Taliban-Kämpfer sitzen auf einem Panzer. Links das Logo von nah dran.

Abschiebung um jeden Preis? Deutschland kooperiert mit den Taliban

Stand:

138 Männer wurden seit dem vergangenen Sommer nach Afghanistan abgeschoben. In ein Land, in dem eine Terrororganisation an der Macht ist. Dafür müssen die Behörden in Deutschland mit denen in Afghanistan zusammenarbeiten, die von den Taliban geführt sind.

Der Ruf nach Abschiebungen und der damit einhergehende politische Druck auf die Bundesregierung hat schon den Bundestagswahlkampf 2025 bestimmt. Das Thema Migration ist in der politischen Diskussion seit Jahren sehr präsent. Die Bundesregierung will ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag einhalten – und mehr Menschen abschieben.

Darunter auch Menschen aus Afghanistan, wo die Taliban seit der Machtübernahme 2021 einen religiösen Terrorstaat aufbauen. Die Lage in Afghanistan ist verheerend. Es werden Gesetze beschlossen, die Strafen für Respektlosigkeit gegenüber den Führern des Islamischen Emirats oder Regierungsangestellten vorsehen. Peitschenhiebe und Gefängnisstrafen für Andersdenkende gehören zum Alltag in Afghanistan.

Für Frauen ist die Lage in Afghanistan besonders schlimm. Mädchen dürfen in der Schule nicht in die höheren Klassen gehen, Frauen dürfen nicht studieren. Außerdem dürfen Frauen nicht ohne einen Aufpasser reisen - also einen nahen männlichen Verwandten.

Abschiebungen nach Afghanistan

NDR-Reporter Peter Hornung schaut in die Kamera.

Nur Männer wurden bisher nach Afghanistan abgeschoben. Frauen werden wegen der politischen Unterdrückung nicht abgeschoben, sagt der NDR-Reporter Peter Hornung. Er war selbst schon vier mal in Afghanistan und berichtet schon lange für die ARD über die Taliban.

Die Frauen sind, man muss es so sagen, absolut entrechtet in Afghanistan. Die sind aus der Öffentlichkeit verdrängt. Peter Hornung, Reporter beim NDR

In der vergangenen Woche wurden 25 Afghanen mit einem Charterflug von Leipzig über die Türkei nach Kabul geflogen. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums habe es sich dabei ausschließlich um Personen gehandelt, die in Deutschland Straftaten begangen hätten.

Bundesinnenminister Dobrindt hat gesagt, Abschiebungen nach Afghanistan fänden mittlerweile "fast wöchentlich" statt: "Die Vereinbarungen, die wir mit den Zuständigen in Afghanistan, den Verantwortlichen in Afghanistan getroffen haben, sie stehen und sie sind funktionsfähig."

Zusammenarbeit mit Taliban

Der Bundesinnenminister spricht von Vereinbarung, nicht von Kooperation oder Zusammenarbeit. Faktisch macht das für Peter Hornung aber keinen Unterschied. Auch die Taliban in Afghanistan würden die Kontakte nach Deutschland als diplomatische Beziehungen beschreiben. Nur die Bundesregierung ist da etwas zurückhaltender.

Aber: Das Innenministerium braucht die Kooperation der afghanischen Führung, also der Taliban. Sowohl die afghanische Botschaft in Berlin als auch das afghanische Generalkonsulat in Bonn wird mittlerweile von Taliban kontrolliert. Deutschland ist das einzige Land in der gesamten EU, in dem Vertreter der Taliban akkreditiert sind.

Politisch heikel ist die Zusammenarbeit in jedem Fall, denn Deutschland erkennt die Taliban nicht als legitime Regierung Afghanistans an.

Praktikum bei den Taliban

Die Taliban wollen sich in Deutschland immer mehr etablieren. Das von den Radikalislamisten geführte afghanische Generalkonsulat in Bonn schreibt sogar Praktikumsplätze aus - und sucht Bewerberinnen und Bewerber. Und zwar Hochschulabsolventen und Studierende beiderlei Geschlechts. Was klingt wie ein schlechter Scherz, ist laut Peter Hornung der Versuch der Taliban, sich als Wolf im Schafspelz zu verkaufen.

Abschiebung nach Afghanistan: Deutschlands heikle Kontakte zu den Taliban I nah dran

nah dran – die Geschichte hinter der Nachricht 08.05.2026 19:02 Min. Verfügbar bis 08.05.2031 WDR Online

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Der Podcast "nah dran"

Im Podcast "nah dran – die Geschichte hinter der Nachricht" erzählen unsere Reporterinnen und Reporter, was sie bei ihren Recherchen erlebt haben. Sie werfen einen Blick hinter die Nachrichten, hören Betroffenen zu und erleben selbst mit, wovon die meisten nur kurz in den wöchentlichen Schlagzeilen lesen. Näher ran als sie kommt keiner – egal ob im Ausland, in der Hauptstadt oder direkt vor unserer Tür in der Region.

Dieser Beitrag liefert Informationen zur Podcast-Folge "nah dran - die Geschichte hinter der Nachricht": "Abschiebung nach Afghanistan: Deutschlands heikle Kontakte zu den Taliban" vom 08.05.2026, 12:30 Uhr.