Was sich 2026 ändert: Reparieren wird leichter und der Ausweis digital
01:34 Min.. Verfügbar bis 01.01.2028. Von Jörg Schieb, Jörg Schieb.
Was sich 2026 in der Tech-Welt ändert: Reparatur-Regeln, E-Ausweis
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Das neue Jahr bringt in der digitalen Welt einige Veränderungen. Von der Reparatur kaputter Geräte über einen digitalen Ausweis bis zur Kennzeichnung von KI. WDR-Digitalexperte Jörg Schieb über die wichtigsten Veränderungen.
Von
Jörg Schieb
Seit Juni 2025 gelten in der EU neue Ökodesign-Regeln für Smartphones und Tablets - und 2026 zeigt sich nun, wie gut sie in der Praxis funktionieren. Die Kernforderung: Hersteller müssen ihre Geräte reparierbarer gestalten.
Das bedeutet konkret: Ersatzteile wie Akkus, Displays oder Kameras müssen bis zu sieben Jahre nach dem letzten Verkauf des Geräts verfügbar sein. Außerdem sind Hersteller verpflichtet, mindestens fünf Jahre lang Sicherheitsupdates bereitzustellen.
Endlich: Reparieren wird einfacher
Die EU-Richtlinie zum Recht auf Reparatur geht noch weiter: Hersteller dürfen Reparaturen nicht künstlich erschweren, etwa durch verklebte Gehäuse oder Software-Sperren. Ersatzteile müssen zu angemessenen Preisen verfügbar sein, und auch unabhängige Werkstätten sollen Zugang zu Reparaturanleitungen und Ersatzteilen bekommen.
Der Vorteil für Verbraucher: Ein kaputtes Display oder ein schwächelnder Akku bedeutet nicht mehr automatisch ein neues Gerät. Reparieren wird zur realistischen Alternative. Gleichzeitig entsteht weniger Elektroschrott. Ob Reparaturen dadurch tatsächlich günstiger werden, hängt allerdings auch vom Wettbewerb zwischen Herstellerwerkstätten und unabhängigen Anbietern ab.
Das Recht auf Reparatur wird ausgeweitet: Hersteller müssen Ersatzteile bereitstellen.
Die Regeln gelten gestaffelt und nicht für alle Produktgruppen gleichzeitig. Bei Waschmaschinen, Geschirrspülern und anderen Haushaltsgeräten greifen teilweise schon länger ähnliche Vorgaben. Ausnahmen gibt es weiterhin bei sicherheitskritischen Komponenten, etwa wenn es um verschlüsselte Systemzugriffe geht.
Die EU Digital Wallet: Der Ausweis wird digital
2026 ist auch das Jahr, in dem die EU Digital Wallet konkret wird. Laut eIDAS-2.0-Verordnung müssen alle EU-Staaten bis Dezember 2026 eine zertifizierte digitale Wallet bereitstellen. Was dahintersteckt: eine App, mit der sich Bürger digital ausweisen können - ohne Plastikkarte.
Ausweis, Führerschein, Dokumente: In der EU Digitital Identity Wallet kann europaweit einheitlich alles hinterlegt werden
Diese Wallet soll Personalausweis, Führerschein, Versicherungsnachweise und andere Dokumente digital speichern. Der Vorteil: Alle wichtigen Nachweise sind auf dem Smartphone dabei, sensible Originaldokumente können zu Hause bleiben. Bei der Verkehrskontrolle wird der digitale Führerschein gezeigt, beim Arzt die Versichertenkarte, beim Hotel-Check-in der Ausweis.
Das System ist europaweit gedacht: Wer sich in Spanien oder Frankreich ausweist, kann dieselbe Wallet nutzen. Die Daten bleiben grundsätzlich auf dem Gerät gespeichert - keine zentrale EU-Datenbank sammelt also Informationen über Bürgerinnen und Bürger.
Allerdings: In Deutschland wird der breite Marktstart voraussichtlich erst 2027 erfolgen. 2026 läuft hierzulande zunächst eine Pilotphase mit ausgewählten Partnern. Welche Dokumente wann verfügbar sind und welche Dienstleister die Wallet akzeptieren, hängt stark von der nationalen Umsetzung ab. Das langfristige EU-Ziel lautet: Bis 2030 sollen 80 Prozent der Bevölkerung die Wallet nutzen können.
Die EU Digital Identity Wallet erlaubt es, Ausweise im Smartphone mit sich zu führen
Wichtig: Die Nutzung bleibt freiwillig. Niemand muss auf digitale Ausweise umsteigen - klassische Plastikkarten bleiben gültig.
KI muss sich zu erkennen geben
Die dritte wichtige Neuerung betrifft künstliche Intelligenz: Der AI Act der EU schreibt vor, dass KI-generierte Inhalte transparent gemacht werden müssen. Die Regelung wird im Laufe des Jahres 2026 wirksam - der AI Act arbeitet mit gestaffelten Fristen nach seiner Veröffentlichung.
Was das konkret bedeutet: Chatbots müssen sich als solche zu erkennen geben, sofern es nicht ohnehin offensichtlich ist. Gleiches gilt für Bilder, Videos oder Texte - wurden sie von einer KI erstellt oder manipuliert, muss das gekennzeichnet werden. Nutzer sollen auf den ersten Blick erkennen können, ob sie mit einem Menschen oder einer Maschine kommunizieren.
Mit KI erstellte Bilder, Fotos, Audios und Videos müssen ab August eindeutig gekennzeichnet werden
Besonders wichtig ist das bei sensiblen Themen wie medizinischer Beratung oder politischer Information. Unternehmen müssen ihre KI-Systeme entsprechend anpassen: Chatbots brauchen deutliche Hinweise, generierte Bilder ein Wasserzeichen oder eine Kennzeichnung in den Metadaten.
Die Strafen bei Verstößen können empfindlich ausfallen - mehrere Millionen Euro oder ein prozentualer Anteil vom weltweiten Umsatz sind möglich. Wie die Kennzeichnung technisch umgesetzt und durchgesetzt wird, ist allerdings noch in Klärung. Kritiker weisen darauf hin, dass sich Wasserzeichen oft entfernen und Metadaten löschen lassen - die praktische Wirksamkeit bleibt abzuwarten.
Digitaler Wandel nimmt Fahrt auf
Diese drei Regelungen zeigen: Die EU nimmt die Gestaltung der digitalen Welt offenbar ernst. Ob Verbraucherschutz bei Reparaturen, Datenschutz beim digitalen Ausweis oder Transparenz bei KI - überall entstehen verbindliche Rahmenbedingungen.
Für Verbraucher bedeutet das potenziell mehr Rechte, mehr Sicherheit und mehr Transparenz. Ob alle Versprechen eingelöst werden und die Umsetzung reibungslos läuft, wird sich 2026 zeigen. Klar ist: Das neue Jahr wird digital spannend.
Sendung: WDR.de, Das ändert sich 2026 digital: Mehr Reparatur, EU Digital Identity Wallet und KI-Kennzeichnungen, 01.01.2026, 05:58 Uhr