das er ins Internet stellte - und das viral ging. "Plötzlich habe ich Videos von anderen bekommen, die meine Aktion nicht nur toll fanden, sondern sogar nachgemacht haben."
"Da dachte ich: Wow, sowas kann Social Media!" Patrick Legun, Influencer und Lehrer
Seitdem produziert er regelmäßig Videos von Aktionen, mit denen er Menschen Freude bereitet. Sei es, Blumensträuße an Männer zu verteilen oder kleine Zettel mit positiven Botschaften an unbekannte Menschen auf der Straße. Oder Essen und Weihnachtsgeschenke an Obdachlose und Bedürftige verteilt.
Inzwischen hat er zwei Helfer, die mit ihm zusammen die Videos für Instagram, TikTok und Youtube produzieren. Videos, die hunderttausende von Menschen erreichen. Im April hat der Influencer für sein Engagement den Aachener Sozialpreis erhalten.
Im Hauptberuf Lehrer
Influencer ist allerdings nur eine Nebentätigkeit für ihn. Im Hauptberuf arbeitet der 33-Jährige als Religions- und Mathelehrer an einer Hauptschule in Aachen. Das Geld, das er als Influencer einnimmt, investiert er nach eigenen Worten in seine Aktionen, "und momentan zahle ich da sogar noch drauf."
"Ich möchte kein zweiter Jesus sein, aber ja: Jesus ist für mich ein Vorbild, wie er auf Menschen zugegangen ist." Patrick Legun, Influencer und Lehrer
Die Reise nach Pakistan hat ihm nicht nur neue Eindrücke beschert, dort hat er auch eine Familie aus ihrem Arbeitsvertrag freigekauft. Dank der Kooperation mit einer Organisation vor Ort. Erlebnisse, die ihn so berührt haben, dass er jetzt eine eigene Hilfsorganisation gegründet hat. "Mit den Mitgliedsbeiträgen wollen wir weitere Familien aus der Sklaverei freikaufen", erklärt er.
Klingt nach sehr viel Arbeit, aber auch nach sehr viel persönlichem Engagement. "Ich bin definitiv ein Idealist", gibt Legun zu, "und ich glaube, es ist gut, Idealist zu sein. Man muss das Ideale nicht immer erreichen, aber der Weg dahin ist gut und wichtig." Sein Wunsch ist es möglichst viele Menschen zu inspirieren, es ihm nachzutun und anderen zu helfen und Freude zu bereiten.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Influencer Patrick Legun
- Beobachtungen des WDR-Reporters in der Aachener Innenstadt
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Aachen, 18.05.2026, 19:30 Uhr