Mindestens 16 Tote in Sydney bei Angriff auf jüdisches Chanukkafest | KV

00:39 Min. Verfügbar bis 15.12.2027

Anschlag auf jüdisches Chanukkafest in Sydney: Trauer auch in NRW

Stand:

In Sydney in Australien sind mindestens 16 Menschen durch Schüsse getötet worden. Auch in NRW sind Entsetzen und Trauer groß.

Nach dem Terroranschlag auf eine Feier zum jüdischen Lichterfest Chanukka in der australischen Metropole Sydney mit mindestens 16 Toten und 40 Verletzten ist auch in NRW das Entsetzen und die Trauer groß. Die mutmaßlichen Attentäter von Sydney waren ein Vater und sein Sohn. Einer der beiden soll vor mehreren Jahren mit Verbindungen zur Terrororganisation IS aufgefallen sein, sagen Ermittler.

Abraham Lehrer, Vorsitzender der Synagogen-Gemeinde in Köln

Abraham Lehrer

"Wir sind zutiefst geschockt, natürlich fühlen wir mit den zahlreichen Opfern, die dort ums Leben gekommen sind“, sagte Abraham Lehrer, Vorsitzender der Synagogen-Gemeinde in Köln, dem WDR. Die Jüdinnen und Juden in NRW seien hin- und hergerissen gewesen, ob sie angesichts dieses Vorfalls Chanukka, das ein fröhliches Fest ist, feiern könnten. Die Entscheidung fiel zugunsten des Festes: "Chanukka ist da und wir werden Chanukka feiern, genauso, wie wir nach dem 7. Oktober 2023 jeden anderen Feiertag gefeiert haben“, sagt Iritih Michelsohn, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld, dem WDR. Natürlich ohne die Opfer zu vergessen, fügt sie hinzu.

Auch in Münster feierten Menschen gestern das Chanukka-Fest. Aber auch hier ist die Stimmung nach dem Anschlag in Australien gedrückt. Etwa 120 Juden und Christen kamen auf den Maria-Euthymia-Platz - mehr als die Jahre zuvor. Viele kamen aus Solidarität wie etwa der Theologie-Student Christoph Burkhard. Er ist nicht zum ersten Mal dabei und war von der jüdischen Gemeinde eingeladen worden, schon bevor der Anschlag passierte. Was passiert sei, sei furchtbar und traurig, sagt der 27-Jährige.

Das Chanukka-Fest ist für die jüdische Gemeinde ein Lichterfest. Man solle dieses Fest auch jetzt nicht im Dunkeln feiern, sondern auf einem öffentlichen Platz und gemeinsam.

"Wichtig, jetzt Solidarität zu zeigen"

Auch Tilman Fuchs, der Oberbürgermeister von Münster, kam zum Fest der jüdischen Gemeinde in Münster - aus Respekt und Solidarität, wie er betont. Er wolle ein Zeichen setzen für die hier lebenden jüdischen Mitbürger. Es sei sehr wichtig, Solidarität zu zeigen. Die Stadt tue außerdem "alles für die Sicherheit" der jüdischen Mitbürger. 

Anfeindungen und Antisemitismus nehmen auch in Deutschland zu

Trotzdem sorgt der Anschlag für Unruhe und Unwohlsein in der Gemeinde - und auch Anfeindungen von Jüdinnen und Juden und Antisemitismus insgesamt. Sie nehmen immer mehr zu, auch in Deutschland. Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Karina Hoensbroich hat in letzter Zeit viele Gespräche, in denen sie ihre Mitglieder beruhigen muss, sagt sie.

Was ist am Bondi-Beach in Sydney passiert?

Mehrere Rettungskräfte stehen am Bondi Beach

Rettungseinsatz in Sydney

In Sydney hatten sich Hunderte Menschen zur Feier des Beginns des jüdischen Chanukka-Fests an dem Strand versammelt, als es zu dem Angriff kam. Es habe sich um einen Anschlag auf die jüdische Gemeinde gehandelt, teilte der Regierungschef des australischen Bundesstaats New South Wales, Chris Minns, am Sonntag mit. Die Polizei stufte den Angriff als Terroranschlag ein.

Einer der Schützen war am Sonntag von der Polizei getötet, der andere festgenommen worden. Die Behörden leiteten einen massiven Rettungseinsatz an dem Strand in der australischen Metropole ein.

Held von Bondi - Obstladenbesitzer überwältigt Attentäter

Einer der Täter wurde von einem Passanten entwaffnet - nach Medienberichten ist der Mann ein muslimischer Familienvater. "7News Australia" sagte, sein Name sei Ahmed al Ahmed. Der 43-jährige Obsthändler wird als Held gefeiert.

Ein von einem Passanten aufgenommenes Video zeigt den Mann, wie er sich über einen Parkplatz anschleicht, bevor er den Schützen von hinten zu Boden bringt. Er wurde dabei vom zweiten Schützen angeschossen und musste notoperiert werden, teilte die Polizei mit.

Aufrufe zu Solidarität

Bundesaußenminister Johann Wadephul zeigte sich "zutiefst erschüttert über den Terroranschlag in Sydney". Der Angriff sei "ein Akt des Hasses, der sich am ersten Tag von Chanukka gegen alle Jüdinnen und Juden weltweit richtet", schrieb der CDU-Politiker im Onlinedienst X.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland ruft ebenfalls zur Solidarität auf. "We stand with Sydney", hieß es zunächst in Sozialen Medien neben einem Bild mit einer brennenden Kerze. Man müsse sich klarmachen, dass dieser Angriff auf das Chanukka-Fest nicht zufällig stattgefunden hat, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster.

"Es ist das Muster antisemitischen Terrors, Feiertage auszuwählen, um wehrlose Menschen zu ermorden." Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden

Was ist das Chanukka Fest?

Jüdischer kerzenhalter mit kerzen

Das Chanukka-Fest gehört neben Jom Kippur und Pessach zu den wichtigsten jüdischen Feiertagen. Jedes Jahr im Dezember feiern jüdische Bürger acht Tage lang Chanukka, das Lichterfest der Juden. Wenn am christlichen Adventskranz die dritte Kerze brennt, entzünden Jüdinnen und Juden die erste Kerze am Chanukka-Leuchter. In diesem Jahr dauert das Fest bis zum 22. Dezember. 

Wörtlich bedeutet Chanukka "Einweihung", denn das Fest erinnert an die Wiedereinweihung des Jerusalemer Tempels im Jahr 3597 (164 v. Chr.). Symbol dieses Lichterfestes ist die Chanukkia, der Leuchter, an dem an acht aufeinanderfolgenden Tagen jeweils ein Licht mehr angezündet wird.

Auch in vielen NRW-Städten gibt es Chanukka-Feste

Jüdisches Lichterfest Chanukka

Jüdisches Lichterfest Chanukka in Münster

In NRW wird das jüdische Lichterfest in vielen Städten gefeiert, zum Beispiel auch in Solingen, Mülheim an der Ruhr, Bonn oder Köln. In den Synagogen werden dabei Lobpsalmen gesprochen und besondere Abschnitte aus der Thora gelesen. Die Stadt Solingen lädt für heute gemeinsam mit der Jüdischen Kultusgemeinde und dem Gymnasium Schwertstraße zum traditionellen Lichterfest in die ehemalige Synagoge ein.

Auch die Jüdische Gemeinde Duisburg-Mülheim/Ruhr-Oberhausen und die Stadt Mülheim an der Ruhr feiern dieses Jahr gemeinsam das jüdische Lichterfest Chanukka. Oberbürgermeister Marc Buchholz und Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde, Dmitrij Yegudin, laden für den 16. Dezember 2025 auf den Synagogenplatz am Medien-Haus ein. Den Gästen wird dabei traditionell Fettgebackenes gereicht. Auch die Mitglieder der Synagogen-Gemeinde Köln und deren Familienangehörige wollen am 21. Dezember das Lichterfest mit einem Konzert und einem Familienprogramm feiern.

Reaktion auf Terroranschlag gegen Juden

Aktuelle Stunde 14.12.2025 39:08 Min. UT Verfügbar bis 14.12.2027 WDR Von Nils Rode

Unsere Quellen:

  • Abraham Lehrer, Vorsitzender der Synagogen-Gemeinde in Köln, gegenüber dem WDR
  • Iritih Michelsohn, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld, gegenüber dem WDR
  • Nachrichtenagenturen AFP, dpa, Reuters, KNA
  • Diakonisches Werk des Evangelischen Kirchenkreises Solingen
  • Synagogengemeinde Köln
  • Stadt Mülheim
  • Reporter vor Ort in Münster

Sendung: WDR. Fernsehen, Aktuelle Stunde, 14.12.2025, 18.45 Uhr

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