Knetfiguren in einer Poststation des Videospiels "Harold Halibut" von den Slow Bros

Mit Knetfiguren und digitaler Technik - erfolgreiche Games-Unternehmen in NRW

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Nordrhein-Westfalen gilt als wichtiger Standort für die Spieleentwicklung in Deutschland, auch weil die Landesregierung die Branche seit Jahren fördert. Um international noch stärker mitspielen zu können, fordert der Bundesverband Steuererleichterungen von der neuen Regierung.

Von Katja Scherer

Dass das Unternehmen Slow Bros aus Köln den Deutschen Computerspielpreis gewonnen hat, ist das Ergebnis langer Arbeit. Fast zehn Jahre lang hat das Unternehmen sein Spiel "Harold Halibut" entwickelt. Dabei geht es um einen Mann, der mit einem Raumschiff auf einem fremden Planeten bruchgelandet ist. Die Macher haben für das Spiel aufwändige handgemachte Kulissen und Knetfiguren angefertigt und diese dann durch 3D-Scan digitalisiert. Dafür haben sie nun den Preis für das beste Grafikdesign erhalten.

Das zweite Unternehmen aus NRW, das ausgezeichnet wurde, ist Stunforge aus der Nähe von Lippstadt. Dahinter stehen zwei IT-Experten, die die Firma erst 2023 gegründet haben. Ihr Spiel "Nordhold" gewann in der Kategorie bestes Debüt.

Gaming ist stark wachsendes Geschäft - nicht nur in NRW

Making-Off des VideospielsMaking-Off des Videospiels "Harold Halibut"

Making-Off des Videospiels "Harold Halibut"

Katharina Weiß, die stellvertretende Vorstandsvorsitzende von games.nrw, der Interessenvertretung der digitalen Spielewirtschaft in Nordrhein-Westfalen, sieht in der Auszeichnung ein Bestätigung, dass in NRW viele spannende Games-Unternehmen angesiedelt sind. "Insbesondere die aufwändige Machart des Spieles "Harold Halibut" im Stile eines Slow-Motion-Filmes zeigt, dass Games auch eine wichtige Rolle als Kulturgut spielen", betont sie. In der Branche gehe es nicht nur um Kommerz, sondern auch um künstlerische Ansprüche und Kreativität.

Daneben ist die Gameswirtschaft aber eben auch ein stark wachsendes Geschäft. Nach Angaben des Branchenverbands Game wurden 2024 allein in Deutschland rund 5,5 Milliarden Euro mit digitalen Spielen umgesetzt. Die Anzahl der Spielenden in Deutschland ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen: Über alle Altersklassen hinweg greifen rund 37,5 Millionen aller Deutschen zum Spielen zu Controller, Tastatur oder Smartphone, schreibt der Verband. Seit 2020 sei die Anzahl der Gamerinnen und Gamer damit um rund neun Prozent gewachsen.

Löwenanteil der Umsätze geht ins Ausland

Der Großteil des Geldes, den Gamerinnen und Gamer ausgeben, geht allerdings an internationale Firmen - nicht an deutsche Studios. Zahlen des bundesweiten Branchenverbandes zeigen, dass im Jahr 2019 weniger als fünf Prozent der Gesamtumsätze im deutschen Markt an deutsche Spielestudios gingen. Die international großen Firmen sind unter anderem Microsoft, Sony, Nintendo und Apple. Außerdem sind chinesische Anbieter stark gewachsen, allen voran das Unternehmen Tencent.

NRW gilt nach Angaben des deutschen Branchenverbands Game im innerdeutschen Vergleich als guter Standort für Games-Unternehmen. In einem aktuellen Ranking liegt NRW auf Platz zwei hinter Bayern. Es gibt zwei internationale Spieleentwicker vor Ort mit Ubisoft Blue Byte in Düsseldorf und dem US-Konzern Electronic Arts in Köln. Daneben gibt es viele kleine Studios und sogenannte Publisher, also Unternehmen, die den Entwicklerstudios beim Vertrieb ihrer Spiele helfen.

Internationale Sichtbarkeit durch die Spielemesse Gamescom

Besucher der Gamescom testen Videospiel-Lenkräder

Tausende testen Spiele auf der Gamescom

International ist der Standort vor allem für die Spielemesse Gamescom bekannt. Außerdem gibt es NRW eine starke E-Sport-Szene aus Spielern, die Gaming professionell betreiben. Und es gibt nach Angaben der Filmstiftung NRW viele Hochschulen, die Entwickler und Grafikdesigner für die Branche ausbilden. Bekannt ist vor allem das Cologne Games Lab der TH Köln.

Aktuell sei die Stimmung in der Branche allerdings trotz der hohen Nachfragen im Markt eher verhalten, sagt Katharina Weiß von der regionalen Branchenvereinigung Games.NRW. Die Branche spüre die allgemeine Konsumflaute und bekome dadurch weniger Geld. "Viele Geldgeber wie Publisher halten sich derzeit mit Investitionen in neue Spiele zurück", sagt sie. Das mache es gerade für kleine Unternehmen schwierig, Neuentwicklungen umzusetzen.

Bundesverband Games fordert Steuergutschriften

Um die deutsche Gameswirtschaft zu fördern und dafür zu sorgen, dass künftig mehr Blockbuster-Spiele in Deutschland entwickelt werden, braucht es aus Sicht des Branchenverbands Games steuerliche Anreize. Der Verband fordert für Entwicklerstudios Steuergutschriften in Höhe von bis zu 35 Prozent. In Ländern wie Kanada, Frankreich, Irland, Polen und den USA gebe es derartige Anreize schon, sagte Felix Falk, der Geschäftsführer des Verbands im WDR5-Morgenecho.

Aus Sicht von Katharina Weiß von Games.NRW könnten solche Steueranreize vor allem dazu führen, dass internationale Games-Firmen mehr in Deutschland investieren. Für kleine, konzernunabhängige Entwicklerstudios seien dagegen stabile Fördermaßnahmen auf Landesebene wichtiger. "In NRW gibt es zum Glück seit Jahren eine stabile Unterstützung für die Branche", sagt sie. Das Land fördert die Games-Entwicklung in diesem Jahr mit insgesamt vier Millionen Euro. Das Geld wird über die Filmstiftung NRW vergeben.

Unsere Quellen:

  • Interview mit Felix Falk vom Verband der deutschen Games-Branche e.V. im WDR 5 Morgenecho
  • Interview mit Katharina Weiß von games.nrw
  • Filmstiftung NRW
  • Der Deutsche Computerspielpreis
  • Internetauftritte der Firmen Slow Bros und Stunforge

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