Nach US-Angriff auf Venezuela: Welche Regeln gelten noch in dieser Welt?

Aktuelle Stunde 04.01.2026 36:47 Min. UT Verfügbar bis 04.01.2028 WDR

US-Angriff auf Venezuela: Was will Trump damit erreichen?

Stand:

Die USA haben Venezuela angegriffen. Was bezweckt US-Präsident Trump damit? Das sagt ein Völkerrechtler.

Seit Jahren regiert in Venezuela Nicolás Maduro als autoritärer Machthaber. Wahlfälschung, Versuche das gewählte Parlament abzusetzen, vermeintliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit - das wird Maduro angelastet. Das südamerikanische Land ist US-Präsident Donald Trump ein Dorn im Auge. Trump wirft Venezuela vor, den Drogenschmuggel in die Vereinigten Staaten aktiv zu fördern und damit die Sicherheit der USA und ihrer Bürger zu gefährden.

Bereits im Dezember hatte er gesagt, die Tage von Maduro, der auch von vielen europäischen Staaten nicht als rechtmäßiger Präsident Venezuelas anerkannt wird, seien "gezählt". Jetzt hat Trump seinen Worten Taten folgen lassen. Das US-Militär hat Venezuela angegriffen und Staatschef Maduro wurde laut Trump "gefangen genommen und außer Landes geflogen". Doch welche Ziele verfolgt Trump damit?

Völkerrechtler Kai Ambos

Völkerrechtler Prof. Kai Ambos

Nach Einschätzung des Völkerrechtlers Prof. Kai Ambos ist der von Trump angeführte Kampf gegen die Drogen ein Vorwand. Wenn die USA diesen Kampf konsequent führen wollten, müssten sie gegen viele Länder vorgehen, über die Drogen in die Vereinigten Staaten kommen, sagte Ambos dem WDR. Konkret nannte er Mexiko und Kolumbien. Es gehe den USA nicht um einen Kampf gegen Drogen, es gehe um den Zugang zu den Öl-Ressourcen des Landes. Die Frage sei hier: Setzen die Vereinigten Staaten jetzt wirtschaftliche Interessen mit militärischer Gewalt durch?

US-Angriff auf Venezuela ist völkerrechtswidrig

Der US-Angriff auf Venezuela sei zweifelsohne völkerrechtswidrig, sagte Ambos. Denn für die Anwendung von militärischer Gewalt gebe es nur zwei Rechtfertigungsgründe. Zum einen Selbstverteidigung - da hätte Venezuela die USA angreifen müssen. Dies sei offensichtlich nicht der Fall gewesen - "und auch nicht durch irgendwelche Drogenbanden oder Drogenschmuggel", so Ambos. Das wäre auch kein Angriff im militärischen Sinne - oder es müsste eine Autorisierung durch den UN-Sicherheitsrat geben. Und eine solche Autorisierung gebe es bekanntlich nicht. "Wir haben ja nicht mal eine Autorisierung durch den amerikanischen Kongress", sagte der Völkerrechtler. 

Der venezolanische Machthaber Nicolás Maduro

Offenbar gehe es bei dem Angriff um die Absetzung eines in Washington in dieser Regierung verhassten Regimes. "Daraus hat man ja keinen Hehl gemacht, da war man sehr transparent", sagte Ambos. Man sei jetzt den letzten Schritt gegangen. Das hätte eine vorherige US-Regierung nicht gemacht, also dass man tatsächlich militärische Gewalt anwendet und in einer Nacht-und-Nebel-Aktion einen Präsidenten aus dem Land holt. "Das ist ja aus verschiedenen Perspektiven äußerst, äußerst problematisch", so der Völkerrechtler. 

Auswärtiges Amt in Berlin erlässt Reisewarnung für Venezuela

Wie es jetzt weiter geht? Das ist vorläufig offen. Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter verurteilte das Vorgehen der USA als "Putsch". "Die USA verlassen mit Präsident Trump endgültig die regelbasierte Ordnung, die uns seit 1945 geprägt hat", sagte er der "Bild". "Venezuela ist zwar ein Unrechtsstaat, aber kein Iran, der Nachbarländer wie Israel in der Existenz bedroht." Washington kehre zur US-Doktrin von vor 1940 zurück - "ein Denken in Einflusszonen, in denen das Recht des Stärkeren gilt und nicht internationales Völkerrecht".

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz pocht aufs Völkerrecht. Das müsse grundsätzlich im Umgang zwischen Staaten gelten. Er formuliert sein Fazit aber deutlich vorsichtiger: "Die rechtliche Einordnung des US-Einsatzes ist komplex. Dazu nehmen wir uns Zeit." Auch aus dem Außenministerium gibt es noch keine konkrete Bewertung.

Derweil hat das Auswärtige Amt in Berlin eine Reisewarnung für das gesamte südamerikanische Land erlassen. Deutsche Staatsangehörige in Venezuela seien aufgerufen, an einem sicheren Ort zu bleiben, erklärte das Auswärtige Amt am Samstag nach einer Sitzung des Krisenstabs. Das Auswärtige Amt stehe "im engsten Kontakt" mit der Botschaft in Caracas.

Unsere Quellen:

  • Völkerrechtler Kai Ambos gegenüber dem WDR
  • Nachrichtenagentur AFP
  • Deutsche Presseagentur

Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 04.01.2026, 18:45 Uhr

Kommentare zum Thema

59 Kommentare

  • 59 Belsatzar 2.0 06.01.2026, 11:18 Uhr

    "Die Mitternacht zog näher schon; In stummer Ruh lag Washinton. // Nur oben, in des Donalds Schloss, Da flackert’s, da lärmt des Donalds Troß, // Dort oben, in dem Königssaal, Der Donald hielt sein Königsmahl. // ... // Des Donalds Wangen leuchten Glut; Im Wein erwuchs ihm kecker Muth. // Und blindlings reißt der Muth ihn fort; Und er lästert die Gottheit mit sündigem Wort. // ... // Jehovah! dir künd’ ich auf ewig Hohn, – Ich bin der König von Babylon! Doch kaum das grause Wort verklang, Dem Donald ward’s heimlich im Busen bang. // ... // Und sieh! und sieh! an weißer Wand Da kam’s hervor wie Menschenhand; // Und schrieb, und schrieb an weißer Wand Buchstaben von Feuer, und schrieb und schwand. // Der König stieren Blicks da saß, Mit schlotternden Knien und todtenblaß. // ... // Die Magier kamen, doch keiner verstand Zu deuten die Flammenschrift an der Wand. // ... " (frei nach Heinrich Heine (1820))

  • 58 John 05.01.2026, 23:37 Uhr

    Vielleicht versucht er ja, sich mit solchen Aktionen zu beweisen bzw. irgendwie ein in seinen Augen ernsthaftes Profil oder Anerkennung von richtigen Politikern zu verschaffen, welche er, wie die meisten von uns ja nun auch wissen, als anerkannter Phantast und Daherschwafler ohne Hintergrundwissen und erheblichem Zerstörungspotenzial und nicht ernstzunehmender Pseudopolitiker in keiner Weise hat. Der Mann ist doch aufgrund seiner bisher gezeigten Dummheit einfach nur unberechenbar, gefährlich und nicht besser als ein bösartiger Dreijähriger im Kindergarten, der mit seinem Schüppchen anderen Kindern ständig auf den Kopf haut. Aber der Ballsaal, der wird bestimmt ganz toll und glänzt dann ganz fein, seufz...

  • 57 Robert Böyer 05.01.2026, 18:18 Uhr

    Was geschieht wenn das Verhalten der USA hingenommen wird? Auf was muss sich Dänemark vorbereiten? Trump missbraucht die Macht, die er vom Volk bekommen hat und die Demokratische Partei schweigt. Nach meiner Meinung verliert Europa einen guten Freund, aber auch umgekehrt. Damit kann sich Europa abfinden und sollte nun schnell seine Stärke in der Einheit finden und geschlossen seinen Wirtschaftsraum vertreten und seine Werte verteidigen. Klar, deutlich und zur Not mit einem Kerneuropa.

    Antworten (2)
    • Franziska 1 05.01.2026, 19:45 Uhr

      @Robert Böyer, die EU in Brüssel verhält sich wegen Trump (Venezuela) ziemlich leise. Sie dürfte sich jetzt wie in einer Hängematte fühlen, die kräftig schaukelt ohne eigene Bewegung. Sanktionen zu planen geht bei USA nicht, was anderes hört man kaum. Die Weltordnung-Regel wurde von Trump unterlaufen, wie soll sich die EU jetzt verhalten? Die EU- Frage dürfte sein: Wie gehen wir nun mit Trump um?

    • DJ 05.01.2026, 21:26 Uhr

      "seine Werte verteidigen", bedeutet verteidigungsfähig zu sein. Verteidigungsfähigkeit, gewährleistet man u.a. nicht nur durch aktionistisch-hyperaktiven Panzer-, Schiffs- und Flugzeugbau, sondern vor allem durch eine gesicherte Verfügbarkeit von strategischen Rohstoffen (z.B. schwere, seltene Erden). Und hier scheitert die EU nicht nur im Punkt "gesichert", sondern bereits im Punkt "Verfügbarkeit", weil man z.B. dafür notwendige Bergbauprojekte sträflich vernachlässigt hat. China bestimmt diese Lieferketten und -regeln quasi monopolistisch. Schon allein deshalb, braucht die EU aus militärischer Sicht für mind. noch 20 Jahre zwingend!!! die USA. Niemand weiß das besser als Trump und dieser weiß auch, dies entsprechend (aus)zu nutzen. Ein EU-Werte-Bollwerk gegen die echten Großmächte, kann aktuell leider nur als Utopie abgetan werden. Die Frage "Wie gehen wir nun mit Trump um?", stellt sich evtl. noch irgendein EU-Ethikrat, realistisch gilt: "Was kriegen wir noch vom Kuchen ab?".

  • 56 Raimund 05.01.2026, 17:57 Uhr

    Bei Ukraine werden Jahre aus der Geschichte radiert um zu vereinfachen in Gut und Böse wie im Märchen für 5jährige. Merz kann aber Komplexität im eindeutigen Fall Venezuela finden. Egal ob verbündet oder nicht, wer so den Schwanz einzieht sollte sich einen anderen Job suchen denn seine Glaubwürdigkeit ist national und international verschwunden. Das ist aber nur einer von vielen Regierungswechseln unter Beteiligung der Vereinigten Staaten, also nichts besonderes. Bei Wikipedia steht als erster Regierungswechsel im Ausland durch USA Tripolitanien (Nordafrika) im Jahre 1805; 1846–1848 Annexion von Texas und Einmarsch in Kalifornien.

  • 55 Ok 05.01.2026, 15:56 Uhr

    Ein nahezu dementer, alter, giftiger, narzisstischer und offensichtlich tiefgreifend gestörter Frauenbegrapscher, Vollprolet, ständiger Halsaufreißer, Umweltzerstörer und verurteilter Krimineller greift zu Gewalt wenn er nicht bekommt was er will und schadet zudem seinem eigenen Volk; vielleicht ist ja noch ein vernünftiger Kopf irgendwo in seinem Umfeld, der ihn mit ein paar entsprechenden Medikamenten ruhigstellen kann. Dann soll er in seinem Opastühlchen sitzen, aus dem Fenster sehen und endlich seinen dummen Mund halten, meine Güte nochmal. Das ist doch verantwortungslos was die da drüben betreiben.

  • 54 Brigitta S. 05.01.2026, 15:03 Uhr

    Die Art wie Venezuela von Trump manipuliert werden kann, schafft weltweit einen gefährlichen Präzedenzfall, dass als Muster angenommen werden könnte bei ähnlichen Situationen. Was beabsichtigt Trump tatsächlich? China und RUSS auf die Knie zwingen, als Welt- Boss über Öl und Bodenschätze der Welt allein herrschen? Nebenbei noch Europa die Zukunftssorge aufdrücken wegen Grönland? Er bewertet den Krieg in der Ukraine Mal mit Daumen runter, Mal mit Daumen hoch? Für die Völker auf der Erde wäre es dringend wichtig, dass die gegenseitige Hetze- Provokation aufhört. Die Weltpolitik müsste ihren Beitrag mehr auf Kompromissbereitschaft legen, statt über jeden Quadratmeter anderer Länder die Welt beherrschen zu wollen, mit ständiger Politik- Armverlängerung von Jahr zu Jahr. Weltordnungsregeln sollten von der Politik eingehalten werden. Halten Bürger Regeln und Gesetze nicht ein auf der Welt, nur sie werden bestraft.

  • 53 Brianna Harer 05.01.2026, 12:46 Uhr

    Dem geht's nur um das Öl, er sucht sich ein leichtes Opfer und schlägt zu. Bei Canada und Grönland ist das nicht so leicht, wie er gemerkt hat. .... der Mann ist krank und muss einfach weg. PUNKT.

  • 52 Eiszeit 05.01.2026, 12:29 Uhr

    Ein weiterer Prozess zur Neuaufteilung der Weltressourcen zwischen China, Russland und den USA. China arbeitet mit Hochdruck an der Fertigstellung des vierten Flugzeugträgers (dem vermutlich stärksten/tödlichsten Kriegsschiff aller Zeiten), um mit eigener Fristsetzung 2027 die (lt. Xi) sog. "Taiwan-Frage" zu "klären". Nach dieser Venezuela-Aktion, wird Trump dort höchstens verbal eingreifen und Putin sowieso nicht. Am "Katzentisch", ohne auch nur irgendetwas ändern, unternehmen oder gar mitbestimmen zu können, sitzt Europa bzw. die EU (vgl. z.B. Anstieg der EU-Asylanträge aus Venezuela: der "Dealmaker" kriegt das Öl und wir dafür die Fluchtopfer). In dem Spiel sind wir nur noch der Ball. Als ob Trump sich darum scheren würde, was Merz, Macron, Meloni & Co. sagen. Der belegt die, bei zuviel Generve und je nach Tageslaune, eher noch mit einem Einreiseverbot, Strafzöllen wegen "grobem Undank" o.ä., ... um es eine Woche später wieder aufzuheben.

  • 51 Hexagon 05.01.2026, 12:06 Uhr

    Prima, Trump geht mit gutem Beispiel voran! Als nächstes holt Putin den "unliebsamen Kämpfer Zelensky" aus der Ukraine und verschleppt in nach Russland. Das wiederum ermuntert dann China, Taiwan zu Unterwerfen und "heim ins Reich" zu nehmen! !!! Die Drei Großen werden sich so die Welt aufteilen und Europa kann nur kopfschüttelnd Zusehen............!

  • 50 fd 05.01.2026, 11:42 Uhr

    ich meine,wenn ONU nicht was tut gegen trump,, der welt hatt verloren sein demokratie

  • 49 Lothar Bohnau 05.01.2026, 08:51 Uhr

    Bisher war Donald Trump Tyrann im eigenen Land und das war schon nicht gut. Nun ist er auch ein Kriegsverbrecher. Und unser Kanzler drückt sich um eine klare Stellungnahme herum, nur um seinen Lehnsherrn nicht zu verärgern. Es ist erbärmlich.

    Antworten (3)
    • Ewald Grune 05.01.2026, 11:05 Uhr

      Das mit dem "Tyrann" glaube ich nicht. Bei der Frage nach dem was er erreichen will vermute ich eher: Rückhalt und Stärkung im eigenen Lager. Und Regime Change wird auch im anderen Lager gern gesehen. Diese Aktion passt nicht zum Dealmaker.

    • Brigitta S. 05.01.2026, 11:25 Uhr

      @Lothar Bohnau, Sie haben die Ansicht „ und unser Kanzler drückt sich um eine klare Stellungnahme herum“? Welche Stellungnahme hätten Sie abgegeben, wenn Sie der Kanzler wären bei der kritischen Lage in Europa? Was wäre Deutschland ohne die USA, wenn der Kanzler sich so verhalten würde wie manche User im Forum? Gegenüber USA mit 348.220.838 Menschen, hat Deutschland nur ca. 83.915.058 Stand 2025. Soll der Kanzler gegen USA hetzen? Er hat sich mit Diplomatie bei seiner Stellungnahme verhalten. Seine Rede sollte verstanden werden, sie schwankt zwischen Vernunft und Fakten. Man kann ja jedes Wort vom Kanzler anders sehen und alles falsch verstehen wollen. Man muss nicht nach dem Mund der Presse reden, aber man kann es. Wird die Lage der Krisen dadurch besser für uns in Deutschland und für die global Welt, wenn man Trump verärgert?

    • @Birgitta 05.01.2026, 12:52 Uhr

      Merz hat sich falsch Verhalten. Freundlich aber bestimmt darauf hinzuweisen, dass das Vorgehen der USA/Trump falsch und völkerrechtswidrig war, wäre der richtige Weg gewesen. Wir wissen alle, dass die USA mit dem Verhalten konsequenzlos wegkommen werden. Dafür braucht man sich aber nicht obendrein in vorauseilendem Gehorsam in den Staub zu werfen. Schon gar nicht, wenn man an sein eigenes Volk diverse Anforderungen formuliert - das ist Heuchelei und kommt beim Volk auch so an. Für alternative Fakten haben wir schon genug Anbietende.

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