Kälte und Zerstörung in der Ukraine: NRW will den Menschen helfen

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Es ist der bislang kälteste Kriegswinter in der Ukraine. Die Menschen leiden unter der gezielten Zerstörung der zivilen Energieversorgung durch Russland. Hilfe kommt zum Teil auch aus NRW.

Von Catharina Coblenz, App-Reporterin im WDR NewsroomCatharina CoblenzFrank StrohdiekFrank Strohdiek

Laut offiziellen Angaben sind in der Ukraine mittlerweile mehr als eine Million Menschen ohne Strom, Wasser und Heizung - so viele wie nie zuvor. Und das bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad.

Ab der nächsten Woche soll es dann dort noch kälter werden. Ab Februar könnten die Temperaturen nach Angaben des ukrainischen Wetterdienstes auf bis zu minus 30 Grad sinken.

Ein Leben im Ausnahmezustand

Eine Frau hält ein Kind auf dem Arm und steht mit anderen Mneshcen um eine Feiuertonne herum, um sich zu wärmen

Menschen in der Ukraine wärmen sich an einer Feuertonne

Die Ukraine befindet sich in einem extremen Ausnahmezustand. Besonders für geschwächte alte und chronisch kranke Menschen wird die extreme Kälte schnell lebensbedrohlich: Familien schlafen in mehreren Kleidungsschichten und organisieren ihren Alltag, der immer wieder von Luftalarm unterbrochen wird. Heizungen fallen aus, es gibt kein Licht, kein warmes Wasser oder warmes Essen.

Kinder lernen bei Taschenlampenlicht und ältere Menschen harren tagelang in unbeheizten Wohnungen in Hochhäusern aus, in denen der Fahrstuhl ohne Strom nicht funktioniert. Mehr als eine halbe Million Menschen sollen inzwischen die Hauptstadt verlassen haben, um im Umland Schutz und Wärme zu suchen.

Zerstörung der Energieversorgung, "Kälte als Waffe"

Trotz des Kreml-Versprechens, Energie-Anlagen wegen der Kälte vorübergehend nicht mehr zu zerstören, wurden Angriffe auf andere Ziele fortgesetzt. Am Samstag kam es in Kiew wieder zu einem großen Stromausfall - wegen des Ausfalls von Leitungen, wie der ukainische Präsident Selenskyj erklärte.

Die Bundesregierung wirft Russland inzwischen Kriegsverbrechen vor wegen der Zerstörung der Energieversorgung. Putin nutze Kälte als Waffe", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer am Mittwoch in Berlin.

NRW versucht zu helfen

Uwe Rittinghaus

Uwe Rittinghaus aus Schalksmühle

Uwe Rittinghaus organisiert zurzeit mindestens einen Hilfstransport pro Monat, der nach Saporischschja fährt. Der Schalksmühler will dafür gerade möglichst günstig Gasheizstrahler kaufen. Diese Heizflächen, die direkt auf Gasflaschen geschraubt werden, haben den Vorteil, dass sie auch funktionieren, wenn es keinen Strom gibt.

"Aktuell benötigen die Menschen alles, was warm macht. Heizkerzen, Kaminöfen, Winterkleidung." Uwe Rittinghaus aus Schalksmühle
Peter Siefen vom blau-gelben Kreuz in Rheine

Peter Siefen vom blau-gelben Kreuz in Rheine

Auch das blau-gelbe Kreuz in Rheine und viele Ehrenamtler haben Hilfe auf den Weg gebracht. Inzwischen seien vier Lkw auf dem Weg in die Ukraine, sagt Peter Siefen vom blau-gelben Kreuz in Rheine. Einer der Lkw hat allein 35.000 Tuben Brennpaste geladen, die jetzt in die Ukraine transportiert werden.

Kochstelle aus einer Brennpaste und einer Fahrradbremsscheibe

Kochstelle aus einer Brennpaste und einer Fahrradbremsscheibe

Siefen erklärt, wie man aus dieser Brennpaste und einer Fahrradbremsscheibe eine einfache Kochstelle bauen kann. Unten drunter ist Brennpaste, oben drüber ist eine Fahrradbremsscheibe - "Das ist die einfachste und simpelste Möglichkeit", sagt er.

Die Kälte ist gerade das größte Problem

Uwe Rittinghaus hat zu mehreren Menschen in der Ukraine Kontakt. Zwei von ihnen erzählen, wie sie zurzeit leben und erklären, welche Hilfe sie sich wünschen.

Lolita arbeitet im Waisenhaus irgendwo in den Karpaten. Auch für sie ist die Kälte das größte Problem. "In der Wohnung haben wir maximal 10 Grad, draußen sind es 24 Grad unter Null", sagt die junge Frau. Sie und die Kinder hoffen auf Winterkleidung und Heizungen.

Ukraine-Helfer aus NRW

WDR Studios NRW 01.02.2026 00:48 Min. Verfügbar bis 01.02.2028 WDR Online


im Gespräch mit Arseni

Uwe Rittinghaus im Gespräch mit Arseni

Arseni befindet sich in Saporischschja. Er hofft auf Generatoren und Powerstations. "Wir benötigen Strom für Heizungen und für unsere Telefone", sagt der ehemalige Unternehmer, der im Krieg alles verloren hat.

Spendenbereitschaft ist ungebrochen

Uwe Rittinghaus wird in wenigen Tagen wieder einen Lkw in die Ukraine schicken. Finanziert werden die Hilfen durch Spenden. "Die freie evangelische Gemeinde hat ein Spendenkonto eingerichtet", sagt er.

Er legt großen Wert darauf, dass er selbst keinen Zugriff auf das Konto hat. "Ich muss immer erst beim 'Finanzchef' fragen, ob ich Hilfsgüter kaufen kann." Dank der großen Spendenbereitschaft war das bisher aber nie ein Problem.

Unsere Quellen:

  • Interview mit Uwe Rittinghaus aus Schalksmühle
  • Interviews mit Lolita und Arseni aus der Ukraine
  • Interview mit Peter Siefen vom blau-gelben Kreuz in Rheine
  • Nachrichtenagentur DPA

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland 19.30 Uhr, 30.01.2026, 19.30 Uhr
Sendung: WDR.de, Ukraine-Helfer aus NRW, 01.02.2026, 21.30 Uhr

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