"Wurst-Debatte" der EU - Alles Wurst? | Aktuelle Stunde
03:57 Min.. Verfügbar bis 06.03.2028.
Einigung zu Wurst und Veggie-Burger: Reaktionen aus NRW
Stand:
Das Europaparlament und der Rat der EU-Staaten haben sich geinigt: Der Veggie-Burger darf weiter so heißen - Reaktionen aus NRW.
Von
Jörn Seidel
Dialogbox
Zu den Kommentaren [26]Der jahrelange Streit über die Veggie-Wurst hat vorerst ein Ende. Auch künftig dürfen vegetarische oder vegane Produkte als Schnitzel, Burger und Wurst verkauft werden. Darauf haben sich das Europaparlament und der Rat der EU verständigt. Aber: Während zum Beispiel "Tofu-Wurst" und "Soja-Schnitzel" erlaubt bleiben, sollen demnächst "Tofu-Rippchen" und "Soja-Hähnchen" verboten sein.
Tierarten und Teilstücke müssen künftig stets aus Fleisch sein
Die neue Regel besagt: Bezeichnungen, die sich auf Tier- oder Fleischarten und einzelne Teilstücke beziehen, sind für Veggie-Produkte Tabu. Der Rat der EU nennt als Beispiele diese konkreten Bezeichnungen, die künftig ausschließlich für Fleisch geschützt sein sollen:
Rohe Schweinekoteletts ohne Knochen
Rind, Kalb, Schwein, Geflügel, Hähnchen, Pute, Ente, Gans, Lamm, Hammel, Schaf, Ziege, Hähnchenschenkel, Filet, Roastbeef, Flanke, Lende, Steak, Rippchen, Schulter, Haxe, Kotelett, Flügel, Brust, Leber, Keule, Bruststück, Ribeye, T‑Bone, Bacon, Speck und Rumpsteak.
Veggie-Wurst "sollte nicht so heißen"
Bei Fleischessern und Veganern in NRW löst die Einigung in Brüssel unterschiedliche Reaktionen aus. Die Veggie-Wurst "sollte nicht so heißen", sagt ein Mann in Düsseldorf dem WDR, der sich gerade an einem Imbiss eine echte Currywurst mit Pommes bestellt hat. Begriffe wie Wurst oder Burger sollten nur für Fleisch-Produkte verwendet werden dürfen, so seine Meinung.
Imbiss-Kunde in Düsseldorf
Er selbst komme aus dem ländlichen Westen Frankreichs, erzählt er. Von daher wisse er sehr gut, wie viel Arbeit und Leidenschaft hinter der Tierhaltung und Fleischherstellung stecke. Das müsse man verteidigen.
Damit vertritt er die Meinung vieler seiner Landsleute. Auch im Europaparlament war es eine Französin, die als Abgeordnete der konservativen EVP-Fraktion die Initiative maßgeblich vorantrieb, Begriffe wie Veggie-Wurst zu verbieten.
Auch ein anderer Imbiss-Kunde hätte sich über das Verbot gefreut: Wenn er auf einem Produkt "Veggie-Wurst" liest, sei für ihn nicht zwingend zu erkennen, dass es sich dabei um ein vegetarisches handelt, sagt er dem WDR.
"Mir persönlich egal"
Passant in Düsseldorf
Wurst oder nicht Wurst? "Das ist mir persönlich egal, solange es für den Verbraucher klar ersichtlich ist, ob etwas aus Fleisch besteht oder nicht", sagt ein Mann vor einer Metzgerei. Tatsächlich seien die Produkte ja klar gekennzeichnet, so sein Argument und nennt ein Beispiel: Da stehe eben nicht nur "Schnitzel" drauf, sondern "veganes Schnitzel".
So sieht man es auch bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück - offiziell Premium Food Group. Sie ist nicht nur das größte deutsche Fleischunternehmen, sondern mit der Marke Gutfried auch ein großer Player im Bereich Veggie-Wurst.
Tönnies-Gruppe: Flexitarier greifen gerne zur veganen Wurst
Fleischlose Wurst der Marke Gutfried
"Die grundsätzliche Diskussion hat uns erstaunt", sagt Unternehmenssprecher Fabian Reinkemeier dem WDR. "Denn: In Deutschland ist klar deklariert, ob es sich zum Beispiel um eine Bratwurst tierischer oder pflanzlicher Herkunft handelt."
"Wir sind froh, dass jetzt Klarheit herrscht", so Reinkemeier. "Vom Umsatz her sind im Veggie-Bereich die Flexitarier für uns relevant. Und die greifen eben gerne zur vegetarischen oder veganen Wurst."
Vegane Fleischerei in Köln: Entscheidend ist nicht der Inhalt
Saskia Kiesewetter, Geschäftsführerin Vegane Fleischerei in Köln
Auch bei der Veganen Fleischerei in Köln zeigt man sich zufrieden mit der Einigung in Brüssel. "Wir finden das erfreulich, weil damit klar ist: Es geht um die Form und nicht um den Inhalt", sagt Geschäftsführerin Saskia Kiesewetter dem WDR. Wurst könne eben aus vielerlei bestehen. Man nehme mit der Bezeichnung ja niemandem etwas weg.
Von den Einschränkungen betroffen ist die Vegane Fleischerei nach aktueller Einschätzung nicht. Ob das so bleibt, wenn die Regelung irgendwann klar ausformuliert ist, werde sich zeigen, so Kiesewetter. Denn verkauft werden derzeit nicht nur Produkte mit dem Zusatz "Wurst", sondern zum Beispiel auch mit den Namen "Kein Kräutersteak" und "Kein Bacon". Bei Gutfried wird ebenfalls noch zu klären sein, ob es bei den Namen "WieBacon" und "WieHähnchenbrust" bleiben kann.
Zunächst muss die neue Regelung vom Europaparlament und dem Rat der 27 EU-Staaten final absegnet werden. Dauerhaft beigelegt ist der Streit über die Wurst aber auch dann noch nicht: Die jetzt getroffene Entscheidung gilt bloß bis Ende 2027. Dann ist in der Europäischen Union ohnehin eine Reform mehrerer Agrar-Regelungen fällig. Die Diskussion über Schnitzel, Burger und Wurst dürfte dann erneut aufflammen.
Unsere Quellen:
- Mitteilung des Rats der Europäischen Union vom 05.03.2026
- Menschen in Düsseldorf im Gespräch mit WDR-Reporter Carsten Upadek
- WDR-Gespräch mit Fabian Reinkemeier, Sprecher der Premium Food Group
- WDR-Gespräch mit Saskia Kiesewetter, Geschäftsführerin Vegane Fleischerei in Köln
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 06.03.2026, 18.45 Uhr
26 Kommentare
Kommentar 26: Wolfgang schreibt am 08.03.2026, 14:59 Uhr :
Dann muss aber auch Leberkäse umbenannt werden, da er weder Leber noch Käse enthält.
Kommentar 25: Brigitta S. schreibt am 08.03.2026, 12:00 Uhr :
„Schnitzel“ ist eigentlich nur eine Bezeichnung "Scheibe", geschnitten von einen großen Teil Fleisch. Selbst bei einem Geschnetzelten, verwendet man ein Schnitzel. Scheiben werden auch geschnitten verwendet ohne Fleisch bei veganen Essen. Warum sollte bei Vegan - Kauf diese Bezeichnung verboten sein? Was allerdings verboten gehört, wenn der Markt zum Bsp. veganen Speck anbietet, weil dort kein echter Fleisch- Speck vorhanden ist. Wer Veganer ist, der hat bestimmt schon mal Kohlrabi-Schnitzel gebraten, aus Kohlrabi in dünne Scheiben geschnitten. Schnitzel, oder english genannt Cutlet ist und bleibt eine Scheibe ob bei Fleisch oder Vegan. Bei Wienerschnitzel geht es um das festgelegte Kalbfleisch. Bei „Schnitzel Wiener Art ist kein Kalb unter der Panade. Aber jedes Stück ist und bleibt ein Schnitzel.
Kommentar 24: fera schreibt am 08.03.2026, 06:19 Uhr :
Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er beleidigend ist. (die Redaktion)
Kommentar 23: Franziska 1 schreibt am 07.03.2026, 23:37 Uhr :
Der Rat der EU hat was vergessen bei der Bezeichnung Fleisch, es ist das" sogenannte Fleisch der Stall - Hasen". Von NRW und Rheinland Pfalz weiß ich, dass Fleisch von Hasen wird traditionell gebraten an bestimmten Feiertagen. Artengerecht wird ein Hase im kleinen Stall gehalten, ohne Auslauf, hoppeln und springen im Freien? EU, gibt es ein Level für das Wohl der einsamen Stallhasen? Wegen Veggie -Burger und Vegan-Wurstform ohne Fleisch, macht man weiter so ein Getöse? Dem Marketing fällt nichts anderes ein?Wenn Vegan groß auf der Verpackung steht, dann weiß doch jeder, dass kein Fleisch verarbeitet drin sein darf. Wenn ein Stallhase geschlachtet wird, dann sieht man es am Fell das es nicht Vegan ist. Wird das Stallhasen- Feisch ab 2028 mit geregelt von der EU? Ein Stallhase ist kein Wildtier!
Kommentar 22: Nadine Lorkowski schreibt am 07.03.2026, 23:25 Uhr :
Für mich sind es halbe Sachen,entweder ganz oder gar nicht...und ja,ich finde die Begriffe auch komisch wenn es kein "richtiges"Schnitzel ist...aber ehrlich,es gibt wichtigeres in der Welt...Und die Sonne tat trotzdem gut🌞
Kommentar 21: Herrmann schreibt am 07.03.2026, 21:21 Uhr :
Und die Moral von der Geschicht': Bleibe misstrauisch. Sonst gehst Du einer Ideotologie auf den Leim.
Kommentar 20: Reinhold Günther schreibt am 07.03.2026, 20:05 Uhr :
Grundsätzlich ist Vegetarisch und vegan keine Wurst und kein Schnitzel ( Fleisch) Allerdings ist mir das ziemlich egal. Ich glaube wir haben größere Probleme in Europa und Deutschland, als das wir unsere Energie mit solchen Dingen verschwenden müssen. Oder haben unsere Abgeordnete nichts besseres zu tun, als sich mit so einem Quatsch zu beschäftigen. Das ist wieder unnötige Bürokratie. Daseinsberechtigung? Die Gehälter sind unsere Steuern.
Kommentar 19: Anonym schreibt am 07.03.2026, 20:02 Uhr :
Grundsätzlich ist Vegetarisch und vegan keine Wurst und kein Schnitzel ( Fleisch) Allerdings ist mir das ziemlich egal. Ich glaube wir haben größere Probleme in Europa und Deutschland, als das wir unsere Energie mit solchen Dingen verschwenden müssen. Oder haben unsere Abgeordnete nichts besseres zu tun, als sich mit so einem Quatsch zu beschäftigen. Das ist wieder unnötige Bürokratie. Daseinsberechtigung? Die Gehälter sind unsere Steuern.
Kommentar 18: Zettelewald schreibt am 07.03.2026, 19:41 Uhr :
Dann hoffe ich das das Schokoladenei bitte auch umbenannt wird. Ich bin da jetzt doch schon verunsichert ob das ein echtes Ei ist oder nicht....
Kommentar 17: Arnd Winkens schreibt am 07.03.2026, 17:52 Uhr :
Ich finde das in Ordnung.
Kommentar 16: Hans Wurst schreibt am 07.03.2026, 13:35 Uhr :
Der Name vegane Fleicherei sollte verboten werden. Entweder ist es ein Gemüsegarten oder eine Metzgerei.
Antwort von @Hans , geschrieben am 07.03.2026, 16:07 Uhr :
Das heißt Vleischerei mit dem V für vegan.
Antwort von Vleischerei , geschrieben am 07.03.2026, 23:47 Uhr :
Noch schlimmer, vegane Vleischerei ist lediglich eine neue Stolperfalle für Rechtschreibschwache!